Eichendorffschule

„West Side Story“ in der Herberge

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Am Montag heißt es „Romeo & Julia“ beim großen Konzert der Eichendorffschule. Drei Tage haben knapp 70 Schüler fast nonstop in der Jugendherberge Wiesbaden geprobt. Wir haben sie im speziellen Ambiente besucht.

Kein schöner, ein funktionaler Bau. Wie Jugendherbergen halt so sind. Immerhin, das Haus im Wiesbadener Westen für bis zu 260 Gäste ist vor wenigen Jahren renoviert worden, jedes Zimmer hat sogar ein eigenes Bad. Es erinnert hier nicht viel an den speziellen Charme der Jugendherbergen der früheren Jahre. Auch der Spüldienst ist hier kein Thema mehr. Die 65 Eichendorffschüler und 3 Lehrer, die an diesen drei Tagen einen guten Teil der Betten belegen, haben dafür ohnehin wenig Zeit und Muße. Sie sind quasi im Trainingslager, bereiten sich in vielen Übungsstunden – am Ende werden es gut 25 sein – auf ihr großes Konzert am Montag, 26. Februar, in der Stadthalle Kelkheim vor (siehe Info).

Wer die etwas versteckt liegende Herberge gefunden hat, der wird an diesem Nachmittag gleich von einem Wohlklang „begrüßt“. Im Saal am Eingang haben sich das Sinfonie- und das Blasorchester ausgebreitet, die ersten Töne aus Bernsteins „West Side Story“ schaffen es gut hörbar durch die Tür. Dass hier die Eichendorffschule (EDS) Münster mit großer Mannschaft ihr Quartier bezogen hat, ist auch zu sehen: Drei der Säle und Konferenzräume sind auf der Hinweistafel mit einem Schild der Kelkheimer versehen. Musik passt ins Bild, die Wände im Foyer zieren Gemälde von Jazzmusikern.

Diese Musikrichtung spielt im Saal nebenan weniger eine Rolle. Die EDS-Ensembles haben sich unter dem Titel „Romeo & Julia“ der Liebe verschrieben, eine klangvolle Mischung aus Klassik, Musical-Stücken, Rock und Pop wartet am Montag auf die Besucher. Und dann wollen sie alle Bestleistungen bringen. Allen voran Olaf Heim, Lehrer und Fachbereichsleiter an der EDS. Vor allem aber der „Vater“ dieses großen Musikprojektes. Und ein bisschen natürlich Perfektionist. Mal hat er bei der Probe die Trompeten im Visier: „Ihr seid ein Viertel zu spät.“ Nun den Drummer: „Da darf das Schlagzeug ruhig ein bisschen mehr machen.“ Dann mischen sich störende Töne von der Feuerwehr ins Gesamtwerk. Die Trompeten und Flöten, im Orchester überdurchschnittlich gut besetzt, könnten „ein bisschen leichter spielen“, wünscht sich Heim. Ein Kontrabass muss neu gestimmt werden, und plötzlich sind die Flöten zu früh. Heim korrigiert das freundlich, aber bestimmt: „Ich bin jetzt so ungeduldig, weil wir das heute Morgen mit den Anderen schon 25 Mal gemacht haben.“

Doch trotz aller Korrekturen: Die Stimmung nach bereits vier, fünf Stunden Proben ist locker, gelöst, aber konzentriert. Die durch das Fenster scheinende Sonne untermalt die harmonischen Stücke der „West Side Story“. Als das „I like to be in America“ erklingt, strahlt Heim mit seinen Schülern um die Wette. Lehrerin Kirsten Georgi, Leiterin des Blasorchesters, das künftig Big Band heißen soll, geht im Takt zufrieden mit. Zum Finale vor der Pause spielen sie das ganze Stück durch. Mit einem winzigen Intermezzo: „Wie heißt das Stück?“, fragt Heim und gibt die Antwort gleich mit: „I feel pretty.“ Schön und leicht soll das dem Namen nach daherkommen, „nicht so mürrisch“, sagt Heim im grantelnden, amüsanten Tonfall. Der ganze Saal lacht und legt sich noch mal ins Zeug, was ihnen ein „Ja, das wird doch immer besser“ vom Chef einbringt.

Olaf Heim weiß, dass er den Schülern mit drei Tagen in der Jugendherberge und Musik von morgens bis abends einiges abverlangt. Bis zu neun Stunden Probe am Tag, das schlaucht die Jugendlichen – vom Sechstklässler bis zum Oberstufen-Schüler. Doch der Lehrer sagt: „Ohne Orchesterfreizeit funktioniert das bei uns nicht. Das ist essenziell für das Zusammengehörigkeitsgefühl.“ Während des Schulalltags mal am Freitagnachmittag zwei, drei Stunden proben – das sei schon stressig, für manche Schüler aber auch ein schöner Wochenausklang, weiß Heim, der das Konzept fürs Konzert seit den Sommerferien 2017 ausgearbeitet hat.

Die Schüler finden’s aber richtig klasse, hier drei Tage „Musikurlaub“ zu machen. Natürlich fällt der Unterricht aus. Aber sie brennen auch für die Sache. „Wir werden immer besser, die Stimmung ist gut“, sagt Jan (15), der den Kontrabass zupft. Mit Freunden in der Jugendherberge zu sein – eine coole Sache. Zumal es Freiraum gibt, mal rausgehen, joggen, etwas vom üppigen Spieleangebot nutzen, einfach quatschen. Am zweiten Abend gibt es noch mal Kultur: Die EDS fährt in die Alte Oper Frankfurt und hört sich dort Tschaikowskys Fantasie-Overtüre zu „Romeo & Julia“ an – die sie ebenfalls im Repertoire hat. Dort präsentieren einige Schüler auch ihren dazu im Rahmen eines Opern-Projektes erstellten Filmbeitrag. Apropos: Schon an Tag eins bekommen die Musiker Besuch. Ein Imagefilm für den Schwerpunkt Musik an der EDS wird gedreht, mit Interviews, Szenen und allem, was dazu gehört.

Vor allem aber müssen sie üben, üben, üben – in mehreren Gruppen. Lehrer Rüdiger Amann hat sich mit einem kleinen Team in einen Seminarraum zurückgezogen. Wie viele Schüler, so hat Amann für diese Probe die gemütliche Montur in Hausschuhen gewählt. Das tut der Konzentration keinen Abbruch. „Oh, das klingt unsauber“, korrigiert er und entdeckt plötzlich noch einen Fehler in den Noten. Jan am Klavier ist bei einer ersten Orchesterfreizeit voll bei der Sache. Der Zwölfjährige freut sich, in diesem besonderen Rahmen Musik zu machen. Tobias an der E-Gitarre unterstützt dieses kleine Orchester. Toll findet er, dass die Schulband hier in der Jugendherberge ein eigenes Zimmer hat. Da bekommt der Kurzurlaub noch eine besonders entspannte Note . . .

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