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Der Markt im Hof öffnet am Samstag zum letzten Mal

Der Markt im Hof, der jeden Samstag in der Wallstraße 13 mit einem großen kulinarischen Angebot lockte, findet morgen zum letzten Mal statt. Das Konzept ist offenbar nicht aufgegangen.

Die fristlose Kündigung zum 30. September ging am 14. September beim Verein „Markt im Hof“ ein. „Wir mussten die Reißleine ziehen, es ging so nicht mehr weiter,“ erklärt die Hausverwaltung Kolb-Beetz, vertreten durch Inka Kolb-Kern, im Gespräch mit dieser Zeitung. „Es tut uns unendlich leid, denn wir wollen, dass ein solches nachbarschaftliches Angebot erhalten bleibt. Aber nicht so. Wir fühlen uns über den Tisch gezogen. Es ist sehr schade, das wir den Schnitt machen müssen. Aber wir möchten ein neues Konzept erarbeiten, das dem Stadtteil weiterhin zugute kommt,“ sagt Kolb-Kern.

Seit 2014 vermieten die Inhaber des Areals, die Familie Kolb-Beetz aus Sachsenhausen, die Halle und den Hof an den Verein „Markt im Hof“ – nur samstags. Essensstände auf dem Hof und in der Halle waren im Konzept des Vereins vorgesehen. Außer den Mietrückständen von mehreren Monaten, die im fünfstelligen Bereich lägen, beklagen die Inhaber, dass sich der Verein nicht an die Abmachung gehalten habe, das Gelände nur samstags zu nutzen.

Die Marktstandbetreiber durften während der Woche die Hallen als Lager nutzen. 2017 gab es die ersten Unstimmigkeiten. In der Presse musste die Familie Kolb-Beetz immer öfter über Veranstaltungen im Hof lesen, die mit ihr nicht abgesprochen waren. Aber da sie den Machern weitgehend freie Hand lassen wollten, um ihr Konzept zu entwickeln und auszubauen, drückten sie ein Auge zu.

Zuletzt sei der Verein jedoch zu weit gegangen. Zu einem Raum links im Hof, die „Rote Halle“ genannt, hätten die Mieter Zugang gehabt, weil sich dort Stromzähler und Lichtschalter befinden. Die Halle sollte jedoch nie Teil des Markts sein. „Plötzlich lasen wir aber über Events, bei denen die Halle miteinbezogen wurde“ so Kolb-Kern.

Als sie diesen Sommer unter der Woche den Hof aufgesucht habe, hätte sie festgestellt, dass darin ein Second-Hand-Geschäft eröffnet hatte – wenn auch nur vorübergehend, wie ihr der Verein später erklärte.

In dem Laden („Vintage Revivals“) hatte Kolb-Kern aber erfahren, dass dieser einen Mietvertrag mit dem Verein „Markt im Hof“ abgeschlossen hatte: stolze 1800 Euro pro Monat. „Davon hätten wir als Besitzer gern gewusst. Ich war enttäuscht“, sagt Kolb-Kern. Auch fiel ihr auf, dass Parkplätze im Hof mit Schildern versehen und offenbar vermietet waren – ebenfalls ohne Rücksprache. Zudem wussten die Inhaber auch nicht, dass inzwischen in den Hallen gekocht wurde – es lag laut Kolb-Kern aber nur eine Genehmigung für kalte oder dort erwärmte Speisen vor. „Ich sagte zu den Betreibern, dass das so nicht geht“. Inzwischen sollen diese eine Nutzungsänderung bei der Stadt beantragt haben.

Zudem hatten sich im Jahr 2017 Mieter der Wohnungen im Vorderhaus und der angrenzenden Gebäuden über Lärm beschwert – und dass der Hauseingang bei Abendveranstaltungen in Anspruch genommen worden sei. Dort befindet sich die Toilette der ehemaligen Gaststätte „Sandkästsche“. Wegen der Beschwerden forderte die Stadt ein Lärmgutachten. Dieses finanzierte der Verein.

Der Markt im Hof, wo bis 2013 ein Getränkemarkt sein Domizil hatte, war von Anfang an eine nebenberufliche Tätigkeit für die Vereinsgründer. Zwei sind inzwischen ausgeschieden. Über die Jahre fand der Verein viele Mitstreiter aus dem Rhein-Main-Gebiet, vom Bäcker über Käsehändler bis zu Weinanbietern. Im Sommer und Herbst 2017 war der Markt drei Monate geschlossen, weil die Stadt ein Gutachten wegen etwaiger Schadstoffrückstände im Boden forderte.

Hintergrund: In den 1930er Jahren betrieb der Urgroßvater Georg Hofmann, später Emil Beetz und seine Tochter Ilse Kolb-Beetz, hier ein Fuhr- und Speditionsunternehmen. In den 50er Jahren fanden Vermietungen an diverse Gewerbetreibende statt, zuletzt der Levi-Getränkemarkt, der von der Firma Schluckspecht Getränke übernommen wurde.

Die Vorsitzenden des Vereins „Markt im Hof“, Michael Rühl und Lorenzo Bizzi, waren gestern bis Redaktionsschluss nicht für ein Statement zu erreichen.

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