+
Die Volkstheater-Vereinsvorsitzenden Hauke Hummel (links) und Steffen Wilhelm im Requisitenlager in Nied. Die Zapfsäule stammt aus einer Aufführung von ?Die drei von der Tankstelle? ? war also auch schon vor einigen Jahren im Volkshaus Sossenheim zu sehen. Foto: Maik Reuß

Das Volkstheater ist wieder da

  • schließen

Das Volkstheater Frankfurt gibt’s nicht mehr? Von wegen: Als „Volkstheater Hessen“ hat ein Nieder Verein die Trägerschaft des professionellen Theaters übernommen, das am Freitag in Sossenheim spielt.

„Wenn ihr nicht mehr zu uns kommen könnt, kommen wir halt zu euch“, dachte sich Steffen Wilhelm. Als die Klagen der Frankfurter über den Verlust ihres Volkstheaters nicht verstummen wollten und er selbst vor einer beruflich ungewissen Zukunft stand, hat der Schauspieler und Regisseur zusammen mit seiner Schauspielkollegin Anette Krämer und dem kaufmännischen Volkstheater-Mitarbeiter Hauke Hummel einen Verein gegründet. Der trägt nun das Theater und bringt es in die Stadtteile und das Umland.

17 Mitarbeiter des Volkstheaters haben sich im Februar 2013 zu dem Verein zusammengeschlossen, der den Namen „Volkstheater Hessen“ trägt. Die Gründung erfolgte, nachdem die letzten Volkstheater-Mitarbeiter ihre Kündigung erhalten hatten und der Spielbetrieb im Cantate-Saal zu Ende ging. Sein Hauptzweck ist es, für die vielen Anhänger des Hauses weiter Volkstheater zu machen – die Tradition stets im Blick, aber auf neuen Füßen stehend. Der Verein hat derzeit 95 Mitglieder; darunter sind unter anderem Robert Treutel alias Bodo Bach und Helmut Markwort, der im „Volkstheater“ vor fünf Jahren den Tod im „Hessischen Jedermann“ gespielt hatte.

Der Verein „Volkstheater Hessen“ ist Mitglied im Vereinsring Nied, denn der Stadtteil ist so etwas wie der neue Sitz des Erbes von Liesel Christ: Zumindest haben die Mitglieder an der Lotzstraße ihren Lagerraum, und Hauke Hummel, der mit Steffen Wilhelm den Verein führt, wohnt in Nied. Im Lagerraum stapeln sich Requisiten, Kostüme und Möbel, unter anderem ein Sekretär, ein Tisch und Stühle, die am Freitag auf der Bühne des Volkshauses in Sossenheim stehen werden, wenn das Volkstheater dort erstmals nach langer Pause wieder gastiert. Gespielt wird das Stück „Verspekuliert“ von Adolf Stoltze; die Regie führt Steffen Wilhelm. Mit dabei sind Silvia Tietz, Sabine Roller, Andreas Walther-Schroth, Iris Reinhardt Hassenzahl und Tim Grothe.

Geplant ist, für die gesamte Rhein-Main-Region neue Stücke in der Tradition des Volkstheaters zu inszenieren – mal modern, mal klassisch, aber immer volksnah und in Mundart. Mit „Verspekuliert“ und „Meister-Heister“ spielt das Ensemble aktuell zwei Stücke – und füllte zuletzt in Hofheim sechs Mal einen Saal mit 200 Plätzen. Im August ist das Volkstheater drei Mal in Oberursel zu Gast. „Wir sind immer auf der Suche nach neuen Spielorten“, sagt Steffen Wilhelm. Erfolgreich sind ihre Inszenierungen: „Die Zuschauer erkennen die alte Handschrift wieder und sagen: ,Schön, dass es euch wieder gibt.‘“

7500 Euro gab es als Projektförderung von der Stadt – einmalig –, dann musste der Verein zusehen, dass Geld hereinkommt. „Wir sind kein Laientheater, sondern ein Verein, der ein professionelles Theater trägt“, sagt Wilhelm. „Die Schauspieler müssen davon leben.“ Der Verein hat Teile des Requisitenfundus sowie der Technik des „alten“ Volkstheaters übernommen und in dem Raum an der Lotzstraße eingelagert; in einem anderen Raum in Ginnheim hängen die Kostüme. Mit einem angemieteten Lkw werden die Requisiten von Nied aus zu den Gastspielorten gefahren, so jetzt ins Volkshaus nach Sossenheim, wo das Volkstheater Frankfurt früher regelmäßig bei ausverkauftem Haus zu Gast war.

Gut verkauft sind inzwischen auch die Sitzplätze bei der Aufführung, die für Freitag im Volkshaus Sossenheim angesetzt ist, aber es gibt noch Karten: Sie sind im Vorverkauf zu 16 und 18 Euro in der Feldberg-Apotheke, der Eulen-Apotheke, der Westerbach-Apotheke und bei Schuh-Henrich zu haben; an der Abendkasse kosten die Tickets 18 und 20 Euro. Die Vorstellung beginnt um 20 Uhr.

Der Kultur- und Förderkreis Sossenheim, der das Volkstheater ins Volkshaus an der Siegener Straße geholt hat, und das Höchster Kreisblatt verlosen für die Vorstellung am Freitag drei Mal zwei Karten. Wer heute, Mittwoch, um Punkt 12 Uhr unter der Telefonnummer

(0 69) 31 40 70 25

anruft und als einer der ersten durchkommt, kann zu den Gewinnern gehören. Anrufe vor der genauen Uhrzeit und auf anderen Anschlüssen des Höchster Kreisblatts nehmen nicht an der Verlosung teil. Die Karten werden an der Abendkasse hinterlegt.

Mit einem Jahresbeitrag von 60 Euro kann übrigens jeder passives Mitglied des „Volkstheaters Hessen“ werden und einen Beitrag zum Fortbestand der Traditionsbühne leisten: Unter im Internet gibt es weitere Infos.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare