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Maja Lehmann und Tochter Frieda rechen die Köttel von Lutz, Isolde und Wilma auf, die dabei interessiert zuschauen. Der Lernbauernhof der ?Ponyzwerge? am Rand von Frankfurts südwestlichstem Stadtteil Sindlingen zieht Eltern und Kinder aus der ganzen Stadt und dem Umland an.

Lernbauernhof in Sindlingen

Wenn Städter gerne Köttel kehren

Sie misten Gehege aus, schippen Sand, schreinern, reparieren, streichen oder pflanzen: Eltern und weitere freiwillige Helfer erleben bei den „Ponyzwergen“ an jedem ersten Samstag im Monat hautnah Leben auf dem Bauernhof. Dort ist immer und für jeden etwas zu tun.

Es riecht würzig – ein bisschen nach Land, nach Vieh, aber auch nach Blüten, Kräutern, Gras. Am Zaun lehnt Werkzeug, daneben stehen ein Sack voll Heu und Kinderschubkarren. „Das Heu ist fürs Ziegengehege. Lass das am besten die Kinder machen“, sagt Sara Kolata zu Maja Lehmann. Die pädagogische Leiterin des Vereins „Reiter- und Lernbauernhof Ponyzwerge Sindlingen“ hat in der Mutter zweier Töchter eine zuverlässige Helferin. Während der Reitstunde der Töchter unterstützt die Zeilsheimerin den Verein mit ihrer Arbeitskraft.

Das tun viele der Eltern, deren Kinder in dem üblicherweise einfach „Ponyzwerge“ genannten Verein reiten. Vor allem an jedem ersten Samstag eines Monats tummeln sich fast so viele Menschen wie Tiere auf dem langgezogenen Grundstück unterhalb der Böschung der B 40. Dann bietet der „Familiensamstag“ Kindern und Erwachsenen Gelegenheit, einen Tag lang Landleben zu erfahren, mit allem, was dazu gehört.

Zum Beispiel das Zusammenkehren der Ziegenköttel. Maja Lehmann und Tochter Frieda rechen den Boden des Geheges sauber. „Das gehört alles dazu“, findet die Zeilsheimerin: „Kinder kommen nicht nur zum Reiten, sondern lernen den Umgang mit der Arbeit, die dazu gehört“, sagt sie. Mehrere Kinder beladen anschließend kleine Schubkarren mit „Heulage“, das ist angegorenes, staubfreies Heu, und bringen es den Ziegen Lutz, Isolde und Wilma. In deren Unterstand haben sich derweil Hühner gemütlich niedergelassen, eins hat gerade ein Ei gelegt. Im schmalen Gang zwischen den Gehegen führt Trainerin Petra Klein ein weißes Pony vorbei. „Prince“ hat jetzt seinen Einsatz auf dem Reitplatz.

Überall tut sich etwas. Weiter vorn kehren Lalena Schwab und weitere Helferinnen den Bauwagen ab. Er soll frisch gestrichen werden. Jochen Lipp aus Griesheim klebt Raufaser an die äußere Wand des Ziegenstalls. Sie dient als Malunterlage im „Wasserfarbenatelier“, das bald rege von Kindern genutzt wird. Die Hunde April und Casper liegen unter einem Baum und schauen Patrick Kolata und Matthias Günther dabei zu, wie sie den Standplatz des Misthängers verlegen. Irgendwo restauriert ein Vater einen Bollerwagen, dann kommt schon wieder ein Pony vorbei. Der nur einen Meter hohe „Löwenherz“ hat jetzt Feierabend – und darf auf die Weide.

Was wie Chaos anmutet, ist aber keins. Hier weiß jeder, was er tut, und es gibt für jeden etwas zu tun. „Es gibt niemanden, der nichts kann“, ist das Credo der Leiterin der „Ponyzwerge“, Sonja Heinisch. Aus allen Stadtteilen wie auch dem Umland kommen Eltern mit ihren Kindern an den Sindlinger Stadtrand, weil sie vom Konzept des Lernbauernhofs überzeugt sind. „Unsere Tochter wollte reiten, und wir haben lange nach einem Verein gesucht, in dem die Kinder auch alles andere lernen, was dazu gehört“, sagt Nicole Luckfiel aus Ginnheim: „Sie machen sauber, kratzen die Hufe aus und lernen, Verantwortung für das Tier zu übernehmen.“ Das sei wichtig. „Es ist ein schönes Konzept“, findet auch Bettina Günther aus Unterliederbach. Ihre Zwillinge Jonas und Johanna (4) lieben die kleinen Ponys, die kleinen Ziegen und ihre Pflegeküken. „Alles ist kindgerecht, nicht so kommerziell, und die Gruppen sind klein“, zählt sie auf, warum sie den Verein gerne unterstützt.

„Es macht Spaß, ich finde es gut, dass sich die Eltern nützlich machen“, sagt Jochen Lipp. Ohne diese Hilfe wäre vieles nicht möglich. „Demnächst wollen wir unseren Brunnen erneuern und mit einer Photovoltaikanlage versehen“, erzählt Patrick Kolata. Dafür suchen die Ponyzwerge einen Sponsor. Weil das Gelände keinen Stromanschluss hat, behelfen sie sich bislang mit einem Dieselaggregat, das aber nicht ins umweltfreundliche, nachhaltige Konzept passt. Auf einem nahe gelegenen Grundstück entsteht ein Bauerngarten. Es gibt viele verschiedene Angebote für Kinder, für die zusätzliche Betreuer gebraucht werden. „Wir können jede Hand brauchen. Jeder kann mitwirken und sich einbringen“, ermuntert Sonja Heinisch alle Interessierten zum Mitmachen auf dem Lernbauernhof.

Der Lohn ist Zufriedenheit. Die Stunden bei den Ponyzwergen seien „für die Kinder schön und für uns auch“, sagen Nicole Luckfiel und Bettina Günther, während sie Pferdeäpfel zusammenrechen und zum Sammelplatz bringen. Sie empfinden die Stunden im Freien als willkommenen Ausgleich zum Beruf und befriedigende Arbeit: „Wenn dann hinterher alles schön sauber ist, sieht man, was man gemacht hat. Das tut gut.“

Der nächste Familiensamstag ist am Samstag, 6. Mai, von 10 bis 16 Uhr.

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