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In diesem Sommer geht die Sonne noch nicht unter: Vorgestern wurde die Biergarten-Saison eröffnet. Außer montags ist wie gehabt geöffnet.

Traditionsgasthaus

Neues zur "Sonne": Jetzt reden die Besitzer

Bornheim ist in Aufruhr, weil das Gelände des Gasthauses „Zur Sonne“ verkauft werden soll: Eine von Anwohnern gestartete Petition gegen die Schließung (wir berichteten) hat schon 3300 Unterzeichner. Das Besitzer-Ehepaar Lorz möchte jetzt Ruhe in die Gerüchteküche bringen.

„Wir sind am Ende unseres Arbeitslebens, mit 65 und 68 Jahren fallen wir nunmal ins Rentenalter,“ sagen Ulrike und Gustav-Adolf Lorz. „Wir wollen und müssen aufhören.“

Am Dienstag war der erste Abend im Garten. Die beiden sitzen am Biertisch, genießen den ersten Freiluft-Bembel, und Ulrike Lorz raucht noch ein Zigarette, bevor der Ansturm losgeht. Die Sonne scheint in den Hof mit der alten Kastanie, altbekannte Besucher treffen ein und grüßen die Gastgeber.

Die Suche nach einem Nachfolger, der das Areal zu dem Preis kaufen kann, den die beiden auch damals, im Jahr 1990 – in D-Mark – gezahlt haben, hätten sich das Ehepaar Lorz gern gespart, denn eigentlich war alles geplant. Der langjährige Co-Geschäftsführer wollte das Areal kaufen und das Lokal weiterführen. Doch im Juli vergangenen Jahres sagte der Geschäftspartner den beiden ab. Mehr noch: Er stieg ganz aus dem Betrieb aus, weshalb Ulrike und Gustav-Adolf Lorz seit Anfang Januar wieder selbst „an der Front“ arbeiten und den Laden schmeißen. „Es ist sehr viel Arbeit.“

Deshalb haben sie zum ersten Mal einen Ruhetag eingeführt: Montags ist seit kurzem geschlossen. „Das hat einige Gäste stutzig gemacht – weil sie es nicht gewohnt sind,“ erzählt Ulrike Lorz. „Aber wenn ich samstagnachts um drei heimkomme und sonntags um 10 Uhr wieder anfange zu arbeiten, brauche ich einen Tag Ruhe.“

Stutzig hat das Ehepaar wiederum der plötzliche Aufruhr gemacht, den die Meldung und die vergangene Woche losgetreten haben. Manch ein Gast gebe seitdem ungehalten seine Enttäuschung kund. „Aber im Grunde freuen wir uns, denn das zeigt auch, dass wir gute Arbeit geleistet haben und die Gäste glücklich waren. Zudem hilft das mediale Interesse vielleicht dabei, einen Käufer und Nachfolger zu finden,“ sagt Gustav-Adolf Lorz.

Das Büro von Oberbürgermeister Peter Feldmann, der ja auf Facebook seine Hilfe angeboten hatte, meldete sich auf seinen Anruf hin sofort zurück. „Das hat mich sehr gefreut“, sagt Gustav-Adolf Lorz. Doch auch die Stadt kann keinen Nachfolger herbeizaubern. Ehepaar Lorz haben selbst schon überall angefragt: bei Bekannten aus der Sachsenhäuser Apfelweingastronomie, beim Hessischen Landesverband der Köche, beim Hotel und Gastronomieverband Dehoga, sogar beim eigenen Metzger in Bad Vilbel. Interesse hatten aber bisher nur Bauunternehmer.

Die Betreiber möchten auf keinen Fall von jetzt auf gleich das Restaurant schließen. „Das machen wir nicht, wir haben Verpflichtungen unserem Personal gegenüber,“ versichert Ulrike Lorz. „Wir haben auch Kommunionfeiern und andere Feste, das machen wir immer sehr gerne,“ sagt die gebürtige Würzburgerin. „Es ist immer so schön, im Hof zu feiern.“

Neue Bierbänke, Tische und Stühle wurden gerade geliefert, das marode Dach der ehemaligen Kegelhalle wird repariert, damit bei Regen wieder Gäste darunter Platz nehmen können. Der Betrieb läuft wie immer, auch die Fußball-WM im Juni und Juli haben die beiden im Blick.

Bei allem Herzblut macht das Ehepaar aber keinen Hehl aus seinem Wunsch, sein Eigentum zu einem fairen Preis zu verkaufen, „wie es jeder andere auch tun würde. Wir würden es sehr gerne sehen, wenn die „Sonne“ weiterhin existiert,“ sagt Gustav-Adolf Lorz. Ganz klar stellt er auch, dass ein Nachfolger, der die „Sonne“ weiter betreiben würde, nicht nur 2,5 Millionen Euro berappen, sondern auch die Küche modernisieren müsste.

Momentan gibt es zwei Küchen – die eine für den Gartenbetrieb im langgezogenen Anbau, und die andere im alten Gasthaus – wegen dieser Zweiteilung war bislang entweder das Haus oder der Hof bewirtschaftet.

Das Gasthaus mit der 180 Quadratmeter großen Pächterwohnung und dem Dach, das noch ausgebaut werden kann und die große Kastanie stünden unter Denkmalschutz. Dass der Hof bebaut werden darf, war allerdings schon klar, als das Ehepaar das Grundstück damals kauften – „ohne diese Zusicherung gibt Ihnen keine Bank einen Kredit,“ sagt Lorz. Unterdessen kündigt Thomas Becker, der Inititiator der Petition, an, dass er eine Crowdfunding-Kampagne zu starten gedenkt. Doch selbst wenn dadurch genug Geld zusammenkäme, müsste noch ein Betreiber gefunden werden.

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