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Auf der Bieberer Straße in Offenbach, kurz hinter dem Wilhelmsplatz, bilden sich regelmäßig Staus. Auch Busse und Laster müssen sich hier durchquetschen.

Warnschuss von der Stadt

Baustelle ohne Bau sorgt für Ärger: Zaun auf Straße nervt Anwohner und Autofahrer

Nahe dem Wilhelmsplatz in Offenbach klafft seit über einem Jahr eine Baulücke. Ein Bauzaun versperrt eine ganze Fahrspur. Jetzt handelt die Stadt.

Offenbach – Wenn Bürger und die Zeitung gemeinsam als Katalysator wirken, führt das bisweilen Reaktionen der Bauverwaltung herbei. Nach einer Presseanfrage ereilte, wie berichtet, den Besitzer des berüchtigten Gammelhauses in der Luisenstraße 24 in Offenbach die behördliche Anordnung, das vermüllte Gebäude unzugänglich zu machen. Bei einem weiteren Ärger-Grundstück hat die Erkundigung nun ebenfalls zur Folge, dass sich die Stadt endlich zum Druckmachen entschließt.

Seit einem und einem Vierteljahr ist das Wohn- und Geschäftshaus mit der Adresse Bieberer Straße 13 dem Erdboden gleichgemacht. Nahe dem Wilhelmsplatz klafft seitdem nicht nur eine Baulücke, sondern versperrt auch ein Bauzaun eine ganze Fahrspur. Ohne dass sich dort irgendetwas täte.

Offenbach: Baustelle ohne Bau - Zaun auf Straße ärgert Autofahrer

„Ich verstehe beim besten Willen nicht, was hier den Bürgern und auch den Autofahrern schon zugemutet worden ist beziehungsweise weiter zugemutet wird“, dürfte Rechtsanwalt und Notar Norbert Winter vielen Offenbachern aus der Seele sprechen, die diese Ecke zu Fuß, auf zwei oder vier Rädern frequentieren.

Nun vermeldet die Stadt einen „letzten Warnschuss“. Die Straßenverkehrsbehörde sei am Dienstag erneut ins Gespräch mit den Bauherrn getreten, berichtet Stadtsprecherin Kerstin Holzheimer: „Sollte das in den nächsten zwei Wochen keine Resultate zeigen, wird die Straßenverkehrsbehörde den Prozess anstoßen mit der Rücknahme der verkehrsrechtlichen Anordnung zur Genehmigung der Absperrung und dazu eine Frist setzen.“ 

Offenbach: Auf Baustelle nahe dem Wilhelmsplatz geht nichts voran

Passiert nach weiteren zwei Wochen wieder nichts, lässt die Stadt selbst die Sperrung abräumen. Das nennt sich dann „Ersatzvornahme“ und geht zunächst auf Kosten der Stadt, die sich anschließend das Geld wiederholen muss. Laut Kerstin Holzheimer ist die monatelange Sperrung übrigens mit keinen Gebühren verbunden. Im Gegensatz zu anderen Nutzungen öffentlichen Straßenraums seien Sperrungen aus baulichen Gründen kostenfrei.

Auf der Baustelle in bester Innenstadtlage, auf der nicht gebaut wird, soll eigentlich ein Wohnhaus errichtet werden. Der erste Antrag zur teilweisen Abriegelung der Bieberer Straße wurde am 16. Juli 2018 gestellt. Die letzte Genehmigung bestand bis zum 31. Juli. Hätten bis dahin Bauarbeiten begonnen, wäre eine Verlängerung nicht zu verweigern gewesen. Im Juni hatte Stadtsprecher Fabian El Cheikh „unvorhergesehene Schwierigkeiten“ für den Stillstand nach dem Abriss angeführt; Details dürfe er nicht nennen.

Offenbach: Stadt reagiert mit Warnschuss auf Baustelle und Bauzaun

Von den Bauherrn mehr zu erfahren, ist nicht möglich, ihre Anonymität wird von der Stadt gewahrt. Aus Angst vor rechtlichen Schritten der Eigentümerin gibt sich die unmittelbare Nachbarschaft, die unter der Sperrung leidet, ebenfalls zugeknöpft.

In dem Gebäude, das dem Boden gleich gemacht wurde, blühte bis April 2017 das alternative Kulturzentrum „Multiversum“, das junge Leute, unter anderem HfG-Studenten, dort 2015 etablierten – schon damals war klar, dass es sich um eine Zwischennutzung handeln würde. Davor befand sich im Erdgeschoss einige Jahrzehnte lang ein Kleidergeschäft.

VON THOMAS KIRSTEIN

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