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Jenseits der Bahnstraße bis zur Eisenbahnbrücke erstreckt sich das Gelände der ROWG. Die alten Hallen, in denen Jahrzehnte lang Obst gelagert und sortiert wurde, werden wohl bald für Wohnraum Platz machen müssen.

Dreigeschossige Mehrfamilienhäuser

Kelkheimer Investor plant Wohnblocks auf ROWG-Areal

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65 bis 70 Wohnungen in dreigeschossigen Mehrfamilienhäusern möchte der Investor auf dem ROWG-Gelände bauen. Das letzte Wort hat jedoch die Gemeindevertretung, die über den Bebauungsplan entscheidet.

Kriftel - Es wird sicherlich noch etwas dauern, bis sich die Krifteler von den alten Gebäuden der Raiffeisen-, Obst- und Warengenossenschaft verabschieden müssen. Doch dass das Verwaltungsgebäude der ROWG und die dazu gehörenden Hallen in den nächsten Jahren Wohnraum weichen werden, das ist wohl sicher.

2017 hatten die Mitglieder die Auflösung der Genossenschaft beschlossen (wir berichteten). Damit war klar, dass mit der Abwicklung das Gelände auch einen neuen Besitzer bekommen würde. Von ihrem Vorkaufsrecht, das sich die Gemeinde gesichert hatte, machte diese keinen Gebrauch. Und offenbar wurde die Geschäftsführung der Genossenschaft schnell einig mit einem Investor für das Gelände nahe der Gleise. Die Kelkheimer Projektgesellschaft Horn hat im Sommer das 5728 Quadratmeter große Areal gekauft und dafür 4,7 Millionen Euro gezahlt. Dies entspricht einem Preis von 821 Euro pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Der Bodenrichtwert liegt mit 520 Euro pro Quadratmeter deutlich darunter.

Einflussnahme

Dass der Kelkheimer bereit war, einen so hohen Preis für das Areal zu zahlen, obwohl es für das Gelände noch keinen Bebauungsplan gibt, löste damals nicht nur bei Gemeindevorstand und Fraktionen Verwunderung aus. Denn um weiterhin Einfluss zu haben, was dort gebaut werden darf und was nicht, hatte die Gemeindevertretung im März entschieden, für das Gelände am Bahnhof einen Bebauungsplan zu erstellen. Inzwischen ist bekannt, welche Vorstellungen der Investor für die Bebauung des Areals nahe den Gleisen hat.

Die Kelkheimer Projektgesellschaft habe auch schon mit der Gemeinde Kontakt aufgenommen, informiert der Erste Beigeordnete Franz Jirasek nun die Fraktionen. Nach den ersten Bebauungskonzepten sollen auf dem Gelände etwa 65 bis 70 Wohnungen entstehen. Diese sollen zwischen 60 und 120 Quadratmeter groß werden, verteilt auf zwei, drei oder vier Zimmer. Als Zielgruppen werden in der Vorlage des Gemeindevorstands sowohl Familien als auch Senioren benannt, die diese Wohnungen allesamt barrierefrei erreichen können. Die Gebäudehöhen sollen sich an der Bebauung der Umgebung orientieren und nach ersten Entwürfen drei Vollgeschosse plus Staffelgeschoss haben.

Infrastrukturbeitrag

In den Gesprächen mit der Verwaltung sollen auch schon erste Vorstellungen zur städtebaulichen Einfügung, zu der verkehrlichen Anbindung, zu Stellplätzen, Lärmschutz und ökologischen Anforderungen erörtert worden sein, informiert der Erste Beigeordnete. Die Gemeinde werde von dem Bauherren außerdem einen

Infrastrukturbeitrag

beispielsweise für Kita-Plätze und Kinderspielplatz fordern, kündigt Jirasek an.

Der Investor soll auch schon bald in einer öffentlichen Sitzung den Gremien seine Pläne genauer vorstellen. Dann wird sich zeigen, wie die Vorstellungen des Bauherrn bei den Fraktionen und Bürgern ankommen. Der Kelkheimer muss derzeit in der Nachbarstadt Hattersheim noch einiges an Überzeugungsarbeit leisten. Dort ist sein Vorhaben jedoch auch um einiges größer als das geplante in Kriftel. Auf dem 3,9 Hektar großen Gelände der ehemaligen Ölmühle in Hattersheim sollen 360 Wohneinheiten für etwa 900 Menschen entstehen. Dort haben Politiker und Bürger jedoch Bedenken wegen der Dichte der Bebauung und der verkehrlichen Anbindung des neuen Wohngebietes. In Hattersheim gibt es im Rahmen der Bürgerbeteiligung im Bauleitverfahren am kommenden Montag eine zweite Informationsveranstaltung.

In Kriftel, so der Erste Beigeordnete, könne die Bebauung statt über einen klassischen auch über einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan umgesetzt werden. Doch erst nach der öffentlichen Präsentation der Planung soll entschieden werden, welches planungsrechtliche Instrumentarium Anwendung finden soll.

Die Bebauung des ROWG-Geländes steht bereits am kommenden Montag, 11. Februar, auf der Tagesordnung des Planungsausschusses, der um 20 Uhr im Rat- und Bürgerhaus tagt. Die Sitzung ist öffentlich.

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