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Was wird aus der Erbacher Pfarrkirche St. Mauritius Erbach?

Erbacher Kirche

St. Mauritius: Wie bleibt die Kirche im Dorf?

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Was wird aus der Erbacher Kirche? Die Pfarrei St. Peter und Paul lädt zur Ideenwerkstatt ein. Das Gebäude sei für die heutigen Anforderungen zu groß, und es gibt Schäden an den Betonbauteilen.

„Die Erbacher Kirche wird abgerissen.“ Ja, als Heinz-Willi Peuser das hörte, fiel er aus allen Wolken. Und ja: Das stimmt nicht. Aber richtig ist auch: Das Gotteshaus ist sehr groß – gemessen an denen, die heutzutage noch regelmäßig in die Kirche gehen. Prof. Peuser ist der Architekt der heutigen Kirche St. Mauritius, die am 27. September 1970 eingeweiht wurde. Der fünfte seiner zehn Entwürfe wurde realisiert – mit einigen Änderungen noch während der Bauphase, wie er sagt. 1961 hatte er den Auftrag bekommen. Für den Bad Camberger Architekten, der in späteren Jahren auch als Dombaumeister in Tschechien unterwegs war, wird die Erbacher Kirche immer etwas besonderes bleiben. Auch wegen der Musik. Denn: Die Akustik im Innenraum ist hervorragend, was sich bei Konzerten immer wieder zeigt.

Dennoch stimmt: Die Zahl der Kirchenbesucher hat stetig abgenommen, die Zahl der Gläubigen im Bistum auch. Deshalb werden seit 2015 im Bistum Limburg alle Gebäude im Eigentum der Kirchengemeinden erfasst. „17 Pfarreien neuen Typs haben auf freiwilliger Basis das Projekt Kirchliche Immobilen Strategie (KIS) durchlaufen“, informiert die Pfarrei St. Peter und Paul, die diesen Prozess Anfang 2019 beginnen wird.

„Der Ortsausschuss St. Mauritius Erbach will sich mit dem Thema frühzeitig befassen, um Ideen für eine zukunftsgewandte Nutzung der kirchlichen Immobilien in Erbach zu sammeln“, informiert Frank Bermbach, Mitglied des Ortsausschusses Erbach und stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender der Pfarrei St. Peter und Paul Bad Camberg. Dabei geht es nicht nur um die Kirche. Aber fest stehe auch: Für die heutigen und künftigen Bedürfnisse sei sie viel zu groß. Es gebe wenige Gelegenheiten, bei denen die Kirche einigermaßen mit Besuchern gefüllt sei. Bermbach spricht von 40 bis 50 kontinuierlichen Kirchgängern – das bei 650 Plätzen. Hinzu kommen Schäden an den Betonbauteilen des Gebäudes. Es bestehe also Handlungsbedarf. „Es geht dem Ortsausschuss St. Mauritius Erbach nicht um eine bloße Renovierung des Kirchengebäudes, vielmehr müssen die baulichen Konsequenzen dem zu überarbeitenden pastoralen Nutzungskonzept für die kirchlichen Immobilien folgen“, formuliert es die Pfarrei. Was bedeutet das? „Wir haben zehn Kirchorte, zehn Pfarrhäuser, Kirchen, Kindergärten“, zählt Bermbach auf. Da sei übergreifend zu überlegen, welche künftigen Lösungen anzustreben seien.

Im Gegensatz zu den anderen Kirchenbauten stehe die Erbacher Kirche nicht unter Denkmalschutz. Und: Man müsse sich frühzeitig Gedanken machen. Denkbar wäre zum Beispiel ein Columbarium, also eine Urnenwand, im Inneren der Kirche unterzubringen. Oder die Möglichkeit, die Pfarrbücherei, die zurzeit über Räumlichkeiten im angrenzenden Erbacher Pfarrheim verfügt, in die Kirche umzusiedeln und die Räume im Pfarrheim anderweitig zu verwenden. „Wir wollen nichts vorschreiben, sondern jetzt daran gehen, Überlegungen zu sammeln. Wir müssen pfiffig darüber nachdenken: Was könnte man machen?“, sagt Bermbach.

Um Anregungen zu gewinnen und die Erbacher zu hören, lädt die katholische Kirche daher zu einer Ideenwerkstatt ein. Alle Interessierten sind willkommen, sich einzubringen. Frank Bermbach formuliert es so: Es solle offen gesprochen werden. „Vielleicht gibt es ja auch ein Konzept, wie am Wochenende wieder 300 Leute in die Kirche gehen.“

zur Zukunft des Kirchorts St. Mauritius Erbach startet am Freitag, 19. Oktober, um 19.30 Uhr im Erbacher Pfarrsaal.

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