Defekte Türen

Wache schieben vor dem WC

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Modern, behindertengerecht, geräumig: Eigentlich hätte die WC-Anlage am Höchst Marktplatz das Zeug zu Vorzeige-Toilette. Wenn der Geld-Schlitz doch nur kein 50-Cent-Grab wäre und die Türe ordentlich schließen würde. Die zuständige FES verspricht auf Hinweis dieser Zeitung baldige Abhilfe.

9 Uhr morgens, Ortstermin am Höchster Markt: Marktbesucherin Elisabeth Oltsch will gerade eine 50-Cent-Münze in den Geldschlitz vor der öffentlichen Sanitäranlage in der Antoniterstraße neben der Höchster Markthalle einwerfen, als ein Mitarbeiter in der orangefarbenen Dienstkluft der städtischen Müllentsorgung (FES) von der Seite heran eilt: „Kein Geld einwerfen!“, ruft er der verdutzten Frau zu. Um ihr dann mit der knappen Erklärung „Ist kaputt!“ per Hand die Schiebetür zu öffnen. Spricht’s und verschwindet ohne weitere Erklärung in der Markthalle, während Elisabeth Oltschs Mann vor der WC-Türe Wache schieben muss, damit seine Frau ungestört ihre Notdurft verrichten kann.

So schnell die für die Wartung des WC-Häuschens zuständige FES auch auf den Hinweis dieser Zeitung reagierte – der Münzeinwurf der benachbarten Toilettentür war mit einem „Defekt“-Streifen abgeklebt worden – richtig überzeugend war die Erstmaßnahme nicht. Denn viele Marktbesucher standen verärgert und hilflos vor der Anlage. Mancher versenkte vergebens eine 50-Cent-Münze im Geldschlitz. Nicht alle fanden heraus, dass sich die Türe tatsächlich von Hand aufschieben ließ – und nicht jedem behagte die Vorstellung, sich hinter einer Tür zu erleichtern, die nicht verschlossen werden kann.

Verwirrung herrscht auch bei Lothar Langer vor, der mit seiner Frau regelmäßig aus Friedberg zum Markt nach Höchst kommt: Er wartet eine Weile vergebens vor dem WC, weil die Anzeige über dem Münzeinwurf „Besetzt“ behauptet, und ärgert sich: „So ein schöner Markt hat eine funktionierende Toilette verdient!“ Ein Brief der 77-jährigen Kreisblatt-Leserin Elisabeth Schütz-Kneisel an die Redaktion hatte auf den Missstand aufmerksam gemacht. Die Niederin bekennt sich als großer Fan des Höchster Marktes – „Jeder Freitag ist für mich mein heiliger Markttag, da kaufe ich für die ganze Woche ein“ –, doch das Toilettenproblem habe ihre Freude am Markttreiben erheblich getrübt. Seit Monaten lasse sich die Türe der rechten Toilette nicht schließen, während die der linken trotz Münzeinwurf nicht aufgehe. „Ein 50-Cent-Grab“, klagt die Seniorin und erhofft sich eine dauerhafte Lösung der WC-Misere.

Die kann ihr Stefan Röttele, Pressesprecher der FES, auf Anfrage dieser Zeitung zwar nicht versprechen, wohl aber schnelle Hilfe: „Wir bedauern, dass die Bürgerin Grund zur Klage hatte“, sagt er und fügt hinzu: „Wir haben die rechte Seite reparieren lassen. Mit der Instandsetzung der linken Toilette sind externe Techniker beauftragt.“ Der Schaden, sagt Röttele, solle schnell behoben sein. Im übrigen seien FES-Mitarbeiter viermal pro Tag zur Reinigung vor Ort.

Allerdings weist der Sprecher auch auf einen grundsätzlichen Missstand hin: „Es gibt am Markt ein Vandalismus-Problem“. Türen würden oft eingetreten, im Münzschlitz habe diesmal ein Fremdkörper gesteckt. Stefan Röttele: „Am Höchster Toilettenhäuschen ist allein in diesem Jahr ein Schaden in niedriger fünfstelliger Höhe entstanden.“ Die FES habe deswegen mehrfach die Polizei eingeschaltet, bislang sei jedoch keine Verbesserung eingetreten.

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