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Freier Blick: Vom Turm und auf die marode Fassade.

Denkmalamt

Neubau oder Abriss: Zukunftswerkstatt berät über die Ernst-Reuter-Schule

Die Ernst-Reuter-Schule muss dringend saniert werden. Das ist seit vielen Jahren bekannt und wird genauso lange versprochen. Jetzt gibt es einen neuen Vorstoß. Und erstmals meldet sich auch das Denkmalamt aktiv zu Wort.

Am 21. September vor 50 Jahren wurde die Ernst-Reuter-Schule nach dem ehemaligen Berliner Oberbürgermeister benannt. Das wird gefeiert. Offen ist dagegen, wann die Gebäude endlich saniert werden. Dabei gibt und gab es mehrere Anläufe. Schon Schuldezernentin Sahra Sorge (Grünen) hatte in ihrer vierjährigen Amtszeit (2012 bis 2016) das Geld für die entsprechenden Planungen eingestellt. Mehr tat sich aber nicht.

Doch jetzt hat die Stadt eine „Zukunftswerkstadt“ – so der anspruchsvolle Titel – ins Leben gerufen. Vorstufe für alles, was da noch kommen mag. Mit dabei neben städtischen Gremien, Lehrern, Architekten und Eltern auch das Hessische Amt für Denkmalschutz. Frankfurts erste Gesamtschule ein architektonisches Juwel?

Entworfen hat die Ernst-Reuter-Schule der österreichische Architekt und Möbeldesigner Franz Schuster (1892 – 1972). Er war auch einer der Protagonisten des Neuen Frankfurts, als unter der Ägide des Städteplaners Ernst May zwischen 1925 und 1930 rund 15 000 Häuser und Wohnungen entstanden. Schuster war dabei an der Verwirklichung der Siedlungen Römerstadt und Westhausen beteiligt. Zudem entwickelte er ein kostengünstiges Möbelsystem, bei dem sich verschiedene Element ganz nach Gusto zu Regalen, Vitrinen oder Sideboards kombinieren lasen. Systemmöbel. Ikea lässt grüßen.

Wie wichtig es ist, dass nach so vielen Jahren an der Ernst-Reuter-Schule nun endlich etwas passiert, wird deutlich, wenn man über das Gelände geht. Es gibt praktisch kein Gebäude, wo von den Wänden keine Kacheln fallen. Beispiel Turm über dem Theater. Hier ist gleich eine größere Anzahl an Schmuckkacheln zu Boden gegangen. Wie sich Gerhard Schneider, der Direktor der Ernst Reuter-Schule I erinnert, waren sie vor einigen Jahren eigens von einer Spezialfirma den damals schon kaputten Originalen nachempfunden und angebracht worden. Doch das Unternehmen verwendete den falschen Kleber. Schon früh fielen die ersten Kacheln wieder ab. Da die Firma nach dem Auftrag in die Insolvenz ging, konnte niemand zur Rechenschaft gezogen werden. Doch auch an allen anderen Gebäuden herrscht dringender Sanierungsbedarf.

Und schon jetzt zeichnete sich ab: Das könnte das teuerste Projekt werden, das Frankfurt bislang zu stemmen hatte. Vorsichtige Schätzungen sprechen von fast 100 Millionen Euro. Gleichwohl waren sich alle Beteiligten der Zukunftswerkstatt einig, „das parkähnliche Grundstück sowie weite Teile des Bestandes zu erhalten und durch Neubauten zu ergänzen“, heißt es in einer Stellungnahme. Diese Neubauten seien dringend notwendig, da die ERS bereits heute unter Raummangel leide.

Für das aktuelle Schuljahr erwartet die ERS I (Oberstufe) rund 500 Schüler. Über 1250 Mädchen und Jungen, 130 Lehrer und 50 Klassen sind es an der ERS II (Klassen 5 bis 10). Derweil erklärte eine Sprecherin der Schuldezernentin, Sylvia Weber (SPD) wünsche sich zum 50. Namensjubiläum „den Start der Sanierung“. Und: „Es wäre ein wichtiges Signal für die gesamte Nordweststadt, wenn die Stadt Frankfurt hier den großen Wurf wagt und eine hervorragend arbeitende integrierte Gesamtschule endlich das Gebäude bekommt, das sie verdient.“

Ein erster Schritt könnte ein Ersatzbau für die seit längerem geschlossene Schwimmhalle sein. Die war versprochen worden. Doch jetzt schwant dem zuständigen Ortsbeirat 8 (Nordweststadt, Heddernheim, Niederursel) Ungemach. Er stellte fest, dass entgegen früherer Aussagen die Halle im neuen Bäderkonzept nicht mehr aufgeführt wird, obwohl im Investitionsprogramm 2018 Haushaltsmittel für den „Abriss/Neubau Schwimmhalle “ eingesetzt waren.

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