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Andreas Bellersen von der Zentralstelle für Personen- und Familiengeschichte steht vor gepackten Kisten: Bis Ende des Monats müssen die Kellerräume im Bolongaropalast geräumt sein, weil das historische Gebäude umfassend saniert und umgebaut wird.

Suche nach neuen Räumen

Ein Archiv wird heimatlos

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Zum Monatsende muss das Familienarchiv der Zentralstelle für Personen- und Familiengeschichte wegen der Sanierung des Bolongaropalastes ausziehen. Ein neues Domizil ist noch nicht gefunden. Nun hoffen die Genealogen auf die Hilfe von Stadtrat Jan Schneider.

Andreas Bellersen, Vorsitzender der Stiftung Zentralstelle für Personen- und Familiengeschichte, sitzt schon auf gepackten Kartons – wenigstens im bildlichen Sinne. Denn bis alle Kartons ordnungsgemäß bestückt, verschlossen und beschriftet sind, dauert es noch einige Wochen. „Am 27. Januar bekamen wir dann doch recht plötzlich die Kündigung“, sagt er. Man habe zwar wegen der Sanierung des Bolongaropalastes damit rechnen müssen, dass dieser Tag einmal kommt. Doch wann das sein würde und dass die Genealogen ohne Alternative dastehen würden, konnte nach Jahren der Sanierungsverschiebung und den Versprechungen seitens der Stadt dann doch niemand wissen.

„Seit über 50 Jahren sind wir im Keller des Bolongaropalastes ansässig und haben unter diesen Bedingungen jetzt gerade mal sieben Wochen Zeit zum Auszug bekommen“, ist Bellersen noch immer fassungslos. „Dabei hatten wir 2015 noch ein Treffen mit Oberbürgermeister Peter Feldmann, bei dem man uns abermals zusicherte, zu den Versprechen zu stehen und uns für den Fall eines Auszugs rechtzeitig Ersatz-Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen“, erklärt Bellersen.

Nun liegt die Hoffnung auf dem Frankfurter Baudezernenten Jan Schneider (CDU), mit dem Andreas Bellersen und sein Kollege Andreas Heuberger vom Vorstand der Stiftung kürzlich einen Gesprächstermin hatten. Das Dezernat erklärte, Schneider werde beim Hochbau- und Liegenschaftsamt die derzeitige Lage überprüfen und nochmals nach gemeinsamen Lösungen für eine Unterbringung der Zentralstelle suchen. „Es ist eigentlich auch kaum vorstellbar, dass eine Stadt wie Frankfurt nicht eine Liegenschaft für uns zur Verfügung hat“, meint Bellersen.

Die heutige Zentralstelle für Familienforschung wurde 1904 in Leipzig als „Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte- Institut für Genealogie“ in Vereinsform gegründet und suchte nach der Teilung Deutschlands, nun schon als Stiftung, nach einer neuen Heimat in der Bundesrepublik. Diese fand sie zunächst in West-Berlin. Das Archiv zog als Reaktion auf die Berlin-Krise jedoch 1961 in den Bolongaropalast nach Höchst, während der Verwaltungssitz bis heute in Berlin eingetragen ist.

Das Archiv umfasst heute unter anderem 14 500 Fachbücher, 900 genealogische Zeitschriftentitel von Frankfurter Bürgern sowie eine noch größere Anzahl von Zeitschriften und Ortsfamilienbüchern von Familienverbänden aus dem In- und Ausland, rund 8000 Familienakten, 750 000 Karteikarten, über 400 mehrere hundert Jahre alte Leichenpredigten und eine größere Zahl genealogischer Nachlässe. Zusammen mit vier Kollegen bearbeitet Bellersen pro Jahr rund 2500 Anfragen. Für eine Fläche von 300 Quadratmetern ist eine monatliche Miete von 69 Euro zu zahlen.

Seit 2010 gab es Gespräche mit dem Amt des Oberbürgermeisters und dem Liegenschaftsamt, in denen der Zentralstelle sogar der Verbleib des Familienarchivs nach der Sanierung des Bolongaropalasts angeboten wurde. „In einem späteren Werkstattgespräch erfuhren wir dann, dass wir doch nicht zurückkehren können, obwohl es dafür schon lange vorher feste Pläne gab, die man uns vorgelegt hatte“, erklärt Bellersen weiter. Andere ansässige Vereine wie der Höchster Verein für Geschichte und Altertumskunde seien hier offenbar eher zum Zuge gekommen. Aber die Stadt wollte dennoch zu ihrem Versprechen stehen, Ersatzräumlichkeiten zu suchen.

Zwischenzeitlich bahnt sich seitens der Konversions-Grundstücksentwicklungsgesellschaft (KEG) zumindest eine Möglichkeit an, einen Lagerraum an der Bolongarostraße bereitzustellen, der bereits anderen Höchster Vereinen dient. Doch dies könne je nach Platzangebot höchstens ein kurzfristiges Provisorium darstellen, gibt Bellersen zu verstehen, da die Zentralstelle schließlich auch einen Arbeitsraum für Anfragen benötige,

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