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Wie Lars Heinzel und Robin Fenske (von links) aus Wehrheim haben derzeit alle Mitarbeiter in den Getränkemärkten des Usinger Landes vor allem Wasserkästen und alkoholfreie Biere zu wuchten. Foto: Pieren

Promille bleibt im Regal

Mineralwasser und alkoholfreies Bier sind stark gefragt

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Ein ganzes Volk hat Durst. Angesichts der gleichbleibend hohen Temperaturen geht der Griff immer häufiger zum Kaltgetränk. Klar, dass damit auch der Absatz steigt. In Teilen der Republik gibt es bereits Nachschub-Probleme. Wir haben die jüngsten „Wasserstandsmeldungen“ im Usinger Land abgefragt.

Kunden sind es gewohnt, im Supermarkt angesichts überquellender Regale vor die Qual der Wahl gestellt zu werden. Das gilt auch für die riesige Auswahl im angeschlossenen Getränkemarkt.

Dass derzeit ausgerechnet bei Getränken die gestapelten Kistenberge nicht so hoch sind, wie gewohnt, sollte eigentlich nicht weiter wundern. Tatsächlich klafft ab und an bei einer Getränkesorte eine Lücke. „Wir haben derzeit mit erheblichen Problemen in der gesamten Lieferkette zu kämpfen haben“, vermeldete jüngst der Bundesverband des deutschen Getränkefachgroßhandels.

Mitte Juli schwappte zudem die Nachricht durch die Medien, dass die Brauereien und Brunnen über einen Pfandkisten-Engpass klagen. Der Grund: Die Kunden bringen die leeren Kisten nicht wieder zurück. Inhabergeführte Getränkehandlungen im Usinger Land sehen die aktuelle Situation gelassener – und sind hoch zufrieden.

„Wir verkaufen derzeit 50 Prozent mehr Mineralwasser aller Art und haben ein genauso hohes Plus bei alkoholfreien Bieren“, sagt Kornelia Born vom gleichnamigen Getränkemarkt in Grävenwiesbach. „Tatsächlich hatten wir in einer Woche bereits Engpässe bei den preisgünstigen Handelsmarken.“

Der Grund dafür ist leicht nachzuvollziehen: Wenn die Brunnengesellschaften beim Vertrieb, der Produktion oder auch wegen Kistenmangels Engpässe bekommen, drosseln diese zuerst die Abfüllung der eigenen Billig-Marken.

„Überraschend ist für mich ist die gestiegene Nachfrage nach unseren Winzer-Weißweinen aus Rheinhessen. Manche Kunden haben in den heißen Tagen offensichtlich eine erfrischende Schorle am Abend für sich entdeckt“, sagt Born, deren Team neben dem Getränkemarkt auch in den umliegenden Orten den Getränke-Lieferdienst bei Festen und Veranstaltungen übernimmt.

Die Antwort der anderen von Inhabern geführten Getränkemärkten lautet ähnlich: Wasser und alkoholfreie Biere laufen bestens. Wirkliche Engpässe gibt es eigentlich keine, wenngleich manchmal nicht exakt die bestellte Menge geliefert werden kann. Auch bei LuWa-Getränke (Wagner) in Wehrheim steigt der Absatz von Woche zu Woche.

„Der Trend beim Mineralwasser geht wieder zur Glasflasche“, sagt Inhaber Kurt Wagner. „Das gestiegene Umweltbewusstsein ist dabei nicht der einzige Grund: die meisten Kunden sagen, der Geschmack des Wassers aus Glasflaschen sei besser. Da ist auch die Sorge, Kunststoffflaschen könnten Schadstoffe abgeben.“

Mineralwasser werde mittlerweile zudem in formschönen Pfandflaschen verkauft. Wie viele seiner Kollegen beobachtet auch Wagner, dass bei PET-Flaschen der Höhepunkt überschritten ist. Engpässe bei der Nachbestellung verzeichnet er derzeit bei Randprodukten, wie besonderen Bierspezialitäten aus Bayern.

Die Gesamtzahl der verkauften Wasserkisten verändere sich in den Sommerferien eigentlich nicht. „Natürlich kaufen die Kunden, die nicht in Urlaub gefahren sind, viel mehr Kästen. Unterm Strich bleibt der Gesamtumsatz der Einzelkunden aber gleich. Vor den Sommerferien brummt das Geschäft natürlich wegen der vielen Feste beim Absatz wie auch beim Umsatz. Zurzeit beobachtet Wagner in seinem Geschäft einen Anstieg beim Verkauf von Apfelwein und bei alkoholfreiem Weizen. Zugleich seien teurer Rotwein und stark alkoholische Getränke viel weniger gefragt.

Generell machen sich auch in dieser Branche die Filialen der Getränkemärkte und Discounter in der Region breit. In Schmitten gibt es mittlerweile ebenso wenig einen klassischen Getränkehändler wie in Neu-Anspach.

In Grävenwiesbach läuft das Geschäft vom Getränkemarkt Born hingegen nach mittlerweile 25 Jahren immer noch gut – ebenso bei Getränke Garth und Getränke Schmidt in Usingen, wie auch beim zweiten Wehrheimer Getränkehändler Allendörfer.

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