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Ein Kleinod an der Friedberger Landstraße ist der Bethmannpark, der den Frankfurtern nicht nur zur Entspannung, sondern auch als städtischer Schaugarten für Blumen und Pflanzenfreunde dient.

Stadtteil-Serie (Teil 37)

Nordend: Moderner Chic und alte Häuser

In unserer Stadtteil-Serie haben wir diese Woche das Nordend unter die Lupe genommen. Das Gründerzeitviertel gilt als Wiege der Grünen und ist eine beliebte, aber nicht günstige Adresse.

Dass der Name ihres Stadtteils heutzutage eher verwirrend ist, dürfte den rund 51 000 Frankfurtern, die hier wohnen, egal sein. Sie nennen das Nordend ihr Zuhause. Auch wenn es nur bis Mitte des 19. Jahrhunderts der nördlichste Teil Frankfurts war und somit seinen Namen zurecht trug.

Ab der Eingemeindung Bornheims im Jahr 1877 schossen die Gründerzeitgebäude in nicht gekannter Dichte aus dem Boden. Sie prägen noch heute das angesagte Viertel wie seine schicken Cafés und trendigen Läden.

Heute hat das Nordend in ganz Frankfurt die höchste Bevölkerungsdichte und die zweithöchste Einwohnerzahl hinter Sachsenhausen.

Das Flair des Nordends hängt eng mit der Partei der Grünen zusammen, deren Gründungsort und politische Heimat der Stadtteil ist. Am besten erlebbar ist der Ort auf seinen Hauptschlagadern, dem Oeder Weg und der Glauburgstraße. Zwei andere Straße treiben noch viel mehr Verkehr durch das Nordend, hinterlassen dort aber auch jede Menge Feinstaub und Abgase: Über die Friedberger Landstraße kreuzt der Verkehr die Stadt von Nord bis in die City, auch der Alleenring führt durchs Nordend. Daher werden in nur wenigen anderen deutschen Straßen schlechtere Luftwerte gemessen.

Neben Smog und immer teurer werdenden Mieten hat das Nordend aber auch jede Menge interessante und schöne Orte zu bieten.

An seinem nördlichen Rand war der Plenarsaal des Bundestages bereits gebaut. Doch statt Frankfurt wurde Bonn Bundeshauptstadt. Der für den Bundestag bestimmte Rundbau wurde Teil des Funkhauses des Hessischen Rundfunks. Zudem befinden sich das Frankfurter Polizeipräsidium, die Deutsche Nationalbibliothek und der Hauptfriedhof im Nordend, ebenso drei wunderschöne Grünanlagen, die der Stadt von Patrizier- und Bankiersfamilien geschenkt oder verkauft wurden: der Holzhausenpark, der Bethmannpark und der Günthersburgpark, wenn auch nur ein Teil von diesem.

FNP-Fotograf Ben Kilb hat sich in dem belebten und beliebten Viertel zwischen der Innenstadt, Bornheim, Eckenheim, dem Dornbusch und Preungesheim umgesehen.

Jörg Harraschain wurden aufgrund seiner Verdienste für den Stadtteil viele imaginäre Titel im Nordend verliehen. Dabei ist er nur Ortsvorsteher außer Dienst.  Sechs Jahre hat er einst den Ortsbeirat 3 geleitet und war in dem Gremium insgesamt 20 Jahre ohne Unterbrechung aktiv. Darüber hinaus hat Harraschain eine Künstlerinitiative gegründet, die den Stadtteil verschönert. Er hat ein Buch über das Nordend geschrieben, eine historische Fotoausstellung dem Viertel gewidmet und vieles mehr. Für sein Wirken wurde er unter anderem mit der Bürgermedaille der Stadt Frankfurt ausgezeichnet.

Ein Kleinod an der Friedberger Landstraße ist der Bethmannpark, der den Frankfurtern nicht nur zur Entspannung, sondern auch als städtischer Schaugarten für Blumen- und Pflanzenfreunde dient. Die Familie von Bethmann hatte den Patriziergarten 1783 erworben und umgestaltet. Zuvor ließen in dem „Garten vor dem Tore“ Kaiser, Könige und Johann Wolfgang von Goethe die Seele baumeln. Der Zugang zum dort ebenfalls befindlichen Chinesischen Garten ist derzeit versperrt. Ein Brandstifter hatte im vergangenen Jahr den dortigen Pavillon angezündet. Seitdem ist dieser stark einsturzgefährdet.

Seit 13 Jahren läuten die Menschen mit dem Freitagsmarkt auf dem Friedberger Platz das Wochenende ein. Von 10 Uhr bis 20 Uhr werden dort frische Lebensmittel, wie Obst, Gemüse und Südfrüchte, Fleisch- und Wurstwaren, Geflügel, Eier, Oliven, Biowaren, Käse, Molkereiprodukte, italienische Pasta und Blumen angeboten. Anschließend steigt auf dem Friedberger Platz in der warmen Jahreszeit die After-Weinmarkt-Party. Nachdem diese jahrelang wegen Lärmbelästigung, Vermüllung und Wildpinklern Schlagzeilen machte, hat die Stadt die Lage gemeinsam mit Marktbeschickern und Ortsbeirat beruhigt.

Nach dem Holzhausenschlösschen, einem barocken Wasserschloss, errichtet von der Frankfurter Patrizierfamilie Holzhausen zwischen den Jahren 1727 und 1729, ist auch der umliegende Park im Westen des Nordends bekannt. Das letzte männliche Mitglied der Familie von Holzhausen, Rittmeister Adolph von Holzhausen, schenkte das Schloss und den umgebenden Park einst der Stadt Frankfurt am Main. Nachdem darin bis Kriegsende die Frankfurter Abteilung des Reichsarchives untergebracht war, beherbergte das Schlösschen von 1953 bis 1988 das Frankfurter Museum für Vor- und Frühgeschichte. Heute hat dort die Frankfurter Bürgerstiftung ihren Sitz und richtet im Schlösschen und drum herum regelmäßig kulturelle Veranstaltungen aus.

Mystisch fällt das Morgenlicht auf eine Pyramide auf dem Frankfurter Hauptfriedhof. Jüngst sei hier ein Mitglied des Illuminatenordens beerdigt worden, erzählt eine Mitarbeiterin des Hauptfriedhofes. Insgesamt befinden sich auf dem 1828 eröffneten Areal rund 80 000 Gräber. Darunter die Ruhestätten von Arthur Schopenhauer und Theodor W. Adorno, dem Frankfurter Mundartdichter Friedrich Stoltze, der Schauspielerin Liesel Christ, des Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki und des Kabarettisten Matthias Beltz.

Ein Frankfurter Trauma lebt in diesem prunkvollen Foyer fort. Am Rand vom Nordend zum Dornbusch sollte einst Deutschland regiert werden. Dann fiel die Wahl zur Bundeshauptstadt nicht auf Frankfurt, sondern auf Bonn. Die als Plenarsaal des Bundestag geplante Rundhalle mit der Goldhalle wurde schließlich Teil des Funkhauses des Hessischen Rundfunks, der seinen Hauptsitz am Dornbusch hat. Heute begeistern in dem Großen Sendesaal in dem denkmalgeschützten Bau Sinfonieorchester und die Bigband.

An keinem anderen Ort in Frankfurt lebt die Gründerzeit fort wie im Nordend. Im innenstadtnahen südlichen Teil der beiden Stadtteile herrscht eine fast durchgängige Bebauung im Baustil der Wirtschaftsepoche im mittleren bis späten 19. Jahrhundert. Auch Gebäude der Neurenaissance sowie des Spätklassizismus finden sich im Stadtteil. Der Name Nordend entstand in der Gründerzeit. Ab dann wurde der Stadtteil bis nach der Wende zum 20. Jahrhundert dicht bebaut, so dass er zum Ort mit der höchsten Bevölkerungsdichte in Frankfurt wurde.

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