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?Ich möchte weitermachen als Unterbezirksvorsitzender, wenn ihr das wollt.? Michael Antenbrink beim SPD-Parteitag am Samstag im Bürgerhaus Neuenhain.

Michael Antenbrink

Wahlverlierer bleibt SPD-Chef

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Selten ist ein Amtsinhaber so abgestraft worden: Flörsheims Rathauschef Michael Antenbrink (63) erlitt bei der Bürgermeisterwahl am 27. Mai dieses Jahres eine vernichtende Niederlage. Ist er noch der richtige Mann für die Spitze der MTK-Genossen? Nein, er wirft nicht hin. Diese Ankündigung quittieren die Delegierten beim Unterbezirksparteitag mit bravem Applaus. Mitreißender tritt Nancy Faeser auf.

Farblich gibt’s einen Kontrast. Der Hauptdarsteller, Flörsheims Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD), trägt eine blaue Jeans und einen dunklen Sakko. Das für die Sozialdemokratie typische Rot ist nirgendwo an ihm erkennbar. Es sticht nur hinter und neben dem Redner hervor. Zwei knallrote Fahnen mit dem weißen Aufdruck SPD hängen vor der Bühne im Bürgerhaus Neuenhain. Der Tisch, an dem Versammlungsleiter Gerd Elzenheimer sitzt, ist ebenfalls rot umspannt.

Doch Kleidung sagt selten etwas über die politische Gesinnung aus. Jeder darf anziehen, was er will, und ein SPD-Unterbezirksparteitag ist keine Modenschau. Politische Inhalte, Personalangelegenheiten und unvermeidliche Formalien diktieren die Tagesordnung. Im Neuenhainer Bürgerhaus richtete sich der Blick vor allem auf Michael Antenbrink, der die Main-Taunus-Genossen seit 2015 anführt. Es war der erste SPD-Parteitag nach seiner überraschend deutlichen Abwahl: Vor drei Wochen fegten ihn die Flörsheimer aus dem Amt. Der Amtsinhaber erreichte bei der Bürgermeister-Direktwahl nur enttäuschende 31,7 Prozent. Bernd Blisch (61,2 Prozent), unterstützt vom ungewöhnlichen Vierer-Bündnis aus CDU, FDP, Galf und „dfb“, deklassierte den seit 2006 amtierenden Rathauschef. Dass ein Amtsinhaber derart abgestraft wird, hat Seltenheitswert. Unmittelbar nach der vernichtenden Niederlage ließ Antenbrink offen, ob er aus dem Wahldebakel Konsequenzen für seinen Führungposten auf Kreisebene zieht und als Unterbezirksvorsitzender weitermacht.

Ernsthaft stellte sich in den Reihen der SPD die Frage: Ist ein extrem geschwächter Bürgermeister noch der richtige Mann für die Parteispitze? Bringt Antenbrink die Kraft auf, den Tiefschlag wegzustecken und weiterhin eine zerrissene und unter Druck stehende Partei zu führen, gerade mit Blick auf die Landtagswahl am 28. Oktober 2018? Tritt er womöglich ein Jahr vor Ende seiner Amtszeit zurück? Sollte er zurücktreten?

Die ganz offizielle Antwort auf die vorletzte Frage gibt es seit Samstagmittag. Antenbrink, der seinen letzten Tag als Flörsheims Rathauschef am 31. Oktober dieses Jahres hat, beendete die Rücktrittsspekulationen und verkündete den Delegierten: „Ich möchte weitermachen als Unterbezirksvorsitzender, wenn ihr das wollt.“ Niemand im Saal erhob Widerspruch, aber Euphorie oder donnernden Beifall löste die Ankündigung nicht aus. Antenbrink sagte, er sei seit 45 Jahren Parteimitglied und stehe der SPD auch nach dem 31. Oktober zur Verfügung, „auch in Flörsheim“. Der 63-Jährige fügte an, er werde künftig „nicht mehr so stark in der Öffentlichkeit“ auftreten wie bisher: „Ich werde aber in der SPD bleiben und mich einbringen, bis mich jemand aus dem Veranstaltungsraum hinaus trägt.“ In seiner Rede vermischte Antenbrink Flörsheimer Belange mit Überlegungen zur Landes- und Bundespolitik. Für ihn habe sich nach der „im ersten Moment deprimierenden“ Bürgermeisterwahl-Niederlage gezeigt, dass „gute und erfolgreiche Arbeit allein“ heutzutage nicht mehr ausreichen, um zu gewinnen. Die Partei habe beispielsweise die sozialen Medien „nicht stark genug bedient“. Da seien er und die SPD „nur eingeschränkt kampagnenfähig“. Zur Landtagswahl am 28. Oktober sagte Antenbrink: „Wir haben die Chance, nicht nur zweiter Sieger zu sein.“ Der Abstand zur CDU sei „nicht so groß“.

Die Delegierten quittierten Antenbrinks Ansprache mit bravem Applaus. Während der Unterbezirksvorsitzende sachlich-nüchtern redete, schlug seine Vorgängerin Nancy Faeser kämpferische und leidenschaftliche Töne an. Ihre Parteikollegen unterbrachen die Landtagsabgeordnete mehrfach mit starkem Applaus. Faeser, die auch Generalsekretärin der Hessen-SPD ist, räumte ihrer Partei gute Erfolgsaussichten ein. Die jüngsten Umfrageergebnisse für den 28. Oktober zeigen, dass die vorne liegende CDU „in Schlagweite“ liege. Faeser: „Nur fünf bis sechs Prozentpunkte liegen zwischen uns und der Union. Freunde, da geht was! Das ist zu schaffen!“

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