Projektleiter Frieder Leuthold erklärt im Nordpark, wie sich die Natur wieder ohne menschlichen Einfluss ausbreiten kann.
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Projektleiter Frieder Leuthold erklärt im Nordpark, wie sich die Natur wieder ohne menschlichen Einfluss ausbreiten kann.

Stadt wagt Wildnis

Die Natur erobert sich Flächen in Bonames zurück

  • vonAlexandra Flieth
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Wer die biologische Vielfalt fördern möchte, muss Räume schaffen, in denen sich die Natur frei entfalten kann. Genau das ist die Idee des vor zwei Jahren gestarteten Projekts „Stadt wagt Wildnis“, das unter anderem auf Flächen im Nordpark Bonames realisiert werden soll.

Im östlichen Teil des Nordparks hat die Natur sich bereits wieder ihren Raum zurückerobert. Der Ort, an dem früher Grillhütten standen, die jedoch einem Feuer zum Opfer fielen, ist beispielsweise nur noch durch einen Trampelpfad zu erreichen. Dort erinnert es ein wenig an einen „locus amoenus“, einen stillen, idealisierten Ort, wie er früher in der Malerei vieler Künstler dargestellt wurde. In diesem Fall eine Fläche, mit der einerseits die biologische Vielfalt gefördert und vor allem geschützt werden soll. Andererseits soll diese gleichzeitig dazu beitragen, Besucher der Grünanlage für ihre Umwelt zu sensibilisieren.

Dass dies dringend notwendig ist, wird bei einem Rundgang durch den Nordpark, zu dem das Umweltamt eingeladen hat, schnell sichtbar. Plastikbecher, Umverpackungen von Schokoriegeln oder Zigarettenkippen: So mancher Besucher wirft seinen Müll achtlos in die Natur, und auch Hundebesitzer nehmen es mit den Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner nicht immer so genau und lassen diese einfach auf dem Boden oder auf landwirtschaftlich genutzten Flächen liegen, statt sie entsprechend zu entsorgen. „Ganz schlimm sind diejenigen, die den Hundekot zwar in einen Plastikbeutel machen, dann aber den Beutel in die Natur statt in den Abfalleimer werfen“, findet eine Teilnehmerin des Rundgangs.

Dass dieses Verhalten alles andere als förderlich ist, um die biologische Vielfalt, die Diversität, zu bewahren und zu fördern, weiß auch Frieder Leuthold. Er leitet das Projekt „Stadt wagt Wildnis“ beim Umweltamt, das 2016 gestartet wurde. Die Idee ist, für die Natur im urbanen Raum Flächen zu schaffen, in denen diese sich frei entfalten kann. Zwei Flächen wurden hierfür ausgewählt: der Nordpark und der Monte Scherbelino in Sachsenhausen. „Mit dem Nordpark ist bewusst eine Fläche ausgewählt worden, in dem Naherholung stattfindet“, beschreibt es Leuthold. Bei dem Rundgang durch die Bonameser Grünanlage, die von einem

Altarm der Nidda umschlossen ist, erklärt Leuthold, welche Ideen umgesetzt werden sollen.

„Mit dem Projekt möchten wir Habitate und Biotop-Typen erlebbar machen“, schildert es der Fachmann vom Umweltamt. Als Habitate werden in der Biologie Lebensräume verschiedener Tier- und Pflanzenarten bezeichnet, die innerhalb eines Biotops leben, wie es beispielsweise die Landschaft der Nidda-Auen darstellt. Leuthold hat einen Plan mit dabei, auf dem das Gebiet des Nordparks abgebildet ist. Die Fläche ist mit unterschiedlichen Farben schraffiert. Der östliche Teil des Parks bildet den Schwerpunkt der geplanten Maßnahmen. Der Begriff Maßnahme heißt in diesem Fall eher wenig agieren und so wenig wie möglich eingreifen in die Natur. Selbst die Trampelpfade sollen dort langsam wieder verschwinden.

Mit niedrigschwelligen Angeboten sollen insbesondere Kinder aus der Stadt, für die Natur nicht selbstverständlich ist, Möglichkeiten bekommen, diese Räume zu erleben. Sie können sich bei Führungen und kleinen Aktionen beispielsweise auf die Suche nach Pflanzen- und Tierarten machen. Leuthold demonstriert es an einem Beispiel: Er öffnet seine Hand, auf deren Fläche drei verschiedene Blätter von Pflanzen aus der Umgebung liegen und fragt, um was es sich handelt. Weißdorn, Hartriegel und Löwenzahn lautet die Antwort. Sie sind auch Futterpflanzen für Tiere und haben damit im ökologischen System der Natur eine wichtige Aufgabe. Für solche Aspekte sollen Jung und Alt sensibilisiert werden. Außerdem sind Stelen mit Infotafeln geplant und es gibt bereits ehrenamtliche Wildnislotsen, die die Besucher aufklären.

Das Projekt wird zu einem großen Teil vom Bundesamt für Naturschutz gefördert. „Es ist eines der größeren Verbundprojekte in der Bundesrepublik“, erklärt es Leuthold. Denn neben Frankfurt beteiligen sich auch die Städte Hannover und Dessau daran. Die Stadt trage rund 250 000 Euro selbst, 900 000 Euro kämen aus dem Fördertopf, der insgesamt rund 3 Millionen Euro groß sei.

Das Senckenberg-Institut ist dabei einer der Partner. Es begutachtet die Flächen und ihren Bestand über einen Zeitraum von fünf Jahren – so lang ist die Förderzeit. „Am Ende soll es“, so die Idee, „auch auf andere Kommunen übertragbar sein“, sagt Leuthold. Auch in Frankfurt wäre es schön, wenn es weitere Flächen geben würde.

Nächste Exkursion

Am Sonntag, 15. Juli von 10 bis 12 Uhr lädt das Umweltamt zum Monte Scherbelino in Sachsenhausen ein. Treffpunkt ist der Parkplatz Grastränke, Babenhäuser Landstraße.

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