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Sommer 2017: Am Morgen nach dem Brand löschten die Feuerwehrleute den Holzturm am Atzelberg. Nun soll’s Stahl werden.

Wiederaufbau in Eppenhain

Bürger wollen den Atzelbergturm nach altem Vorbild

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Bei einer Infoveranstaltung finden viele Bewohner die Idee sympathisch. Ein Knackpunkt ist noch die Versicherungsfrage.

„Sehr sympathisch“ findet es ein Bürger, den Atzelbergturm im Ort nach dem Vorbild des alten Luisenturms in Stahl wieder aufzubauen. Damit ist er nicht alleine, wie bei einer Informationsveranstaltung in der Mehrzweckhalle vor mehr als 100 Besuchern deutlich wurde. Bürgermeister Albrecht Kündiger hatte die Eppenhainer mobilisiert, um ihre Meinung zu drei wichtigen Themen – Wiederaufbau Atzelbergturm, Neubau Feuerwehrhaus und Zukunft der Trinkwasserversorgung (zwei Berichte folgen) – zu hören.

Beim Turm fiel sie deutlich aus. „Warum brauchen wir überhaupt einen Turm?“, fragte zwar ein Gast. Doch das war die einzige skeptische Äußerung zur Zukunft des Bauwerks, das 2008 und zuletzt im Sommer 2017 in Flammen stand. Die große Mehrheit äußerte ihre Zustimmung zu Kündigers Vorschlägen durch Kopfnicken, „Ja“-Zurufe und keine Unmutsbekundungen.

Damit nimmt der Rathauschef nun in die Haushaltsberatungen der Fraktionen wichtige Botschaften mit: Erstens wollen die Eppenhainer den Turm wiederhaben, zweitens bevorzugen sie eindeutig eine Variante aus Stahl gegenüber dem bisherigen Holz, drittens können sie sich mit dem Vorbild des von 1914 bis 1974 dort stehenden Luisenturms anfreunden. Und viertens könnten sie ebenso wie Kündiger auf eine Versicherung verzichten, die im Jahr fast 30 000 Euro und im Brandfall weitere rund 10 000 Euro kosten würde.

Zudem gab es einen Vorschlag aus der Runde, den Kündiger prüfen lassen will. Es gebe einen speziellen Anstrich, der Stahl im Brandfall bis zu 90 Minuten vor dem Feuer schützen könne. Das Material verliere erst bei 500 Grad die Hälfte seiner Festigkeit, war noch zu hören. Da müsse schon jemand ein richtiges Feuer am Turm legen, um ihn zu gefährden. Beim letzten Brand wäre das wohl anders ausgegangen: Kündiger berichtete, es gebe zwar keine neuen Erkenntnisse zur Ursache: „Vieles spricht für eine Fahrlässigkeit.“ Gut möglich sei, dass auf der Plattform gezündelt, diese verlassen worden sei und sich der Turm nachts entzündet habe. Das wäre mit Stahl nicht passiert.

Allerdings machte Kündiger auch deutlich: Sollte der dann neue Turm noch einmal brennen, war’s das: „Dann verliert wohl auch der letzte Bürgermeister die Lust, ihn wieder aufzubauen.“ Diese Motivation haben die Eppenhainer noch. Sie regten an, den Neubau mit einem Sicherheitskonzept zu versehen: einen abschließbaren Zaun, Videokameras oder zumindest Schildern. Laut Kündiger sei das „alles denkbar“, aber mit Aufwand und Kosten verbunden. Der Bau einer Stahl-Variante soll auf 380 000 Euro gedeckelt werden, die Versicherung wird maximal knapp 280 000 Euro für eine Holzbauweise zahlen. Der Rathauschef kündigte schon an, einen Architektenwettbewerb machen und sich drei, vier gestalterische Ideen nach dem Vorbild des Luisenturms einholen zu wollen. Da dieser aber nur 19 Meter hoch war, soll das Nachfolgemodell 30 bis 34 Meter messen.

Wohl wenige Aussichten gibt es, am Atzelbergturm dann eine kleine Gastronomie einzurichten. Auch das wurde vorgeschlagen. Die Stadt würde das begrüßen, doch könne sie nur interessierte Menschen dazu animieren und etwas unterstützen, das Ganze aber nicht initiieren. Erhalten bleiben soll der Grillplatz vor dem Turm, der allerdings manchem Bürger ein Dorn im Auge ist. Denn nicht selten werden dort laute Partys mit reichlich Müll gefeiert – womit vielleicht auch der Brand zusammenhing. Zuletzt fuhr bei Bedarf dort die Nachtstreife der Stadt mindestens zweimal vorbei – das dürfte auch so bleiben, um weiterhin vorzubeugen.

Letztlich beantworteten Kündiger und ein Bürger die einzige kritische Anmerkung mit klaren Worten: Der Turm sei „ein Markenzeichen für Eppenhain, ein Stückchen Identität“, so der Bürgermeister. Er mache ganz Kelkheim attraktiver, sagte er und bekam Applaus. Ein Bürger wiederum erklärte: „In der schnelllebigen Zeit ist ein bisschen Tradition nicht verkehrt.“

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