15 Windräder sind möglich

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Der Kohlendioxidausstoß im Main-Taunus-Kreis könnte um 70 Prozent reduziert werden. Das verlangt aber auch die Nutzung der Windenergie.

Es sei keineswegs so, dass der Main-Taunus-Kreis 15 Windräder bauen wolle, betont Michael Cyriax, Landrat des Main-Taunus-Kreises. Entstehen könnten diese Anlagen aber schon, 15 Stück wären auf den Vorrangflächen für Windenergie in Langenhain durchaus möglich. Das ergibt sich aus dem Klimaschutzkonzept für den Kreis, das vom Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie erarbeitet und jetzt vorgestellt wurde.

Gegen den Willen der Bürger werde man solche Projekte nicht realisieren, sagt Cyriax. Er will nicht riskieren, dass sich durch vorschnelle Absichtserklärungen der Widerstand der Bürger organisiert und sinnvolle Vorhaben verhindert werden. Und überhaupt: Bei der Umsetzung der Energiewende im Main-Taunus-Kreis – und nicht nur dort – komme es darauf an, dass sich die Bürger engagieren.

Das ergibt sich schon daraus, dass Privatpersonen und Wirtschaftsunternehmen den größten Teil der Energie im Kreis verbrauchen. Der Anteil von Kreis und Kommunen liegt bei 3 Prozent, sie könnten damit eine Vorreiterrolle übernehmen. Sicher kann sich die Politik beispielsweise auch um umweltfreundlichere Verkehrsmittel bemühen. Am Ende aber kommt es entscheidend auf die Bürger an.

6600 Gigawattstunden (GWh) Energie werden im Kreisgebiet jährlich verbraucht – das entspricht 660 Millionen Liter Heizöl. Ziel ist, dies bis zum Jahr 2050 auf etwa 3400 GWh zu verringern. Und von dieser Energie soll ein so großer Anteil regenerativ erzeugt werden, dass der Kohlendioxidausstoß gegenüber heute um 70 Prozent verringert würde.

Allerdings müsste dabei eine Menge investiert werden. Das Witzenhausen-Institut beziffert die Investitionen zur Wärmedämmung von Wohngebäuden und für die Optimierung der Heizungsanlagen auf 2,6 Milliarden Euro. Das sind allerdings nicht nur Ausgaben: 77 Millionen Euro beträgt die jährliche Wertschöpfung aus den Investitionen und dem Betrieb modernisierter Anlagen, außerdem würden im gleichen Zeitraum bis zu 180 Millionen Euro an eingesparten Energiekosten im Kreis bleiben.

Von der trotz aller Sparmaßnahmen immer noch notwendigen Energie soll möglichst viel regenerativ erzeugt werden. 40 Prozent des aktuellen Strombedarfs und 10 Prozent des Wärmebedarfs könnten durch regenerative Energien gedeckt werden, tatsächlich sind es nur vier Prozent. In der dicht besiedelten Rhein-Main-Region sind die Möglichkeiten geringer als auf dem Land – für den Energiepflanzenanbau zur Biogasproduktion beispielsweise gibt es keinen Platz.

Potenziale werden nicht nur in der Windenergie, sondern in Photovoltaikanlagen gesehen, vor allem auf den vielen privaten Hausdächern. Nicht einbezogen in die Berechnungen wurde die Tiefen-Geothermie, auch weil sich deren Potenziale derzeit noch schwer abschätzen lassen. Bekanntlich finden im Raum Flörsheim/Hochheim Erkundungen statt, die aber in der Bevölkerung umstritten sind. Die geologische Lage des Kreises in der Nähe des Oberrheingrabens biete aber generell gute Voraussetzungen für eine Nutzung der Geothermie.

Entsprechend der Erkenntnis, dass die öffentliche Hand selbst nur einen geringen Teil der Energie verbraucht, konzentrieren sich die Vorschläge darauf, Privatpersonen und Unternehmen zu veranlassen, zu investieren und sich umweltfreundlich zu verhalten. Alle Fäden zusammenlaufen sollen in einem Energiekompetenzzentrum, das der Kreis einrichten und das für alle Fragen um das Thema Energie zur Verfügung stehen soll.

(bt)

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