Vor 20 Jahren

Mord im Kronberger Stadtwald ist bis heute ungeklärt

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Mord verjährt nie. Deshalb ist das bisher nicht aufgeklärte schwere Verbrechen, das sich vor genau 20 Jahren im Kronberger Stadtwald ereignete, für die Bad Homburger Kriminalisten nicht abgehakt. Die umfangreichen Ermittlungsakten sind jederzeit griffbereit, falls sich ein neuer Hinweis ergeben sollte. Laut Mitteilung aus der zuständigen Pressestelle liegen aber zurzeit keine aktuellen Erkenntnisse vor.

Am Ostermontag, dem 13. April 1998, war es für die Kripo des Hochtaunuskreises nur ein „Vermisstenfall“, nachdem die damals 44 Jahre alte Lufthansa-Angestellte Karin Holtz-Kacer aus Niederrad von einer Taunus-Wandertour nicht nach Hause zurückgekehrt war. Ihr Ehemann hatte darüber die Polizei informiert. Doch mit jedem weiteren Tag, an dem es kein Lebenszeichen von der blonden Frau gab, mehrten sich die Befürchtungen, dass sie einem Verbrechen zum Opfer gefallen sein könnte. Diese Ängste sollten sich am 3. Mai 1998 auf grausame Weise bestätigen. An diesem Tag fanden zwei Wanderinnen, oder genauer gesagt ihr mitgeführter Hund, den Leichnam der Frau unter verdeckenden Fichtenzweigen. Die Vermisstensache wurde Mordfall.

Unter der Leitung von Kriminalhauptkommissar Uli Demmer wurde bei der Polizeidirektion Bad Homburg eine Sonderkommission zur Aufklärung des Verbrechens gebildet. Mit Vehemenz und Akribie versuchten Demmer und seine Kollegen, Licht in das Dunkel der Tat zu bringen. Diesen Ermittlungen zufolge war das spätere Mordopfer an dem Tattag gegen 14 Uhr von ihrem Wohnsitz in Niederrad allein mit der U-Bahn nach Oberursel zur Haltestelle Hohemark gefahren. Danach wählte die Frau eine Wanderroute durch den Wald in Richtung des Friedhofs Falkenstein. Es war ein kalter Nachmittag, an dem ihr sicherlich nicht allzu viele Leute begegnet sein dürften. Bei ihrer einige Kilometer langen Tour war die 44-Jährige dann offenbar zufällig in das Blickfeld ihres Mörder geraten. Sie war damals schicksalhaft zur falschen Zeit am falschen Ort.

Der mit einem Messer bewaffnete Täter fiel über sein Opfer her. Er vergewaltigte die Frau und brachte sie grausam um. Aus dem vom Rechtsmediziner erstellten Bericht ist zu erfahren, dass der Täter ihr

25 Messerstiche

zugefügt hatte. Obwohl das Opfer sich laut Gutachter bei der Tat heftig gewehrt hatte, war es gegen den bewaffneten und physisch überlegenen Täter machtlos. Das Drama könnte sich gegen 17 Uhr ereignet haben. Denn eine vom Tatort etwa 200 Meter entfernte Zeugin hatte zu dieser Zeit den lauten Schrei einer Frau gehört, ohne diesen Vorfall damals richtig einordnen zu können.

Das grausame Verbrechen hatte danach bei Presse, Funk und Fernsehen viel Anteilnahme ausgelöst. Zudem hatte die Staatsanwaltschaft für Hinweise, die zur Ermittlung des Täters führen sollten, eine Belohnung von 10 000 D-Mark ausgesetzt. In der Folgezeit mussten von der Kripo etwa 1500 Spuren und Hinweise abgeklärt werden. Mehr als 20 prall gefüllte Ordner mit Ermittlungsberichten, Zeugenvernehmungen, Gutachten, Bildern und sonstigen Unterlagen füllten nach und nach bei Soko-Leiter Demmer die Schrankregale.

Aufgrund der gesicherten DNA-Spuren an der Leiche und am Tatort wurden bei den Ermittlungen von Verwandten, Bekannten und sonstigen möglichen Kontaktpersonen Vergleichspuren entnommen. Zudem wurde gemäß Zeugenaussagen ein Phantombild des mutmaßlichen Täters erstellt. Darauf war ein Mann von 40 bis 50 Jahren dargestellt, der eine unreine Haut und ein pockennarbiges Gesicht hatte. Die monatelangen Ermittlungen führten unter anderem nach Stuttgart sowie nach Glasgow und in die Vereinigten Staaten. Doch ein Ermittlungserfolg verblieb versagt.

Auch ein Computerchip, der nahe dem Tatort von den Beamten sichergestellt wurde, brachte nicht den erhofften Erfolg. Nach aufwendigen Recherchen stellte sich heraus, dass dieser nicht dem Täter, sondern dem Mordopfer zuzuordnen war. Trotz der unzähligen über Wochen und Monate angehäuften Arbeitsstunden blieb den Ermittlern bis zur Soko-Auflösung der Erfolg versagt – der Täter konnte bis heute nicht überführt werden.

Für Uli Demmer, der vor knapp drei Jahren in den Ruhestand ging, bleibt der Fall in bedrückender Erinnerung, wie in dem vor wenigen Tagen mit ihm geführten Gespräch deutlich wurde. „Der Täter konnte nicht ermittelt werden, er könnte weitere Straftaten begangen haben oder begehen“, sagt Demmer besorgt. Dennoch hat der Kriminalist im Ruhestand noch ein Fünkchen Hoffnung. Denn die von „seiner Soko“ gesicherten Spuren und sonstige Hinweise könnten doch irgendwann noch eine positive Wende in die Mordsache bringen und den Täter einer gerechten Strafe zuführen. Denn wie erwähnt: Mord verjährt nie!

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