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Dimitrios Charistes (links) und Christopher Bausch betreiben zusammen das Harmonie-Kino in der Dreieichstraße 54. Sie haben kräftig in die Zukunft des Lichtspielhauses investiert und modernisiert.

Umbau abgeschlossen

Moderne Zeiten im Harmonie-Kino

Wer im vergangenen halben Jahr nicht im Harmonie-Kino in Sachsenhausen war, dürfte sich jetzt bei einem Besuch verwundert die Augen reiben. Denn in dem Lichtspielhaus hat sich einiges getan.

Vor einigen Monaten beschlich Christopher Bausch und Dimitrios Charistes ein mulmiges Gefühl. Das Harmonie-Kino in Sachsenhausen, in dem Bausch als Geschäftsführer und Charistes als Theaterleiter fungieren, glich da einer Baustelle: Von der Decke hängende Kabel, Abdeckplanen auf dem Boden, Staub, Schmutz. Vor allem der hintere Teil des Foyers bot wegen eines Wand-Durchbruchs einen chaotischen Anblick. Nur die Decke leuchtete bereits in einem kräftigen Grün. „Ob wir da auf dem richtigen Weg sind?“, fragten sich beide im Stillen.

Eine Frage, auf die sie längst eine Antwort gefunden haben: „Ja. In der Summe hat sich das wunderbar zusammengefügt.“ Vor allem im Foyer, das dank des Wand-Durchbruchs von einst 40 auf jetzt rund 100 Quadratmeter vergrößert wurde. Tische, Stühle und Sessel in Retro-Optik laden hier zum gemütlichen Sitzen ein, an der Bar gibt es nachmittags Kaffee und Kuchen, abends Wein, Longdrinks und kleine Snacks. Die Treppe, die ins Obergeschoss in den großen Saal führt, wurde um 90 Grad gedreht.

Auch den kleinen Kinosaal neben dem Foyer mit seinen 84 Plätzen werden Harmonie-Besucher vermutlich nicht mehr wiedererkennen. Er wurde komplett entkernt. Boden, Leinwand, Soundtechnik, Kinosessel in Blau, Grün und Orange – alles neu. Der Clou: Ab der vierten Reihe gibt es schmale Tische, so dass die Zuschauer ihre Getränke bequem abstellen können. „Das passt zum Lounge-Charakter“, sagt Charistes. Das Konzept: Das Kino soll „ein Wohlfühlort“ sein. Ein Platz, um Freunde zu treffen und einen gemütlichen Nachmittag oder Abend zu verbringen.

Dass zur offiziellen Wiedereröffnung des Harmonie-Kinos am heutigen Donnerstag auch der hessische Kultusminister Boris Rhein kommt, liegt nicht nur daran, dass die Landtagswahl vor der Tür steht. Sondern auch daran, dass das Land Hessen seit diesem Jahr 500 000 Euro für Kino-Investitionen zur Verfügung stellt. Davon flossen 100 000 Euro in die Renovierung des Sachsenhäuser Lichtspiels, die insgesamt einen sechsstelligen Betrag verschlang.

Stammgäste hätten die Baumaßnahmen, die Ende Mai begannen und sich bis Mitte September hinzogen, mit durchaus gemischten Gefühlen verfolgt, erinnert sich Theaterleiter Charistes. Vielleicht auch aus Angst davor, dass sich das gemütliche Programmkino in ein durchgestyltes Etablissement verwandeln könnte. Umso größer sei die Freude über das Ergebnis: „Alle finden es großartig.“ Nach wie vor habe man hier das eher linke, alternative Publikum im Auge, das auch experimentellere Filme sehen wolle, sagen Christopher Bausch und Dimitrios Charistes.

Das war nicht immer so in der wechselvollen Geschichte des Harmonie-Kinos, das 1920 erstmals an der Dreieichstraße eröffnet wurde. Allerdings nur für wenige Jahre. Dann sei der Lichtspielbetrieb wieder eingestellt worden und eine religiöse Sekte habe den großen Saal im Obergeschoss als Versammlungsraum genutzt, heißt es dazu in dem Buch „Lebende Bilder einer Stadt – Kino und Film in Frankfurt am Main“, das vor vier Jahren begleitend zu einer Ausstellung im Filmmuseum über die Frankfurter Kinogeschichte erschien. 1933 wurde in der Harmonie abermals ein Kino eingerichtet. Dessen Eröffnung wurde groß gefeiert, mit der Heimat-Schmonzette „Grün ist die Heide“, zudem spielte ein Orchester auf, und der Sachsenhäuser Gesangverein „Bergquartett“ trug zwei Lieder vor.

Nach der Zäsur des Zweiten Weltkriegs wurde das Kino im November 1945 wiedereröffnet, als sechstes Lichtspielhaus in Frankfurt. Der Niedergang, der in den 1960er-Jahren mit der Ausbreitung des Fernsehens einsetzte, ging auch an der Harmonie nicht spurlos vorüber: Sie verkam zum Pornokino. Bis sie 1977 von der Strandfilm GmbH übernommen wurde, die ein anspruchsvolleres Programm etablierte, wofür sie mehrfach ausgezeichnet wurde. Diesen Charakter behielten auch die nachfolgenden Besitzer bei, ebenso Christopher Bausch, der das Cinema am Rossmarkt sowie das Harmonie-Kino seit drei Jahren betreibt.

Für letzteres hat er noch einige Pläne: etwa eine Renovierung des großen Kinosaals im ersten Stock mit seinen 210 Plätzen oder die Anpassung der Speisekarte im Café an die jeweiligen Filme. Wenn beispielsweise ein spanischer Film laufe, könnten Tapas gereicht werden, überlegen Bausch und Charistes. Denn eines ist ihnen wichtig: „Wir wollen weg vom Denken, dass Kino nur Popcorn und Nachos ist.“

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