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Der Bunker in der Gründenseestreße 6 in Alt-Fechenheim sieht aus wie eine Kirche.

Bau ist eine Herausforderung

Neue Wohnungen im alten Bunker in Fechenheim

In dem Bunker in der Fechenheimer Altstadt werden neun Wohnungen eingebaut. Die Arbeiter kämpfen dort mit meterdickem Beton – und Architekten haben keine Erfahrungswerte.

Für Daniel Beitlich ist der Fechenheimer Bunker in der Gründenseestraße ein spannendes Projekt. Für die Bauarbeiter und Architekten ist er mindestes eine Herausforderung, manchmal eine Zumutung. Beitlich ist Geschäftsführer der Gießner Konversionsgesellschaft Revikon. Er hat den Bunker vor vier Jahren von der Bundesanstalt für Immobilien erworben und später an einen Investor verkauft, dessen Namen er nicht nennen will. Nun baut dieser hier neun Wohnungen mit 60 bis 110 Quadratmeter – und die Liste dessen, was den Bauarbeitern und Architekten die Arbeit dabei so schwer macht, ist lang.

An diesem Bunker ist nichts, wie es scheint. 1941 wurde er von den Nazis so gebaut, dass er aus der Luft – oder für einen eilig vorüberlaufenden Passanten – aussieht wie eine Kirche. Das sollte alliierte Flieger davon abhalten, ihn zu bombardieren. Für die Tarnung sorgte etwa der kleine Turm, der sonst keine Funktion erfüllte. Ebenso sehen die mit Sandstein gerahmten Lüftungsöffnungen aus wie mittelalterliche Fenster und eine quadratische Sandsteinplatte an der Fassade imitiert ein Wappenschild.

Die Herausforderung dabei ist: Seit 1987 steht der Bunker unter Denkmalschutz. Wie bei dem Bunker in Griesheim die Wohnungen auf das Dach zu bauen geht daher hier nicht. Durch den Umbau darf sich am Erscheinungsbild nichts ändern. „Da die Wohnungen trotzdem Fenster brauchen, werden sie mit einer halb durchsichtigen Scheibe verdeckt“, sagt Beitlich. Von innen fielen die Deckscheiben kaum auf, von außen sehe die Fassade aber wie zugemauert und verputzt aus

Das größte Problem der Bauarbeiter aber: Es ist eben ein Bunker. Viele Wände sind aus Dezimeter dickem Beton gegossen. In einigen Wänden versteckt sich zudem ein Metallgerüst, das für zusätzliche Stabilität sorgen sollte – und an dem sich heute selbst Spezialsägen die Zähne ausbeißen.

Ein Arbeiter befestigt gerade einen Diamantbohrer in seiner Halterung. Für eine Stromleitung soll er ein zwei Finger breites Loch von der dritten hinunter zur zweiten Etage in den Boden zu bohren. Normalerweise dauert so etwas höchstens zwei Minuten – aber für dieses Loch werde er dagegen wohl drei Stunden brauchen, sagt der Arbeiter. Dann lächelt er und reibt die Spitzen von Zeigefinger und Daumen aneinander. Damit drückt er aus: Hier kann seine Firma ordentlich Geld verdienen. Immerhin könne er an einem Arbeitstag nur zwei bis drei Löcher bohren. Dann ist schon wieder Feierabend. Doch Löcher sind das eine. Ebenso braucht es Schächte für das Abwasser oder die Lüftungsanlage.

Die Fenster erstrecken sich über alle drei Stockwerke. Sie sind zwei Meter breit, genauso hoch, und vor allem: Die Fassade ist sagenhafte zwei Meter dick. „Anderthalb Jahre hat es gedauert, die acht Kubikmeter großen und 14 Tonnen schweren Betonklötze aus der Fassade zu schneiden“, sagt Beitlich. Nur klein geschnitten und mit einem Kran habe man sie dann abtransportieren können.

Der dicke Betonmantel schafft zudem ein individuelles Innenraumklima. „In einem Bunker ist es stets gleich warm“, sagt Beitlich, um das ungewöhnliche Lebensgefühl in einer Bunkerwohnung hervorzuheben. Allerdings gab es kaum Erfahrungswerte, auf die sich die Architekten stützen konnten. Wie die Lüftungsanlage eingestellt werden muss, wo der Taupunkt bei einer zwei Meter dicken Betonwand liegt oder welchen Putz man verwenden muss; all das musste speziell für dieses Projekt untersucht werden.

Doch gerade das macht das Projekt für Beitlich so spannend. Und auch die Tatsache, dass das Überbleibsel eines schrecklichen Krieges einen zivilen und behaglichen neuen Zweck bekommt.

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