Herthasee in Holzappel

Ein Naturbad mit bewegter Geschichte

Nein, seine Anziehungskraft entfaltet der Herthasee nicht erst bei 30 Grad. Das idyllisch gelegene Gewässer, das auf den nahen Stellplatz Reisemobile aus dem ganzen Land lockt, ist auch außerhalb der Saison eine attraktive Adresse.

Früh morgens treffen sie ein: Senioren aus der Umgebung, die im manchmal recht kühlen Nass Erfrischung suchen, schlechtem Wetter trotzen und stets etwas für Gesundheit und Fitness tun wollen. Der Andrang, den der Badesee in diesen Hitzetagen erlebt, ist nicht ihr Ding. Das ist mehr was für Wasserratten, die es auch aus der Nachbarschaft nach Holzappel zieht.

Hinter dem Herthasee liegt eine bewegte Vergangenheit – immer aber auch ein hoher Freizeitwert. In den 1950er Jahren waren die ersten Camper in der Region aufgetaucht, einige sogar direkt am Ufer. Auf 150 bis 180 Parzellen wurde das Geschehen im Anschluss in geordnete Bahnen gelenkt und der Campingplatz so lange von der Gemeinde betrieben, bis der „Fürst von der Schaumburg“ als Eigentümer des Geländes ein Feriendorf zu errichten gedachte. Das Vorhaben schlug fehl, die bereits erteilte Baugenehmigung wurde widerrufen und das Fundament für die geplanten Musterhäuser zugeschüttet. Wer aufmerksam durch den angrenzenden Wald geht, der kann aus dem Boden ragende Betonreste durchaus noch erkennen.

Und plötzlich war sie da, die Idee von der Neuauflage eines Campingplatzes, die letztlich aber früh an nicht zu stemmenden Kosten scheiterte. Das Naturbad liegt der Ortsgemeinde ohnehin schwer auf dem Geldbeutel. Zu den Kosten für Betrieb, Unterhalt, Verkehrssicherungspflicht kommt eine Fülle von Auflagen mit der Folge, dass Holzappel eine touristische Einrichtung für die Region vorhält, mit den Kosten aber weitgehend auf sich allein gestellt bleibt. Selbst bei 3000 bis 3500 Badegästen an heißen Sommertagen machen weniger als sechs Wochen ordentliches Wetter die Einrichtung schon unrentabel und zu einem Zuschussgeschäft.

Vermutlich hängt es damit zusammen, dass der Gemeinderat Ideen zur Attraktivitätssteigerung immer aufgeschlossen gegenüber stand. Doch noch schneller als er kam, war vor Jahren ein „Investor“ wieder verschwunden, der oberhalb des Geländes eine einfache Golf-Abschlaganlage errichtete und in einem nächsten Schritt von einem kompletten Golfplatz in der Feldflur in Richtung Horhausen träumte. Das Projekt scheiterte kläglich.

Zum Erfolgsmodell wurde der 2010 eingerichtete Stellplatz für 15 Wohnmobile. In der Nähe des Sees und umgeben von einer guten Infrastruktur mit Rad- und Wanderwegen – dazu kommen Minigolfanlage und drei Tennisplätze – ergänzen inzwischen Langzeitstellplätze die Anlage.

Im Kassenhäuschen sitzt in diesen Tagen Julian Sturm und verleiht neben Luftmatratzen und Schwimmhilfen alle erdenklichen Utensilien für den Aufenthalt in der Freizeitanlage. Wer möchte, der darf sein Schlauchboot mitbringen, Hunde müssen allerdings draußen bleiben. Nicht erlaubt sind Grillen, offenes Feuer und Zelten. Ansonsten steht Spiel, Spaß und Sport nicht viel im Wege. Großzügige Liegewiesen, Beachvolleyball und ein großer Kinderspielplatz ergänzen die

60 000 Quadratmeter

große Wasserfläche. Die Temperatur im sechs Meter tiefen See erreicht derzeit täglich zwischen 23 und 25 Grad. Neuerdings sorgt ein privat betriebener Imbiss für die Verpflegung der Badegäste.

Während der Saison, die sich in diesem Jahr um die ersten beiden September-Wochen nach hinten verschiebt, führt die DLRG Aufsicht an dem Gewässer, das bis 22 Uhr zugänglich ist und durch gute Wasserqualität punktet. Noch in dieser Woche wird die reparaturbedürftige hölzerne Badeinsel durch ein neues Exemplar aus Kunststoff ersetzt.

Und das bietet der Herthasee:

  Beachvolleyball: Das Feld kann gegen eine Gebühr stundenweise genutzt werden und steht auch außerhalb der Badesaison zur Verfügung.

  Minigolf: Eine Anlage mit 18 Bahnen kann witterungsabhängig in der Zeit von April bis Oktober genutzt werden.

  Angeln: Petrijüngern bietet sich ein artenreicher Fischbestand, der jährlich neu besetzt wird. Karpfen, Schleie, Rotaugen, Brassen, Aale, Forellen, Hechte und Zander sind vorhanden.

  Tennis: Neben dem Minigolfplatz befindet sich eine Anlage mit drei Kunstrasenplätzen. Mieten auf Anfrage.

  Gartenschach: Figuren für das Spiel am Seeufer sind an der Kasse erhältlich.

  Wandern: Vom Wanderparkplatz aus lassen sich Touren in die Umgebung, um den Höchst oder die Bergmannstour über den Burg- und Grubenwanderweg starten. Um den See herum führt ein 900 Meter langer Rundweg.

  Sport: Auf dem Sportgelände nebenan bietet sich Jugendgruppen ein Zeltplatz.

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