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Bevor der AWO-Kreisverband hier einziehen kann, muss das alte Okrifteler Rathaus noch umgebaut werden. Foto: Nietner

AWO zieht ins alte Rathaus

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Der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt will in dem alten Okrifteler Rathaus eine altersgemischte Kita-Gruppe einrichten. Außerdem sind Angebot für Demenzkranke geplant.

Ein wenig ist der Verkauf des alten Okrifteler Rathauses schon zur Hängepartie geworden – hieß es doch schon im vergangenen Oktober, man stünde kurz vor der Einigung. Jetzt ist das Geschäft offensichtlich unter Dach und Fach, lediglich die Stadtverordnetenversammlung muss im Mai noch zustimmen. Und die wird das Geschäft nicht platzen lassen, nachdem der Verkauf des denkmalgeschützten Gebäudes grundsätzlich beschlossene Sache ist.

Die Stadt nämlich kann jeden Euro gut gebrauchen – neue Investitionen sind, wie wiederholt erklärt wurde, nur drin, wenn Immobilien verkauft werden können. Wie viel die Arbeiterwohlfahrt an die Stadt allerdings überweisen wird, das wird nicht verraten. Man habe vereinbart, den Betrag nicht zu nennen, erklären übereinstimmend Monika Münch von der Pressestelle des Rathauses und der stellvertretende AWO-Kreisgeschäftsführer Oliver Schürmann.

Mit dem Verkauf an die AWO geht aber ein Wunsch, den Bürgermeisterin Antje Köster im vergangenen Jahr geäußert hatte, in Erfüllung: Der ehemalige Okrifteler Verwaltungssitz wird nicht privatisiert, sondern bekommt wieder eine öffentliche Nutzung, von der der Stadtteil profitieren soll. „Dem Rathaus bleibt sein traditioneller Dienst am Menschen auch zukünftig erhalten“, kommentiert die Verwaltungschefin die jetzige Entscheidung. Wichtige Aufgaben für die Allgemeinheit und „zukunftsweisende generationsübergreifende Konzepte“ könnten weiterentwickelt werden.

Tatsächlich hat die Arbeiterwohlfahrt das Haus nicht nur in der Absicht erworben, ihren bisherigen Aktivitäten mehr Raum zu verschaffen, es soll auch neue Angebote geben. Gedacht ist erstens an eine altersgemischte Kindertagesstätte für Kinder im Alter von zwei bis fünf Jahren. Zwanzig Plätze in einer Gruppe, mehr lässt der Platz nicht zu. Aber ganz ohne Frage hilft dieser Plan der Stadt dabei, das Angebot für Kinder zu verbessern, das gerade für die Altersgruppe vor Eintritt in den Kindergarten noch ausgebaut werden muss.

Aktiver werden möchte die Arbeiterwohlfahrt auch bei der Betreuung von Demenzkranken. Bislang gibt es ein mobiles Angebot in Form monatlicher Wanderausflüge. Das alte Okrifteler Rathaus bietet Platz auch für Gruppenangebote. Es gehe nicht um Tagespflege, stellt Schürmann klar, sondern um die Möglichkeit, sich vor- oder nachmittags für ein paar Stunden zu treffen.

Schon eine ganze Weile habe die AWO nach passenden Räumen gesucht, nachdem die Angebotspalette in den letzten Jahren stark erweitert wurde, berichtet Schürmann. Ins Rathaus sollen sowohl die Verwaltung als auch der ambulante Pflegedienst einziehen, aber auch die mobilen sozialen Hilfsdienste und die Krankenfahrten. All das soll übrigens nahtlos auch in der Umzugsphase fortgesetzt werden, kündigt Pflegedienstleiterin Christiane Wilke an.

Bis es so weit ist, wird es allerdings noch eine Weile dauern. Denn das Haus muss gründlich umgebaut werden, vor allem die Haustechnik ist völlig veraltet. Dass das Haus unter Denkmalschutz steht, kann dabei als zusätzliche Herausforderung gelten. Läuft alles nach Plan, sollen die Umbauarbeiten etwa bis zum Jahresende abgeschlossen werden.

Das Rathaus wurde in den Jahren 1929 bis 1931 im Stil der neuen Sachlichkeit gebaut. Damals gab es dort auch eine Wohnung für den Bürgermeister, eine Schwesternstation und ein Volksbad. Verwaltungsbüros wurden dort auch nach der Eingemeindung untergebracht, zuletzt die Stadtkasse und die Kämmerei. Auch aus finanziellen Gründen versucht die Stadt seit einer Weile, die Verwaltung auf weniger Gebäude zu konzentrieren. Ende 2013 hatten die letzten Mitarbeiter das Haus verlassen. Erst 2014 war es unter Denkmalschutz gestellt worden.

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