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Der Wandel eines Viertels

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Von: Holger Vonhof

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Der Unterliederbacher Hobby-Fotograf Horst Scheuner (Mitte) hat die Wandlung der McNair-Kaserne von 1997 bis heute fotografisch begleitet. Gestern zeigte er im ?Café McNair? seine Bilder Oberbürgermeister Peter Feldmann und KEG-Chef Rainer Wrenger (r.).
Der Unterliederbacher Hobby-Fotograf Horst Scheuner (Mitte) hat die Wandlung der McNair-Kaserne von 1997 bis heute fotografisch begleitet. Gestern zeigte er im ?Café McNair? seine Bilder Oberbürgermeister Peter Feldmann und KEG-Chef Rainer Wrenger (r.). © Leonhard Hamerski

Als die US-Soldaten abzogen, wollte keiner das ehemalige Militärareal haben. Vor 20 Jahren machte sich eine städtische Mehrheitsgesellschaft daran, das zu ändern.

Horst Scheuner und Rainer Wrenger sind sich bis gestern nie zuvor begegnet. Beide verbindet jedoch das Quartier, das heute als „Lindenviertel“ bekannt ist. Der Unterliederbacher Hobby-Fotograf Scheuner wurde 1997 auf die äußerst interessanten Vorgänge rund um die McNair-Kaserne aufmerksam und begann, sie mit der Kamera einzufangen. Seine Bilder – das letzte entstand vor vier Wochen – sind seit gestern im „Café McNair“ in der Herbesthaler Straße 2–4, einer Einrichtung in den Räumen der früheren Kaserne, zu sehen. Rainer Wrenger wiederum ist der Mann, der alles auf den Weg gebracht hat. „Ich hatte ein Tränchen in den Augen, als ich die Bilder vorhin das erste Mal gesehen habe“, sagte er gestern Abend, als er die Ausstellung im Beisein von Oberbürgermeister Peter Feldmann sowie einiger Ortsbeiräte, Stadt- und Sozialbezirksvorsteher und anderer Ehrenamtler eröffnete.

Ein langer Weg

Der OB war gestern Abend im Zuge seiner „Hausbesuche“ in der Josef-Fenzl-Straße, dem Felsenbirnenweg und der Karl-Blum-Allee unterwegs und nutzte die Gelegenheit, sich zuvor das von der Transferwerkstatt des Frankfurter Vereins für soziale Heimstätten betriebene Café anzuschauen, das sich zu einem Herzstück der früheren Kasernenanlage gemausert hat. Auch der vor inzwischen elf Jahren eröffneten ersten Frankfurter Wohngemeinschaft für Demenzkranke, geführt von der Evangelischen Gesellschaft zum Betrieb von Wohn-, Alten- und Pflegeheimen, stattete er einen Besuch ab.

Beide entstanden im Zuge der Entwicklung des Areals, für die die Konversions-Grundstücksentwicklungsgesellschaft (KEG) Rainer Wrengers seit 20 Jahren verantwortlich zeichnet. Die KEG wurde vor 20 Jahren allein zu dem Zweck gegründet, die 14 Hektar des von der US-Armee verlassenen Areals ziviler Nutzung zuzuführen. „Aber das war kurz nach dem Griesheimer Störfall, und im Frankfurter Westen wollte keiner bauen“, erinnerte sich Wrenger. Er habe damals 45 potenzielle Investoren durch das Areal geführt; keiner habe sich an das Baudenkmal der Kaserne gewagt. „Also haben wir es selbst gemacht.“

Lebendiges Viertel

Heute ist die Kaserne das Zentrum des Lindenviertels, das sich links und rechts der Windthorststraße erstreckt und in dem viele junge Familien leben. In der Kaserne sind neben dem Café und der Demenz-WG unter anderem auch eine Mieter-Anlaufstelle, ein Wohn- und Pflegeprojekt der Praunheimer Werkstätten, die Frankfurter Sportjugend und ein Kindergarten untergebracht. Das Filmtheater Valentin, auch das zeigen die Bilder Scheuners, hat weichen müssen. Aber seine Fotos dokumentieren die Zeit, als der Platanenhof noch von Studenten besetzt war, als es eine „Galerie auf Zeit“ gab und das Kleinod, das auf dem Kasernenareal entstanden ist, heranwuchs.

„Damals habe ich gedacht, dass die KEG nach dem Auftrag zugemacht wird“, sagt Wrenger, der als Berliner selbst seit Jahren in Unterliederbach lebt – und das gerne, wie er sagt. Inzwischen ist die KEG, die sich unter anderem auch um den „Goldenen Adler“ in Höchst und andere Objekte, die keiner haben wollte, kümmert, so etwas wie die Nothelfer-Brigade der Stadt. Am 21. Mai will Feldmann mit Wrenger in Höchst aktuelle KEG-Projekte besichtigen, und am 3. Juli feiert die KEG ihr 20-jähriges Bestehen – natürlich mit einem Fest in der McNair-Kaserne. Bis dahin ist auch die Ausstellung zu sehen.

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