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Gerngesehener Gast im Cinema am Roßmarkt: Margarethe von Trotta stellte gestern ihren ersten dokumentarischen Kinofilm ?Auf der Suche nach Ingmar Bergman? vor.

Margarete von Trotta: Von Bergman zu Adorno

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Sie nimmt ein Getränk, steht an der Kasse und unterhält sich mit Umstehenden. Ein Star zum Anfassen.

Sie nimmt ein Getränk, steht an der Kasse und unterhält sich mit Umstehenden. Ein Star zum Anfassen. Regisseurin Margarethe von Trotta stellte gestern Abend im Cinema am Rossmarkt ihren neuesten Film vor. „Auf der Suche nach Ingmar Bergman“ ist der erste dokumentarische Kinofilm der 76-Jährigen, die mit Filmen wie „Die bleierne Zeit“, für den sie in Venedig den Goldenen Löwen erhielt, „Das Versprechen“ oder „Hannah Arendt“ bekannt wurde.

Nun ist sie mit dem Streifen über den schwedischen Kultregisseur Ingmar Bergman unterwegs, der in wenigen Tagen seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Sie seien in Schweden, in Italien, in Frankreich und auch auf der Ostseeinsel Fårö“ gewesen, wo Bergman zuletzt gelebt hatte. Zwar sei es kein innerer Drang gewesen, diesen Film über den Mann zu machen, der einst bei den Festspielen von Cannes als „Bester Filmregisseur aller Zeiten“ geehrt wurde, aber Bergman nimmt im Leben der Margarethe von Trotta eine wichtige Stellung ein. „Ich hatte vorher mit Filmen nicht viel zu tun“, erinnert sich die vielfach ausgezeichnete Filmemacherin. Doch als sie in Paris Bergmans „Das siebte Siegel“ sah, änderte das alles. „Ich war verblüfft und begeistert“; schildert sie ihre Gefühle. Danach war ihr klar, dass sie Filme machen wollte.

„Ich hatte ein bisschen Angst davor, diesen Film zu drehen“, sagt sie über den Streifen, den sie mit ihrem Sohn Felix Möller produzierte. Der Druck, dem Anspruch, der mit diesem Werk einhergehe, gerecht zu werden, sei groß. Außerdem sei die Arbeit an einem Dokumentarfilm eine völlig andere als an einem Spielfilm. „Nicht noch mal“, antwortet sie schnell auf die Frage, ob die Zuschauer mit einem weiteren rechnen können.

Noch etwas anderes motivierte sie dazu, „Auf der Suche nach Ingmar Bergman“ zu drehen. Der Schwede hatte eine Liste von Filmen, die ihm wichtig waren. Einer davon war „Die bleierne Zeit“. „Er erzählte mir, dass ihm dieser Film geholfen hatte, aus einer Depression herauszufinden“, berichtet die Regisseurin, die einst in Frankfurt im Theater am Zoo auftrat.

Erst im November war sie in der Mainmetropole, stellte ihren Spielfilm „Forget About Nick“ vor. Und bald kommt sie wieder. Denn Margarethe von Trotta erhält dem Theodor-W.-Adorno-Preis. Der wird alle drei Jahre an Adornos Geburtstag, dem 11. September, für herausragende Leistungen in den Bereichen Philosophie, Musik, Theater und Film verliehen. „Als ich den Anruf erhielt, dass ich diese Auszeichnung bekomme, war ich vollkommen überrascht.“ Sie fragte sich, was sie mit diesem Philosophen, der 20 Jahre lang an der Goethe-Universität lehrte und einer der Hauptvertreter der Frankfurter Schule war, zu tun haben könnte. „Aber ich erhalte ihn, weil sie meine Filme mögen“, resümiert sie nüchtern. Der Preis ist zudem mit 50 000 Euro dotiert. Geld, dass der Filmfrau gerade recht kommt: „Ich habe mit dem Dokumentarfilm nicht viel verdient.“

Noch stehen einige Präsentationen in Kinos auf dem Programm. Doch danach macht die Filmschaffende Urlaub. Es zieht sie in ihre zweite Heimat, nach Italien. Aber ohne Arbeit, das geht bei Margarethe von Trotta nicht. Deshalb schreibt sie dort an einem Drehbuch. Über was verrät sie nicht: „Da bin ich abergläubisch.“ In Frankfurt würde sie auch gern wieder drehen. Das tat sie in der Vergangenheit bereits zweimal für den Hessischen Rundfunk, unter anderem einen „Tatort“.

(es)

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