Minigolf-Anlage

Der Minigolfplatz im Kurpark ist eine der ältesten Anlagen in Deutschland

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Ein diamantenes Jubiläum steht heute an: 60 Jahre Minigolf-Anlage. In diesen sechs Jahrzehnten war sogar mal ein Hollywood-Star zum Spielen da. Aber wer?

Großer Bahnhof im Alten Kurpark! Lauter Herren in Mänteln stehen beieinander. Einer der Männer hat seinen Hund dabei, ein anderer stützt sich auf einem Regenschirm ab. Das 60 Jahre alte Schwarz-Weiß-Bild hält fest, was am heutigen Samstag, 25. August, als diamantenes Jubiläum gefeiert wird: Im Oktober 1958 wurde die Bad Sodener Minigolf-Anlage eröffnet.

„Kleingolf-Platz“ nannte sie sich damals und war vor allem für die Kurgäste gedacht. Bauingenieur Karl-Heinz Nicodemus, seinerzeit bei der Stadt Bad Soden beschäftigt, entwarf die Anlage mit ihren 18 Bahnen. Gebaut wurde sie von Mitarbeitern des städtischen Bauhofs. 60 Jahre hat die Minigolf-Anlage jetzt auf dem Buckel. Bei freiem Eintritt und Kaffee und Kuchen sowie Musik von „Blues-Haus“ (Bad Soden) werde heute gefeiert, verrät Amadeo Mena.

Seit 16 Jahren betreibt Mena von April bis Oktober die Anlage, die er von der Stadt Bad Soden gepachtet hat. Sie zählt zu den ältesten Minigolf-Plätzen in Deutschland. Nur die Anlage von Traben-Trarbach, die 1955 gebaut, aber mehrfach renoviert und umgebaut wurde, macht ihr den Rang streitig.

Die Sodener Bahnen dagegen bestehen noch aus dem Beton von vor 60 Jahren. Nur die obere Schicht, berichtet Mena, habe er in den vergangenen Jahren neu gegossen. Jedes Jahr vor Beginn der Saison zum 1. April stehen nach dem Winter umfangreiche Reparaturarbeiten an. Die Risse im Beton müssten gespachtelt, die Bahnen abgeschliffen und neu gestrichen werden. Meist helfen ihm Freunde dabei, sagt der 56-Jährige. Doch in diesen Tagen schaut er mit einem traurigen Blick auf den Zustand der Bahnen. Es muss etwas geschehen, weiß er. Die Bahnen seien bei den Gästen sehr beliebt, dazu komme die einmalige Atmosphäre des Standortes, die geschätzt werde. So möchte Mena einen Versuch starten und erst mal eine Bahn mit einer Gummimatte belegen. „Die Bahnen müssen nur glatt sein, mehr nicht“, betont er. Von den Vorstellungen der Kommunalpolitiker, etwa den Minigolfplatz neu zu bauen oder gar in den Neuen Kurpark zu verlegen, davon hält Mena nichts. 140 000 Euro habe die Stadtverwaltung vor zwei Jahren kalkuliert. Das, meint Mena, sei viel zu viel Geld. Dazu müsste man keine Firma heranziehen. Er habe 16 Jahre lang die Anlage bespielbar gehalten, stellt Mena fest, und kenne sich aus.

Bürgermeister Frank Blasch, auf den Zustand des Minigolf-Platzes angesprochen, stellt nüchtern fest, „dass die Bahnen nach der langen Zeit am Ende sind“. Die mit dem Pächter vertraglich vereinbarten Reparaturarbeiten reichen für einen „zufriedenstellenden Spielbetrieb nicht mehr aus“. Doch die Initiative für eine Erneuerung müsse von den Sodener Stadtverordneten kommen, urteilt der Rathauschef. Wenn Mena, der in Höchst in der Klinik geboren ist und dessen Eltern aus Spanien stammen, zurückblickt, schwärmt er. In der Königsteiner Straße 83, der Tolstoi-Villa, ist er in Bad Soden aufgewachsen. Als Junge hat er auf den Minigolf-Bahnen das Laub gefegt und sich ein Taschengeld verdient. Sieben Stadtmeisterschaften hat Mena auf dem Minigolf-Platz organisiert.

Ein Schweizer, Krankenpfleger im Sodener Krankenhaus, stellte mit 32 Schlägen bei der ersten Meisterschaft 2004 einen Rekord auf. Drei Monate lang habe der Mann jeden Tag geübt, erinnert sich Mena. Später habe ein weiblicher Stammgast den Rekord mit 29 Schlägen gebrochen, also mit ein bis zwei Schlägen pro Bahn. Der „Schrägkreis“, eine Bahn ohne Hindernis, sei die größte Herausforderung. Auch Prominenz wie die Hessenmeisterin seien auf der Anlage gewesen und „sogar ein Hollywood-Star war mal hier“. An dessen Namen kann sich Mena allerdings nicht mehr erinnern.

Auf ein Kleinod – einen Minigolf-Schläger aus den 1950er Jahren – ist Mena stolz. Die heutigen seien aus Aluminium oder Kunststoff gefertigt, sagt Mena, der alte sei dünner, aus Eisen und liege gut in der Hand. Die 100 Schläger, die Mena ausleiht, angefangen für Zweijährige bis zum Erwachsenen, hat er mit Ball-Aufhebern ausgestattet. Manche älteren Menschen reagierten schon mal beleidigt, wenn Mena sie darauf aufmerksam macht. „Denken Sie, ich kann mich nicht mehr bücken?“, laute die prompte Antwort.

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