TeamSozialeMedien

Das Netz lacht über „Trio Promillo“

Das TeamSozialeMedien kümmert sich um die Auftritte des Polizeipräsidiums Westhessen. Sie stellen Meldungen wie über die drei Betrunkenen, die auf dem Rastplatz Weilbach an der A 3 geschnappt wurden, ins Netz. Aber auch über ernste Themen wird die Internetgemeinde informiert.

Rund 1,9 Millionen Internet-Nutzer wurden erreicht, fast 10 000 Kommentare und über 26 000 „Likes“ gab es, und mehr als 6000 Accounts haben den Beitrag geteilt – eine Bilanz, die selbst Polizeioberkommissar Florian Meerheim fast sprachlos macht. Und das will etwas heißen, denn normalerweise hat er auf alles eine Antwort. Muss er auch, denn sein Kollege, Kriminaloberkommissar Daniel Scherf, und er haben sich zum Ziel gesetzt, zu jeder Frage Auskunft zu geben. Gemeinsam bilden sie nämlich das 2016 gegründete „#TeamSozialeMedien“, kümmern sich also um die Auftritte des Polizeipräsidiums Westhessen bei Facebook, Twitter & Co. – mit wachsenden Nutzer- und Follower-Zahlen.

„Normalerweise bekommen wir auf unseren Plattformen zwischen 100 und 150 Kommentare pro Tag, und wir lesen wirklich alle“, versichert er. Darunter sind auch Beschwerden und Fragen zu Einsätzen oder der Rechtslage, und tatsächlich bekommt jeder eine Antwort: „Bei unkritischen Themen reicht natürlich oft auch ein ’Like’“, so Meerheim.

Am 8. Oktober nun luden sie jenen Beitrag hoch, der – unbeabsichtigt – zum absoluten Viralhit werden und alles toppen sollte. Es ging um drei Betrunkene, von den Beamten liebevoll „Trio Promillo“ genannt, und zwei Autos. Angefangen hatte es am A3-Parkplatz Weilbach mit einer Routinekontrolle aufgrund auffälliger Fahrweise – und es endete wenige Tage später mit beschlagnahmten Führerscheinen und sichergestellten Fahrzeugschlüsseln. Dazwischen lagen weiterer übermäßiger Alkoholkonsum und „leichte Dummheit“, wie die Polizei milde kommentiert, denn das Trio leistete sich grobe Schnitzer und lieferte sich quasi freiwillig aus. Nun laufen diverse Verfahren, unter anderem wegen des „Ermächtigens“ bzw. der „Beihilfe zum Fahren ohne Fahrerlaubnis“.

Die Facebook-Gemeinde jedenfalls liest den untypisch langen Text, kommentiert begeistert und freut sich gleichermaßen über die schlagfertigen Antworten des Social Media-Teams. So weist Meerheim, Kürzel *fm, beispielsweise darauf hin, dass sich die Polizei gegen die Einführung von Payback entschieden hätte und Punkte nur in Flensburg verteilt. Und dem obligatorischen Meckerer wird augenzwinkernd vorgerechnet, was die zahlreichen Polizeikräfte für die öffentliche Sicherheit tun. „Das Social Media-Team von der Polizei Westhessen ist der Knaller“ und „absolute Sahne, was hier geboten wird, sensationell“ heißt es daher im Netz.

„Gerade bei einer solchen kuriosen Geschichte wie in Weilbach aus dem realen Polizeialltag erlauben wir uns, auch eine andere, lustige Seite zu zeigen“, erklärt Meerheim. „Aber das geht natürlich nur, wenn – wie in diesem Fall – keiner zu Schaden gekommen ist.“ Diese Art der Beiträge und regelmäßige Blicke hinter die Kulissen erhöhe die Aufmerksamkeit, baue Berührungsängste ab und fördere das Vertrauen in die Arbeit der Polizei.

Bei ernsten Themen oder großen Lagen wird daher sofort „umgeschaltet“ in einen eher nüchternen Tonfall, so auch geschehen im Mai, nach dem Mord an Susanna in Wiesbaden. „Da haben wir ganz sachlich unsere Arbeit und das rechtsstaatlich saubere Handeln der Polizei dargestellt sowie die Fakten rund um den Beschuldigten und seine Rückführung kommuniziert“, beschreibt Meerheim.

„Natürlich gab es auch Kommentare aus der rechten Ecke oder absurde Mutmaßungen, und so haben wir manche Stammtischparolen oder ähnlich dummes Gebabbel dann auch entsprechend beantwortet.“ Um auf die insgesamt fast 6000 Kommentare adäquat reagieren zu können, hatte sich das zweiköpfige Team Verstärkung geholt: „Etwa eine Woche lang haben wir zu viert nahezu rund um die Uhr gearbeitet.“ In den Tagen danach wurden dann erstmal keine lustigen Bilder gepostet.

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