Areal am Jugendtreff

Workcamp: Kreative Völkerverständigung

Kelkheim ist seit 2011 eine „Kommune goes International“, kurz KGI. Internationale Workcamps im Sinne der Völkerverständigung werden im Kinder- und Jugendbereich gepflegt. Mit Hilfe einer Mittlerorganisation gab es jetzt ein integratives Projekt.

Sie hämmerten und bohrten an der Schönwiesenhalle in Ruppertshain. Dort liegt der Jugendtreff, der gerne genutzt und dessen angrenzende Wiese Kindern und Jugendlichen eine Begegnungsstätte bietet. „Die Jugendlichen wünschten sich hier einen Unterstand, der ihnen auch mal bei einem kleinen Regenschauer die Möglichkeit bietet, trotzdem draußen zu bleiben“, erklärt Sandra Ellbogen von der städtischen Jugendarbeit und Leiterin des Jugendtreffs in Ruppertshain.

Dass die jungen Leute nun tatsächlich ein Grillfest feiern und zum ansetzenden Regenschauer im neu gezimmerten Unterstand Platz nehmen, hätte sie nie gedacht. Wie es dazu kam? „Auf einem Netzwerktreffen habe ich seinerzeit neben Nikolaus Ell gesessen. Er arbeitet bei ICJA“, erzählt Sandra Ellbogen. ICJA ist die Kurzform für Internationaler Christlicher

Jugendaustausch

. Gegründet im Jahr 1949 von dem nordamerikanischen Pfarrer John Eberly, diente sie zunächst als bilaterale Friedensaktion zwischen Deutschland und USA zur Völkerverständigung nach dem Zweiten Weltkrieg. In den Sechziger und Siebziger Jahren breitete sich das Netzwerk weltweit aus und organisierte

Jugendaustausch

programme. Dazu nutzt ICJA Partnerkomitees in etwa 30 Ländern, verteilt auf alle fünf Kontinente.

Das Treffen mit Nikolas Ell sollte Folgen haben. „Schließlich sind wir seit 2011 auch eine KGI-Kommune, das bedeutet eine ,Kommune goes Interational‘“, erläutert Petra Bliedtner, Leiterin der städtischen Jugendarbeit. Sie nutzte ihre Kontakte und entwickelte gemeinsam mit Sandra Ellbogen und weiteren Mitarbeitern ein Programm, das nun mit Hilfe von ICJA zu einem interkulturellen

Integrativ-Projekt

wurde. Zehn junge Menschen, drei Männer und sieben Frauen, nutzten die Gelegenheit, Deutschland kennenzulernen. Sie durchliefen in ihren Heimatländern Türkei, Japan, Russland, Mexiko, Italien und Spanien einen Bewerbungsprozess, der in der Verschönerungsaktion des Jugendtreffs Ruppertshain, und angereichert mit einem Kulturprogramm, endete.

„Das ist genau mein Ding. Ich war ja selbst zehn Jahre lang Dezernent für die Städtepartnerschaften und komme aus dem Dreiländer-Eck Deutschland, Frankreich, Schweiz“, sagt Stadtverordnetenvorsteher Wolf-Dieter Hasler bei der Einweihung. Er reise gerne und bewundere das Engagement der Jugendlichen.

Dass das mittlerweile fertiggestellte Projekt unter den jungen Leuten gut angenommen wird sowie Jugendliche aus Ruppertshain und Umgebung infiziert wurden und mit anpackten, zeigt, wie einfach Völkerverständigung sein kann. Mat aus der Türkei bewundert die entspannte Atmosphäre, die Deutschland bietet. „Es hat hier großen Spaß gemacht“, sagt er in Deutsch. Neben ihm steht Akari. Sie ist Japanerin und hat die Wände des neuen Unterstandes mit feinen Zeichnungen verschönert. Akari spricht Englisch und erklärt: „I love to see other countries. Germany is one of my favourites.“ Sie lerne also gerne andere Länder kennen, und Deutschland sei eines ihrer Lieblingsländer. Bürgermeister Albrecht Kündiger hebt die Bedeutung der Völkerverständigung hervor, die nicht nur in Kelkheim vorangetrieben werden sollte. „Interkultureller Austausch zwischen Jugendlichen der verschiedensten Nationen ist wichtig. Dieses gemeinsam verbindende Projekt lag mir besonders am Herzen.“ Petra Bliedtner wünscht sich noch viele solcher Projekte. Denn nur so könne alle zusammen internationale Kommunikation und Frieden sichern.

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