Bernd Strack (von links) lebt seit seiner Kindheit in der Nieder Siedlung ?Am Neufeld?. Sigrid Jannasch, die Vorsitzende der Siedlergemeinschaft, besichtigt zusammen mit den Jury-Mitgliedern Rolf Müller und Heinrich Rose das barrierefrei umgebaute Haus samt Garten.
+
Bernd Strack (von links) lebt seit seiner Kindheit in der Nieder Siedlung ?Am Neufeld?. Sigrid Jannasch, die Vorsitzende der Siedlergemeinschaft, besichtigt zusammen mit den Jury-Mitgliedern Rolf Müller und Heinrich Rose das barrierefrei umgebaute Haus samt Garten.

Wohnen ist Veränderung

  • VonAlexandra Flieth
    schließen

Die Siedlung „Am Neufeld“ wurde 2015 Landessieger im Wettbewerb „Wohneigentum – heute für Morgen. Nachhaltig – Ökologisch – Sozial engagiert“ des Verbandes Wohneigentum Hessen. Jetzt vertritt die Siedlergemeinschaft das Land beim Bundeswettbewerb.

Bernd Strack lebt seit seiner Kindheit in der Siedlung „Am Neufeld“. „Früher“, sagt er, „endete die Wohnfläche in unserem Haus etwa dort, wo die Küche ist“, und zeigt den Bereich im Inneren des Hauses mit seiner Hand an. Alles sei jedenfalls viel kleiner gewesen – und vor allem nicht barrierefrei. „Ich musste mich mit den vorhandenen Bedingungen arrangieren“, erzählt Strack, der auf den Rollstuhl angewiesen ist.

Barrierefreier Umbau

Er und seine Frau Ramona haben vor vier Jahren die Wohnfläche nicht nur durch einen Anbau vergrößert, sondern das gesamte Haus samt Garten komplett barrierefrei gestaltet. Über eine Rampe, die um das Haus herumgeht, kann er nun problemlos hineinfahren. Sämtliche Barrieren sind auch aus der gesamten Wohnfläche inklusive Badezimmer verschwunden; das selbe gilt für die Terrasse zum Garten.

Diese Entwicklung eines Siedlungshauses hin zur Barrierefreiheit interessiert Heinrich Rose sehr. Er ist Architekt und Mitglied einer fünfköpfigen Jury des Bundesverbandes Wohneigentum, die der Siedlung „Am Neufeld“ an diesem Nachmittag einen Besuch abstattet. Und das hat einen Grund: Im vergangenen Jahr machte die Siedlergemeinschaft mit beim Wettbewerb „Wohneigentum – heute für Morgen. Nachhaltig – Ökologisch – Sozial engagiert“, der vom hessischen Verband Wohneigentum ausgeschrieben wurde.

Die Siedlung „Am Neufeld“ überzeugte damals die Kommission und wurde zum hessischen Landessieger des Wettbewerbs gekürt. Damit nimmt sie automatisch beim diesjährigen, gleichnamigen Bundeswettbewerb teil, der bereits zum 26. Mal ausgeschrieben wird. 15 Landessieger treten hierbei gegeneinander an. Die Idee dahinter ist, die Siedlungsstrukturen in Deutschland genauer unter die Lupe zu nehmen und zu schauen, wie diese den Weg in die Zukunft beschreiten. Denn viele Siedlungen wurden bereits vor einigen Jahrzehnten errichtet. Die Siedlung „Am Neufeld“ entstand Anfang der 1930er Jahre, zu einer Zeit, in der eine große Wohnungsnot herrschte. Mehr als 90 Häuser zählen dazu.

Neben Rose gehören der fünfköpfigen Jury auch Manfred Jost, Martin Breidbach, Petra Uertz und Rolf Müller an. Jedes Jurymitglied betrachtet bestimmte Aspekte, die in die Bewertung bei der Beurteilung des Bundessiegers einfließen werden. Jost etwa wirft einen Blick auf die Energieeffizienz der Gebäude, Breidbach schaut sich das Thema Ökologie und Klimaschutz an, Uertz den Bereich Ökonomie und Wohneigentum, Müller das soziale Engagement in der Siedlung und Rose eben das barrierefreien Wohnen und Leben. Und er ist begeistert vom Ergebnis des Um- und Neubaus.

„Es ist ein sehr gutes Beispiel für einen im Bestand behindertengerechten Umbau, der für mich eine Vorbildfunktion hat“, lobt er das Ergebnis. Der Zugang zum Haus und zur Terrasse mit der Rampe sei sehr gelungen, genauso auch das Badezimmer, die Freiflächen, die ein problemloses Befahren mit dem Rollstuhl ermöglichten. Seine Eindrücke hält Rose auf einem Bogen fest. Dieser wird später für die Auswertung herangezogen.

Sehr gute Gemeinschaft

Sigrid Jannasch, die Vorsitzende der Siedlergemeinschaft, spricht derweil mit Rolf Müller. Sie erzählt ihm, dass die Siedlung eine sehr gute Gemeinschaft habe. Wenn jemand Hilfe benötige bei Dingen des Alltag wie Einkaufen oder zum Arztbesuch begleiten, dann versuchten die Bewohner sich gegenseitig zu unterstützen. Dass die Gemeinschaft gut funktioniert, wird unter anderem auch dadurch deutlich, dass manche der Grundstücke nicht mit einen Zaun voneinander abgegrenzt sind.

Der Bundeswettbewerb steht übrigens unter der Schirmherrschaft der Bundesbauministerin Dr. Barbara Hendricks. Am 30. September diesen Jahres werden die Sieger in Berlin gekürt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare