Wider eine Kirche im Wachkoma

Die Frankfurter Katholiken erhoffen für ihre Stadtkirche mehr Entgegenkommen für wieder verheiratete Geschiedene und homosexuelle Paare und eine größere Eigenverantwortung in Finanz- und Personalangelegenheiten.

Die Frankfurter Katholiken erhoffen für ihre Stadtkirche mehr Entgegenkommen für wieder verheiratete Geschiedene und homosexuelle Paare und eine größere Eigenverantwortung in Finanz- und Personalangelegenheiten. In einem Stadtkirchenforum haben mehr als 200 Christen Handlungsoptionen entwickelt, um das Profil der Stadtkirche zu schärfen und sie für Menschen, die auf Sinnsuche sind, attraktiver zu machen. Stadtdekan Johannes zu Eltz und der Vorsitzende der Stadtversammlung der Frankfurter Katholiken, Christoph Hefter, äußerten sich zufrieden über den Verlauf der Tagung, die „hoch konzentriert und engagiert“ notwendige Reformschritte angemahnt habe. Dabei seien Glaube, Verstand und Herz spürbar geworden, sagte zu Eltz.

Verstärkt werden sollen unterschiedliche Gottesdienstformen und spirituelle Angebote ebenso wie Glaubenskurse und experimentelle liturgische Formen oder die Glaubensverkündigung durch Laien. Dafür sollen haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter gemeinsam Instrumente entwickeln, um die Qualität von Gottesdiensten und anderen kirchlichen Angeboten zu erhöhen und Verbesserungen zu messen.

Auch beim Thema „Kirche und Geld“ werden Veränderungen angestrebt: Planungsrechnungen und Jahresabschlüsse sollen verständlicher und transparenter präsentiert werden. Vom Bistum Limburg erhoffen sich die Katholiken mehr Mitsprache bei Finanzen und Personal. Die Hoheit über die finanziellen Mittel müsse dezentralisiert werden, heißt es in einer Empfehlung an den Stadtsynodalrat, der die angestrebten Reformschritte beraten wird.

Erhofft werden von einer Mehrheit der Forumsteilnehmer auch regelmäßige Segnungsgottesdienste für homosexuelle Paare und Geschiedene, die eine neue Partnerschaft eingegangen sind. In vielen Gemeinden gebe es bereits solche Feiern, obwohl die katholische Kirche sie offiziell nicht zulässt. Diese Praxis müsse bekannt gemacht werden, um „Liebende und Paare in all ihrer Unterschiedlichkeit“ wahrzunehmen und in die Mitte der Kirche einzuladen. Stadtdekan Johannes zu Eltz unterstrich allerdings, ein solches freies und offenes Handeln könne die Stadtkirche nur mit Unterstützung des Bistums erreichen. Eine Gleichstellung mit dem Sakrament der Ehe müsse jedoch ausgeschlossen werden.

Der Bezirk Frankfurt sei ein „großer und eigengeprägter, aber selbstverständlicher Teil des Bistums Limburg“. Viele der Forderungen könnten ohne umständliche Prozesse auf Stadtebene umgesetzt werden. Für anderes brauche man das Bistum. Der Stadtdekan betonte zum Abschluss des Tages aber auch, Ruhe sei „nicht die erste Christenpflicht“. Gott freue sich nicht „über eine Kirche im Wachkoma“, sondern über eine wache Kirche, die selbstbewusst und vernünftig mit den ihr geschenkten Gütern umgehe. Nur mit Großzügigkeit und respektvollem Vertrauen realisiere die Kirche ihre Mission der Barmherzigkeit.

Das Stadtkirchenforum übergibt seine Empfehlungen dem neuen Stadtsynodalrat, der sich nach den Pfarrgemeinderatswahlen im vergangenen November im April 2016 konstituiert.

(red)

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