+
Lúcia Conzane, in der Ausbildung zur Hebamme, hört mit einem Pinard-Rohr die Herztöne eines Ungeborenen ab.

Hilfe in der Not

Monikahaus im Gallus ruft Hebammenambulanz ins Leben

  • schließen

Hebammen sind in Frankfurt Mangelware, immer weniger Schwangere finden eine Wochenbettbetreuung, jemanden, der sich nach der Geburt um sie und das Baby kümmert. Das Monikahaus hat diese Not erkannt und eine Hebammenambulanz ins Leben gerufen. Mit dem Wissen, dass dieses Angebot die Probleme nicht lösen kann.

In der siebten Schwangerschaftswoche hat sich Kerstin auf die Suche nach einer Hebamme gemacht. Also quasi kurz nachdem ihr Frauenarzt ihr bestätigt hatte, dass sie und ihr Freund schon in wenigen Monaten eine Familie sein werden. Sie hatte Glück, nach drei Anfragen hatte sie eine Hebamme gefunden, die sie vor und nach der Geburt betreut. Das war auch wichtig, denn Kerstin litt bis Ende des fünften Monats unter starker Schwangerschaftsübelkeit und Erbrechen. „Ich war froh, dass ich einen Ansprechpartner hatte, jemanden der sich Zeit genommen hat“, sagt die Erstgebärende.

Dieses Glück wie Kerstin haben längst nicht alle Schwangeren in Frankfurt. Denn nur wenige finden auch eine Hebamme, die die Frauen sowohl vor, als auch nach der Geburt intensiv betreut. „Ich habe jeden Tag zehn bis 20 Anfragen von verzweifelten Frauen, denen ich aber nicht helfen kann“, sagt Nelli Wolf, die seit zehn Jahren als freiberufliche Hebamme arbeitet. Deswegen war sie sofort begeistert von der Idee, im Monikahaus eine Hebammenambulanz aufzubauen. Das Familienzentrum stellt die Räumlichkeiten, Nelli Wolf berät die Frauen und rechnet anschließend mit den Krankenkassen ab. Denn: „Jede Frau hat einen gesetzlichen Anspruch auf eine Hebamme“, betont sie.

Einmal in der Woche, immer mittwochs von 12 bis 16 Uhr, wird die Hebammenambulanz angeboten. Nach Terminvereinbarung. „Wir wollen keine Hebammen ersetzen, wir sind wirklich nur ein Notangebot“, sagt Petra Sobat von der Schwangerschaftsberatung im Monikahaus. Jeden Tag kämen dort Frauen vorbei, die keine Hebamme fänden. Sobat und ihre drei Kolleginnen gaben Listen aus und telefonierten, in den meisten Fällen allerdings mit wenig Erfolg.

13 000 Geburten gab es 2017 in Frankfurt, nach Schätzungen des Kinderschutzbundes wird nur jede zweite Frau während der Schwangerschaft und nach der Geburt auch von einer Hebamme betreut. „Theoretisch muss man sich spätestens im dritten Monat darum kümmern, ansonsten ist es zu spät. Allerdings tut das in der Praxis kaum jemand“, sagt Sobat.

Hebamme Nelli Wolf weiß auch warum. „Die Frauen wollen sich erst einmal freuen über ihre Schwangerschaft und nicht sofort in Panik verfallen, wie es jetzt weitergeht. Das widerspricht allerdings der Natur und ist nicht gesund“, sagt sie. Stattdessen erlebt sie sogar Frauen, die sich schon bei ihr melden, wenn sie mit der Familienplanung beginnen und noch gar nicht schwanger sind. „Es ist schlichtweg katastrophal“, sagt sie.

Die Ambulanz im Monikahaus soll die Schwangeren jetzt aber auch nicht dazu verleiten, die Hebammensuche zu früh aufzugeben. Denn nichts kann die Betreuung in den eigenen vier Wänden ersetzen. Vor allem nach der Geburt, sagt Petra Sobat. „Wir wollen vielmehr eine Sicherheit sein für die Frauen. Damit sie wissen, dass es einen Plan B gibt“, erklärt sie.

30 Minuten dauern die Termine in der Hebammenambulanz, es wird gesprochen über Schwangerschaft und Geburt, Schwangerschaftsbeschwerden und die Betreuung im Wochenbett. Aber auch die Nabelpflege des Säuglings sowie Stillberatung sind die Themen, die Nelli Wolf anbietet. „Wer ein Kind auf die Welt bringt, der hat Fragen. Vor allem, wenn es das erste ist. Und das kommt eben nicht mit Gebrauchsanleitung“, sagt sie.

„Es ist toll, dass es so etwas gibt, aber ich bin auch froh, dass ich das Angebot nicht in Anspruch nehmen muss und meine Hebamme zu mir nach Hause kommt“, sagt Kerstin, die schon in wenigen Tagen ihr Baby in den Armen halten wird. So kurz vor der Geburt wirkt die junge Frau sehr entspannt. „Das bin ich auch. Dank meiner Hebamme“, sagt sie.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare