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Dr. Martin Fedler-Raupp vor der Synode, die in Kronberg tagte.

Kirche

Weniger Pfarrerstellen im Evangelischen Dekanat Kronberg

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Sieben Gemeinden im Evangelischen Dekanat Kronberg müssen demnächst mit weniger Pfarrstellen auskommen. Eine Entwicklung, die der Synode noch dringlicher erscheinen lässt, grundsätzlich über die Zukunft von Kirche nachzudenken.

So lebhaft und kontrovers, wie sie es am Freitagabend tat, diskutiert auch die Synode des Evangelischen Dekanats Kronberg selten: Das Thema „Pfarrstellen-Reduzierung“ ist eben eines, das Emotionen weckt. Zugleich macht es deutlich, dass sich derzeit ähnlich wie in der Katholischen auch in der Evangelischen Kirche in Deutschland eine Menge verändert.

Wie berichtet, muss das Dekanat Kronberg, wie alle Dekanate der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) in den Jahren 2020 bis 2024 pro Jahr 1,4 Prozent seiner Pfarrstellen abbauen, weil es an Pfarrer-Nachwuchs fehlt. Das entspricht 4 vollen Stellen. Der Dekanatssynodalvorstand (DSV) hatte einen Vorschlag zur Umsetzung erarbeitet, die betroffenen sieben Gemeinden in Bad Soden, Flörsheim, Liederbach, Sulzbach (ab 2023), Diedenbergen, Schönberg und Kriftel (ab 2025), die je eine halbe Pfarrstelle verlieren sollen, waren vorab informiert worden. Sie legten zur Synode, die in Kronberg tagte, einen Antrag vor, den entsprechenden Beschluss des DSV-Vorschlags zu verschieben. Kirchenleitung und Synode der EKHN sollten gebeten werden, zunächst „nachhaltige Unterstützungen zur Stärkung der Gemeinden und der Attraktivität des Pfarrberufs zu schaffen“.

Der Flörsheimer Pfarrer Martin Hanauer führte seitens der Antragsteller aus, man vermisse eine Perspektive. Die Pfarrstellenkürzung bedeute Mehrarbeit für Pfarrer wie Ehrenamtliche, er sehe aber bislang im Gegenzug keine Entlastung. Das wurde von weiteren Rednern unterstützt. So forderte Kirchenvorstandsmitglied Birgit Müller aus Kriftel vehement, den Kürzungsbeschluss der Landessynode „nicht einfach hinzunehmen“, sondern mit der Verschiebung „ein klares Signal zu senden“, dass das Dekanat sich im Gegenzug Hilfen erwarte, zum Beispiel durch die Schaffung zusätzlicher Stellen für Gemeindepädagogen.

Die Krifteler Pfarrerin Carmen Schneider sieht weitere Verwaltungsaufgaben auf die verbleibenden Pfarrerinnen und Pfarrer zukommen. „Eine Kirche, die sich immer mehr verwaltet, möchte ich nicht“, begründete sie, dass es an der Zeit sei, sich Gedanken zu machen: „Was ist für uns Gemeinde?“ Auch andere Synodenmitglieder forderten, die Pfarrstellenkürzung zum Anlass zu nehmen, breit zu diskutieren, welche Kirche man für die Zukunft wolle. Es gelinge nicht mehr, den Glauben so an die jüngeren Generationen weiterzugeben, dass diese für ihn auch brennen würden. „Wir müssen wieder zurück an die Wurzeln, wir müssen wieder ganz anders ran“, so ein Synodaler unter Applaus.

Der Antrag auf Verschiebung des Beschlusses zur Pfarrstellenkürzung rief aber zugleich viel Unverständnis und Kritik hervor. Vor allem die Vertreter, die auch in der Landessynode sitzen, sahen den Zug längst abgefahren. Das Thema sei schließlich alles andere als neu, die Entwicklung sei seit Jahren, ja Jahrzehnten absehbar und entsprechend die Konsequenzen diskutiert worden, machten Pfarrer Christian Heidrich (Bad Soden), Lieselotte Wendel und Christa Ruf (beide Hofheim) wie auch Sebastian Ohly (Weilbach) deutlich. Ein Antrag an die EKHN-Synode, die Kürzungsrunde zu verschieben, habe keinerlei Chance. Wendel wandte sich zudem gegen die Verteufelung der Verwaltung, ohne diese gehe es auch in der Kirche nicht. Der Ruf nach mehr Gemeindepädagogen gehe ins Leere, weil es auch bei diesen an Nachwuchs fehle.

Die Hofheimer Johannesgemeinde will daher, dass die von der Pfarrstellen-Reduzierung betroffenen Gemeinden das Geld, das diese gekostet hätten, zur freien Verfügung erhalten, etwa, um damit Hauptamtliche mit anderen Qualifikationen einsetzen zu können. Ihren entsprechenden Antrag mache sich der Vorstand als Ergänzung des eigenen Kürzungs-Vorschlags zu eigen, erklärte Dekan Dr. Martin Fedler-Raupp. Der Antrag, den ganzen Beschluss zu verschieben, wurde mit 38 Nein- zu 21 Ja-Stimmen bei drei Enthaltungen abgelehnt. Die Pfarrstellenkürzung wurde dann, ergänzt um den Antrag der Johannesgemeinde, mit 45 Ja- bei 10 Nein-Stimmen und 7 Enthaltungen beschlossen.

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