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Claus Cromm (Mitte), der Vorsitzende des Vereinsrings höchst, diskutiert mit Helga Krohn (?Bunter Tisch?, l.), dem parteilosen Ortsbeirat Uwe Eisenmann (2. v. l.), Natascha Schröder-Cordes und Iris Meyer vom Evangelischen Familienzentrum (r.) über Vernetzung im Stadtteil.

Bürgerschaft

Mehr Zusammenhalt im Stadtteil

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Viele setzen sich in Höchst für ihren Stadtteil ein, doch läuft das meiste unkoordiniert nebeneinander. Wie man sich besser vernetzen und damit die Effektivität steigern kann, darüber wurde jetzt auf Einladung des "Bunten Tischs" diskutiert.

Die Initiative „Bunter Tisch“ lädt für kommenden Freitag, 31. August, wieder zu ihrer öffentlichen Tafel unter dem Motto „Höchst isst bunt“ auf die Königsteiner Straße. Der Höchster Vereinsring, der dafür Tische und Bänke zur Verfügung stellt, feiert seit drei Jahren im Rahmen des Schlossfests sein „Just White Dinner“ auf der Fußgängerzone. Die Ideen dahinter sind fast deckungsgleich: Dem „Bunten Tisch“ geht es darum, alle Menschen zusammenzubringen zum gemeinsamen essen, trinken, reden, lachen und fröhlich sein – auch die Menschen mit Migrationshintergrund. Der Vereinsring stellt seine lange Tafel unter das „Just White“-Motto: „Die Idee bei ,Just White‘ ist, dass alle weiß gekleidet kommen, damit alle gleich sind“, sagt Claus Cromm, der vor drei Jahren den Versuch wagte – der gut ankam und seitdem jedes Jahr mehr Menschen auf die Kö lockte. „Allerdings“, sagt Cromm, „ich muss sagen: Ausländer nehmen keine teil, obwohl ich einige zuvor persönlich angesprochen habe.“

Hier könnten Synergieeffekte genutzt werden: Der „Bunte Tisch“ pflegt gute Beziehungen zu verschiedenen Moscheevereinen und Migrantenverbindungen in Höchst. Doch es geht um die Etikettierung: „Uns liegt schon viel an dem Motto ,Höchst isst bunt‘ “, sagt Michela Kugler vom „Bunten Tisch“. Die Initiative hatte jetzt zu einem sommerlichen Gespräch auf die Terrasse des Dalberghauses geladen, um Initiatoren miteinander ins Gespräch zu bringen. Eingeladen waren Claus Cromm, der Vorsitzende des Höchster Vereinsrings; der parteilose Ortsbeirat Uwe Eisenmann von der Initiative Frankfurt-West, Natascha Schröder-Cordes und Iris Meyer vom Evangelischen Familienzentrum Höchst, Gerhard Klumpp vom Kulturkeller Höchst im Dalberghaus und Helga Krohn vom „Bunten Tisch“.

„Was planen und machen andere im Stadtteil? Manchmal gibt es mehrere Veranstaltungen am gleichen Tag, manchmal weiß man gar nichts voneinander“, sagte Moderatorin Michaela Kugler. Claus Cromm, der rund 70 Mitgliedsvereine vertritt und mit seinem Team den Veranstaltungsreigen des Höchster Schlossfests sowie den Weihnachtsmarkt organisiert, weiß, dass sich das Vereinsleben gewandelt hat: „Es gibt weniger aktive Vereine und mehr Fördervereine, die für eine bestimmte Sache Geld sammeln.“ Beim Schlossfest wirkten etwa 25 bis 30 Vereine mit. Der Vereinsring unterstütze aber etwa auch den „Bunten Tisch“ bei seinem Suppenfest im September.

Das Evangelische Familienzentrum erreicht mit Angeboten zu Erziehungs- und Gesundheitsthemen viele Menschen, überwiegend aus Höchst, Unterliederbach, Zeilsheim und Sindlingen, würde aber gerne auch Angebote mit Senioren initiieren, um verschiedene Generationen zu verbinden.

Die Initiative Frankfurt-West, von Uwe Eisenmann vertreten, versucht, Menschen an einen Tisch zu bringen, die sich für Höchster Themen engagieren, aber nicht in einer Partei mitarbeiten möchten: „Parteipolitik hat im lokalen Rahmen nichts zu suchen“, sagt Eisenmann, der bei der letzten Kommunalwahl ein Ortsbeiratsmandat gewinnen konnte. „Wir machen viel über Facebook“, sagt er. Aber auch im „richtigen Leben“ hat die Initiative Zustrom: An ihrer Radtour zum Frankfurter Stadtradeln nahmen in diesem Jahr mehr als 100 Menschen teil (wir berichteten).

Gerhard Klumpp bot den Kulturkeller für einzelne Veranstaltungen an – was vielleicht den „Bunten Tisch“ interessieren dürfte, der im Herbst zehn Jahre wird und Zeit seiner Existenz immer wieder mit Provisorien zurecht kommen muss. Das Suppenfest zeichnet sich jedoch schon wieder als großer Erfolg ab: 33 Gruppen haben ihre Teilnahme zugesagt.

Cromm wünscht sich mehr Unterstützung seitens der Stadt, etwa einen direkten Ansprechpartner im Bolongaropalast neben Verwaltungsstellenleiter Henning Brandt, und auch mehr Räume: „Aber das wird ja alles gut, wenn wir unser neues Dorfgemeinschaftshaus kriegen, den Bolongaropalast“, frotzelte er. Helga Krohn vom „Bunten Tisch“ liebäugelt mit einer Wiederaufnahme der Bürgergespräche, die es lange in Höchst gab, denn es müssten mehr Menschen mobilisiert werden, sich aktiv zu beteiligen. Auch Eisenmann will das erreichen: „Viele haben aufgehört daran zu glauben, dass man etwas erreichen kann. Aber wenn man nichts macht, passiert auch nichts.“

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