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Blick auf den Fechenheimer Mainbogen: Vorne ist die Carl-Ulrich-Brücke zu sehen, flussaufwärts liegt das Haus des Offenbacher Rudervereins (ORV). Hier beginnen die Erdbewegungsarbeiten für das Auengebiet. Dahinter folgt der provisorische Schiffsanleger.

Renaturierungsprojekt

Mehr Molch im Mainbogen: 90 Hektar großes Naturparadies entsteht

Auf dem Mainbogen bei Fechenheim, direkt gegenüber der Offenbacher Kernstadt, entsteht ein 90 Hektar großes Naturparadies und Naherholungsgebiet. Bei der Maßnahme handelt es sich um das größte Renaturierungsprojekt am gesamten hessischen Main.

Offenbach – „Es gibt ja bereits seit 2015 drei Teiche nahe der Carl-Ulrich-Brücke und fünf zeitweise geflutete Landstücke, die sich hervorragend mit Pflanzen und Tieren entwickeln“, berichtet Rainer Zimmermann vom Frankfurter Umweltamt, der das Projekt leitet. Ebenfalls entstanden sind schon sieben Zonen, an denen das Ufer abgeflacht und mit Buchten sowie mit Sand und Kies als Laichareal für Fische gestaltet wurde. Vor wenigen Wochen begannen die Aushubarbeiten für einen 600 Meter langen, bis 70 Meter breiten und bis 4,5 Meter tiefen Altarm, der praktisch die Biegung des Mains abkürzt. 4,16 Millionen Euro kostet das Anlegen der Auenlandschaft, eines Refugiums für Fische, Vögel und Pflanzen. Knapp drei Millionen Euro trägt das Land Hessen. Durch die Wasserverbindung entsteht eine 400 Meter lange Insel, auf der sich die Natur vollkommen ungestört entwickeln soll. Bis Oktober will man fertig sein.

„Wie genau der Main hier in früheren Zeiten verlief, wissen  wir  nicht,   aber  wir nutzen die natürlichen Senken in diesem Gebiet, um die Landschaft zusammen mit Landschaftsarchitekten und Wasserbauingenieuren umzugestalten“, berichtet Zimmermann. Gleichzeitig wird der bestehende holperige Leinpfad in Ufernähe weiter ins Landesinnere verschoben und als 1,2 Kilometer langer asphaltierter Rad- und Spazierweg wiederauferstehen. In Ufernähe kann dann ein noch breiterer Auwald wachsen. Teils soll er angelegt werden, teils auf natürliche Weise entstehen.

"Tiere und Pflanzen müssen nicht künstlich importiert werden"

Zimmermann ist optimistisch, dass sich die Räume auch wegen des hohen Grundwasserstands in relativ kurzer Zeit mit Leben füllen werden. In dem „neuen“ Altarm könnten Karausche, Nase, Schleie, Ukelei, Zander und Hecht heimisch werden, in den Feucht- und Uferarealen Lurche, Salamander, Molche, Grasfrösche, Unken und Kröten, die Braune  Mosaikli- belle, die Große Königslibelle, die Gemeine Heidelibelle und verschiedene Insekten sowie Sing- und Wasservögel einziehen. „Es ist erfreulich, dass die Natur sogar hier im Ballungsraum noch so intakt ist, dass Tiere und Pflanzen nicht künstlich importiert werden müssen, sondern zuwandern“, so Zimmermann.

Schematische Darstellung des geplanten Auengebiets südlich von Frankfurt-Fechenheim.

83.000 Kubikmeter Erdreich müssen nach dem Ausbaggern des neuen Mainarms abtransportiert werden. Um die Natur möglichst wenig zu stören, orientiert man sich bei den Bauarbeiten an strengen ökologischen Vorgaben. So verschwindet der Aushub nicht auf theoretisch hierfür benötigten 7500 Lastwagen – was Tiere und Anwohner nerven würde – sondern im Bauch eines Frachtschiffes. Das transportiert ihn zur Deponie Eisert in Großkrotzenburg, wo der wertvolle Boden als Abdeckung dient. Die Schiffs-Anlegestelle, die von Offenbach aus gut zu sehen ist, wird nach Abschluss der Arbeiten zurückgebaut.

Mainbogen: Das ist in Zukunft geplant

Mit der 22.000 Quadratmeter großen Wasserfläche des Altarms ist die Renaturierung aber noch längst nicht abgeschlossen: Bis 2022 sollen fertige Pläne vorliegen für einen ungleich größeren Altarm, der die Landzunge über eine Länge von 1,7 Kilometern durchschneidet. Auf die entstehende recht große „Insel“ kommt man dann nur noch über spezielle Brücken. 15 Millionen Euro wird dieser gewaltige Eingriff kosten. Für die Fertigstellung gibt es noch keinen Termin. Damit auch Erholungssuchende etwas von dem Projekt haben, soll das derzeit unterentwickelte Wegenetz aus zumeist Trampelpfaden zwischen den Fechenheimer Äckern verbessert werden. Auch Aussichtspunkte wird es geben.

Für die Umgestaltung der Landschaft müssen die Eigentumsverhältnisse allerdings völlig neu geordnet werden. Sage und schreibe 1000 Grundstücke und 135 verschiedene Eigentümer – darunter mit einem Flächenanteil von zwei Dritteln die Stadt Frankfurt – weist das Grundbuch aus. 44 Hektar Äcker und 22 Hektar Wiesen sollen erhalten bleiben.

VON MICHAEL ESCHENAUER

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