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Hofheim zählt zu den beliebtesten Wohnorten im Main-Taunus-Kreis. Warum ausgerechnet hier die Wohnungsmarktlage nicht angespannt sein soll, ist in der Tat fraglich. Archiv-Foto: knapp

Soziales

Warum wohnen Hofheimer billiger als Krifteler?

  • vonBarbara Schmidt
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Linke im Kreistag entdecken Ungereimtheiten bei den Mietstufen - diese haben erheblichen Einfluss aufs Wohngeld

Main-Taunus -Wer Wohngeld erhält, weil sein Einkommen für die Mieten in seiner Stadt nicht ausreicht, bekommt nicht überall in Deutschland gleich viel an Zuschuss. Das ist verständlich, denn je nach Wohnort ist die Höhe der Durchschnittsmiete ja ebenfalls unterschiedlich. Geregelt ist das im Wohngeld-Gesetz. Im Jahr 2020 hat die Bundesregierung das Wohngeld kräftig erhöht. Zugleich hat das CSU-geführte Bundesministerium für Inneres, Bauen und Heimat die sogenannten Mietstufen von sechs auf sieben erweitert. Zudem wurde eine Neueinstufung der Kommunen und Landkreise bundesweit vorgenommen. Was dabei herausgekommen ist, findet die Linke im Kreistag zumindest fragwürdig. Der MTK sei, heißt es in einer Anfrage an den Kreisausschuss, gleich um zwei Stufen (von VI auf IV) abgesenkt worden. So steht es zumindest auf Webseiten wie wohngeld.org oder smart-rechner.de.

Als einzige Stadt im Kreis wurde Bad Soden die neue Höchststufe VII (bisher V) zuerkannt. Die Kreisstadt Hofheim bleibt bei Stufe V. Wer hier Wohngeld bezieht, erhält auch weniger Geld als einer, der in Eschborn, Hattersheim, Kelkheim oder Kriftel wohnt, die alle in Stufe VI eingeordnet wurden. Als einzige Main-Taunus-Stadt wurde Eppstein herabgestuft (von VI auf V).

Der Linken im Kreistag erscheint die Einstufung "sehr willkürlich". Sie hat daher zum Thema eine Anfrage gestellt und will wissen, wer verantwortlich ist, welche Datengrundlage es dafür gibt und ob die Kommunen angehört wurden. Laut dem Bundesinnenministerium selbst wurden der Einstufung "Daten der Wohngeld-Statistik" zum Ende 2016 und 2017 zugrunde gelegt.

Weil Liederbach und Sulzbach weniger als 10 000 Einwohner haben, weist Ihnen das BMI die Mietstufe des Main-Taunus-Kreises zu, laut der Anfrage der Linken also Stufe IV. Aus der Einstufung der zehn Städte erschließt sich die angebliche Absenkung nicht - deren Durchschnittswert liegt bei 5,6.

Zumindest diese Ungereimtheit ließ sich klären. "Es handelt sich hier anscheinend um ein Missverständnis", teilt Dr. Markus Lammert, einer der Pressesprecher des Ministeriums, auf Anfrage dieser Zeitung mit. Er versichert: "Der Main-Taunus-Kreis ist nach der Wohngeldreform 2020 unverändert der Wohngeld-Mietenstufe VI zugeordnet." In der Anlage zu § 1 Absatz 3 der Wohngeldverordnung (WoGV) lässt sich das nachlesen. Da hat wohl auf den vorgeblichen Ratgeber-Seiten im Internet jemand den Strich bei der römischen Ziffer falsch gesetzt, einfach vor das V statt dahinter - ein typischer Abschreibfehler, wie er schon zu biblischen Zeiten vorkam. babs

Info: Lage auf dem Wohnungsmarkt ist angeblich nicht mehr angespannt

Noch eine Neueinschätzung zum Wohnungsmarkt - diesmal aus dem Hause des hessischen Wirtschaftsministers Tarek Al-Wazir (Grüne) - kommt der Linken im Kreistag spanisch vor. Die Linken fragen, warum der Minister oder seine Behörde zu der Einschätzung gelangt sind, dass die Wohnungsmarkt-Lage in Hofheim und Hattersheim - im Unterschied zu der in den Nachbarkommunen - nun nicht mehr "angespannt" sei. Eine entsprechende Anfrage haben sie allerdings nicht an das Land, sondern an den Kreis gestellt. Die Einschätzung des Landes ist deshalb nicht unbedeutend, weil bestimmte Vorschriften zum Schutz von Mietern nur gelten, wenn die Lage an ihrem Wohnort entsprechend als "angespannt" eingestuft ist.

Die Linken wollen vom Kreisausschuss wissen, was er gegen die Einschätzung des Landes unternehmen kann, da diese Hattersheimer und Hofheimer Mieter gegenüber anderen im MTK benachteilige. Außerdem komme das Gutachten, das der hessische Wirtschaftsminister vor seiner Verordnung in Auftrag gegeben habe, genau zu dem gegenteiligen Schluss. babs

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