Straßennetz

Nidderau lässt Straßen auf Schäden prüfen

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Ein Auto mit Aufbau ist vergangene Woche durch Nidderaus Straßen gefahren. Google Street View steckt nicht dahinter. Die Stadt Nidderau möchte wissen, in welchem Zustand sich ihre Straßen befinden. Der Datenschutz oder die Privatsphäre von Passanten oder Autofahrern wird dabei nicht verletzt.

Das Unternehmen Kommunal-Consult Becker AG in Pohlheim ist von der Stadt Nidderau beauftragt worden, mit speziell ausgestatteten Fahrzeugen alle Straßen in Nidderau zu fotografieren. 100 Kilometer hat das Straßennetz, alle fünf Meter wurden 360-Grad-Aufnahmen gemacht. Ziel ist, die Daten bis Ende des Jahres ausgewertet zu haben und Politik und Verwaltung zu übergeben. Während die Befahrung mit dem Pkw bereits abgeschlossen ist, werden die Gehwege, die bisher noch nicht erfasst wurden, demnächst mit einem Schmalspurfahrzeug befahren. „Bei dieser vermessungstechnischen Straßenbefahrung werden Daten zum Straßenzustand erfasst und aktualisiert“, sagt Harald Fischer vom Fachdienst Straßenbau der Stadtwerke.

Die letzte Befahrung hat laut Fischer im Jahr 2012 stattgefunden. Die Ergebnisse von damals sind auf CD, in Ordnern mit unzähligen Bildern und im Kataster dokumentiert. Insgesamt gibt es fünf verschiedene Klassen, die von minimalen Schäden bis zu Sofortmaßnahmen wegen Unfallgefahr reichen. „Die Häufung von Schäden bei Straßen der Klasse fünf ist derart stark, dass über eine grundhafte Erneuerung entschieden werden muss“, sagt Fischer. Das Schadensbild beschreibt er in dieser Klasse als so gravierend, dass einzelne Reparaturen wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll sind.

Die Bahnhofsstraße sagt Fischer, sei ein gutes Beispiel, um den Bürgern aufzuzeigen wie wichtig die Klassifizierung ist, denn die Stadt gewinne so eine gute Übersicht über den jeweiligen Reparaturbedarf. Die Bewertung durch das beauftragte Unternehmen erfolge neutral. „Oft deckt sich das nicht mit der Bewertung des Bürgers, der das aus seiner Sicht sieht. Er favorisiert die Schäden vor seiner Haustür oft als die Schäden mit höchster Priorität“, sagt Fischer. Auch sechs Jahre nach der ersten Befahrung sind erneut alle baulichen Anlagen, die zum Straßenkörper gehören, sowie Fahrbahnen, Geh- und Radwege erfasst worden. Erfasst wurden auch Verkehrsschilder, Straßenlampen, Schachtabdeckungen, Hydranten oder Straßensinkkästen. Auch Grünzonen und Bäume im Straßenraum wurden berücksichtigt. Die Bilddaten verfügen laut Homepage des Unternehmens über eine Auflösung von 30 Megapixeln. Das Laserscanning im Kombi mit Bildaufnahmen erlaubt 3D-Auswertungen von Objekten und ermöglicht eine räumliche Orientierung in realer Umgebung. Sie können für die Stadtplanung, das Bau-und Liegenschaftsamt, das Ordnungsamt oder die Straßenverkehrsbehörde genutzt werden.

Wie Fischer erklärte, wird die visuelle Zustandserfassung der Straßen nach Vorgaben der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen ausgeführt. Die Mängel der Straßen werden in einer Fachdatenbank erfasst. Aus Gründen des Datenschutzes werden die Bilddateien nur verwaltungsintern genutzt. „Die ermittelten Daten des etwa 100 Kilometer langen Straßennetzes in den fünf Nidderauer Stadtteilen dienen der Zuordnung von Kosten für die Unterhaltung und Erneuerung von Straßen“, sagt Fischer. Die Straßenschäden werden über den Ergebnishaushalt der Stadt finanziert. Bei grundhafter Erneuerung fließen die Gelder aus dem Investitionshaushalt und aus Anliegerbeiträgen. Zudem melden Bürger Straßenschäden über das Auftrags-und Ereignismanagement (AEM), Bauhof und Ordnungsamt sind involviert, und Streckenkontrolleur Jörg Sperzel geht alles zu Fuß ab.

Die Demo einer Straßenbefahrung können sich Interessierte auf der Homepage des Unternehmens Kommunal-Consult Becker AG ansehen: www.demo.kc-strassenbe-

fahrung.de

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