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Überzeugter Buggy-Fan: Michael Hutzelmann reist regelmäßig aus dem bayerischen Kitzingen an und ist dem Hobby mit den kleinen Flitzern seit dem Jahr 2009 verfallen. Er nutzt das ungewöhnliche Gefährt auch im Alltag.

Taunustreffen

Wind ist die Musik der Buggyfahrer

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Von Donnerstag bis Sonntag trafen sich Buggy-Freunde aus ganz Deutschland in Hofheim. Das Buggy-Taunustreffen ist vor drei Jahren von Eppstein auf die Speedwaybahn in Diedenbergen umgezogen.

„Ich hab gestern eine Libelle abgekriegt. Das hat geklatscht!“ Solche Gesprächsfetzen, die man beim Buggy-Treffen in Diedenbergen aufschnappen konnte, regen zum Schmunzeln an. Die Schilderung weckt gleichzeitig auch volles Verständnis dafür, dass die Liebhaber der kleinen Freizeitautos nie ohne Schutzbrille auf Spritztour gehen. „Brille ist Pflicht“, betont Michael Hutzelmann, der dem Hobby mit den kleinen Flitzern seit dem Jahr 2009 nachgeht. Um seine Worte zu unterstreichen, verweist der 43-Jährige aus Kitzingen am Main auf den Kühler, der sich auf Kopfhöhe zwischen den beiden Sitzen befindet. Ein paar Fliegen, die zur falschen Zeit am falschen Ort summten, haben verkrustete schwarze Spuren hinterlassen. Hutzelmann spricht von regelmäßigen „Einschlägen“.

Anders als viele seiner Kameraden hat der 43-Jährige sogar eine kleine Scheibe an der Front seines ansonsten komplett offenen Buggys installiert. Das Glas bietet zusätzlichen Schutz, den Michael Hutzelmann gut gebrauchen kann. Der Bayer sitzt nämlich viel häufiger hinter dem Lenkrad des wendigen Gefährts als viele Gleichgesinnte. Im Jahr 2010 habe er sein Auto verkauft und fahre seitdem nur noch mit dem 70 PS starken Buggy – sommers wie winters.

„Das ist mein Alltagsfahrzeug“, sagt Hutzelmann, der es mit dem Mini-Wagen auf bis zu 140 Kilometer pro Stunde bringt. Warum er lieber Buggy fährt, als einen gewöhnlichen Pkw? „Es ist die Freude am Fahrgefühl“, betont der regelmäßige Gast des Diedenbergener Treffens. „Das ist noch offener als im Cabrio.“

Im täglichen Gebrauch kann die Buggy-Leidenschaft aber auch Umstände machen – zum Beispiel, wenn Michael Hutzelmann Einkäufe zu erledigen hat. Als Stauraum bleibt eigentlich nur eine längliche Box am Heck des Fahrzeuges, und die ist stets mit Werkzeug gefüllt. Seine Einkäufe verstaue er auf dem Beifahrersitz oder im Fußraum, erklärt der Buggy-Besitzer. Wenn er Getränke hole, müsse er manchmal zweimal fahren. Das stört den 43-Jährigen aber nicht – im Gegenteil: „Es macht ja Spaß“, betont Michael Hutzelmann. Durch sein ungewöhnliches Gefährt komme er regelmäßig auf dem Supermarkt-Parkplatz mit anderen Leuten ins Gespräch. Auch auf der Autobahn dauere es nicht lange, bis jemand neben ihm das zustimmende Daumen-Hoch-Signal gibt.

Michael Hutzelmann fährt ein Borossi BB 1100 XR. Ein Kamerad, der neben ihm geparkt hat, fühlt sich dadurch zum Scherzen animiert: XR stehe für „extrem verrostet“, witzelt der andere Teilnehmer des Treffens.

Tatsächlich weist der Wagen des Kitzingers einige Rostspuren auf. Doch Michael Hutzelmann nimmt’s mit Humor: Das sei „natürliche Patina“ erklärt der Buggy-Fan. So sehe das Fahrzeug eben aus, wenn man 160 000 Kilometer damit gefahren sei. Hutzelmann berichtet, dass der Buggy vom Hersteller auf Fahrten von etwa 2500 Kilometer im Jahr ausgelegt sei. Er fahre jedoch eher bis zu 25 000 Kilometer. Fahrtauglich ist das ungewöhnliche Alltagsfahrzeug trotzdem noch. Zweimal habe er Radlager ausgewechselt, und einmal sei ihm auf dem Weg nach Italien fast der Auspuff abgefallen, beschreibt der Eigentümer die notwendigen Reparaturen. Verschleißspuren nach Dauergebrauch weisen auch die Sitze auf, die der Besitzer mit schwarzem Klebeband geflickt hat. „Panzerband und Kabelbinder gehören zur Grundausstattung“, berichtet der Gast auf der Speedwaybahn lachend.

Er hat den Buggy nachträglich mit einem Zigarettenanzünder ausgerüstet, um während der Fahrt sein Handy aufladen zu können. Ein Autoradio sucht man jedoch vergeblich. Schließlich würden die Radioklänge sowieso schnell untergehen. „Auspuff- und Windgeräusche sind meine Musik“, schwärmt Michael Hutzelmann.

Am Samstag startete der Kitzinger zusammen mit den insgesamt rund 60 Teilnehmern des Buggy-Taunustreffens zu einer Spritztour rund um den Feldberg. Am Sonntag stand schließlich die Heimreise an. Der am weitesten gereiste Gast kam diesmal aus Österreich. Mittlerweile trafen sich die Buggy-Freunde zum dritten Mal in Diedenbergen – in den Jahren zuvor fand das illustre Buggy-Treffen in Eppstein statt. Ein privater Freundeskreis richtet die jährliche Begegnung der Flitzer-Freunde aus. Michael Hutzelmann schätzt die guten Gespräche, die sich abseits der gemeinsamen Rundfahren ergeben. „Hier sind schon viele Freundschaften entstanden“, betont der Stammgast.

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