Kräutergarten Marxheim

Wo die wilden Kräuter wachsen (dürfen)

  • VonBarbara Schmidt
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Schon mehr als 30 Jahre stellt der Kräutergarten Heilpflanzen vor. Er wird ehrenamtlich gepflegt – und hat jetzt drei neue Paten.

Kräutergärten sind in Mode. Neuanlagen wie im früheren Benediktinerkloster Seligenstadt oder auf dem Binger St. Rochusberg oder – als Bibel-Garten – in Schwanheim spiegeln das neuerwachte Interesse an den oft unscheinbaren Pflanzen, die seit Jahrhunderten wegen ihrer Heilkraft geschätzt sind. Die Marxheimer, sagt die Biologin Dr. Helga Marie Huber mit Blick auf den Kräutergarten an der Kreuzung „Am Linsenberg/Am Pfingstbrunnen“, seien „mit dieser Anlage weit der Zeit voraus gewesen.“ Schließlich besteht sie bereits seit 1984, wie Stadtrat Wolfgang Winckler gestern erinnerte. Die Stadt hatte eingeladen, um den bisherigen ehrenamtlichen Garten-Paten Manfred Stengel zu verabschieden und die Obhut für das Kleinod offiziell an seine drei Nachfolgerinnen zu übergeben. Dass es schon eine erhebliche Arbeitsleistung erfordert, die rund um eine Sommerlinde angeordneten Kräuterbeete sauber zu halten, würdigte Winckler. Vor Stengel hatten sich Werner Diel (bis 1994) Dr. Dieter Maucher und Margret Bastian (bis 2002) sowie Dr. Hansjörg Hahn und Meike Bär (bis 2009) um die Pflege gekümmert. Einige von ihnen konnte Winckler gestern Nachmittag ebenfalls begrüßen. Zudem waren einige interessierte Menschen aus der näheren und weiteren Nachbarschaft zu der kleinen Feier gekommen, zu der die drei neuen Patinnen sogar frisches Backwerk mit Kräutern beisteuerten.

Glücksfall Patenschaft

Dass die Stadt froh ist, immer wieder Menschen für die ehrenamtliche Pflege zu finden, betonte Stadtrat Winckler besonders. Gärtner habe der Bauhof zwar. Doch für die gilt ein Stundenlohn von 45 Euro, der der Stadt in Rechnung gestellt werden müsste. „Das können wir nicht bezahlen“, weiß Winckler, „das ist heute schlicht nicht mehr darstellbar.“

Bisher hätten alle, die sich um den Kräutergarten gekümmert haben, eine glückliche Hand bewiesen. Diese wünsche man nun auch Edith von Eerde, Rita Reiter-Mollenhauer und Dr. Helga Marie Huber, die nun die Patenschaft gemeinsam inne haben. Seit Anfang März kümmern sich die befreundeten Frauen bereits um den Kräutergarten. Huber bringt als Biologin ganz besonderes Rüstzeug mit, alle drei sind aber passionierte Hobby-Gärtnerinnen.

Dass es eine Regenwassertonne gibt, deren Aufstellung Manfred Stengel angeregt hat, begrüßen sie ebenso, wie die neue Werkzeug-Kiste, für die die Stadt gesorgt hat. Die helfe, wo sie könne, lobt Rita Reiter-Mollenhauer. Die drei „Kräuter-Frauen“ wollen immer montags von 16 bis 17 Uhr sicher in der kleinen Anlage zugegen sein. Das soll auch Besuchern Gelegenheit geben, die ein oder andere Frage loszuwerden. Darüber hinaus sind die Damen gern bereit, auch Führungen etwa für Kindergärten oder Schulen anzubieten. Das sei ihr ein wichtiges Anliegen, so Helga Huber. „Ich bin eher skeptisch, ob Kinder heute noch Pflanzen erkennen lernen.“

Saison beginnt gerade erst

Sie selbst hat die Anwendung von Heilkräutern vor allem als Tee noch durch ihre Mutter kennengelernt. Wenn man etwa Bauchweh gehabt habe, sei das Tausendgüldenkraut zum Einsatz gekommen. „Das schmeckt furchtbar bitter. Bei dem Angebot: Ich mach dir einen Tee, wurd’s Bauchweh gleich schon besser“, so Huber unter dem Schmunzeln der Kräutergarten-Besucher. Die konnten gestern noch nicht allzu viele Wildkräuter betrachten, auf die die Marxheimer Anlage spezialisiert ist. Dazu ist es einfach zu früh im Jahr. Und: „Garten heißt warten“, kommentierte die Biologin.

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