+
Im Julius-Kühn-Institut Darmstadt hat Assiklaris (17) über plastikzersetzende Pilze geforscht.

„Jugend forscht“

Große Pläne gegen Mikroplastik: Offenbacher Schüler lässt aufhorchen

„Jugend forscht“-Sieger Christos Assiklaris stellt seine Forschung zur Zersetzung von Kunststoff in Brüssel vor.

Offenbach - Mit einem Chemiebaukasten und einem Mikroskop zur Einschulung habe es angefangen, sagt Christos Assiklaris und lacht. Biologie und Chemie haben den 17-Jährigen schon immer fasziniert - und diese Faszination zahlt sich nun aus: Assiklaris ist gleich dreimal im Wettbewerb „Jugend forscht“ ausgezeichnet worden.

Der Oberstufenschüler des Albert-Schweitzer-Gymnasiums hat am Darmstädter Julius-Kühn-Institut für den Forschungswettbewerb nachgewiesen, dass bestimmte Pilze Mikroplastik zersetzen. Seitdem ist der junge Offenbacher, der kommendes Jahr sein Abitur machen möchte, gefragt: Am 25. Juni stellt er etwa seine Arbeit in der Hessischen Landesvertretung in Brüssel einem internationalen Publikum vor. „Es gab schon Anfragen für Veröffentlichungen, aber ich warte noch ab. Ich überlege nämlich, ein Patent anzumelden“, sagt er. Das wäre am einfachsten in Kooperation mit einem Unternehmen möglich, und so hat Assiklaris schon eine Aufgabe für die Zeit der Sommerferien, er wird Unternehmen anschreiben und seine Forschung vorstellen.

Christos Assiklaris kommt durch ein Praktikum zu „Jugend forscht“

Durch ein Praktikum Anfang 2018 am Julius-Kühne-Institut kam Assiklaris zu „Jugend forscht“. „Mein Betreuer, der Agrarwissenschaftler Stephan Dietrich, fragte, ob ich mir nicht ein Projekt vorstellen könnte“, sagt er. Ein Wochenende habe er sich als Bedenkzeit ausgebeten und dann zugesagt. Da er am Institut mit biologischem Pflanzenschutz und Pilzen gearbeitet hatte, recherchierte er nach weiteren Einsatzmöglichkeiten für diese.

„Zufällig fand ich die Nachricht, dass in Japan 2018 PET-Flaschen durch Bakterien zersetzt werden konnten, und ich fragte mich, ob das nicht auch Pilze schaffen könnten.“ Dazu habe es bisher nur wenig Forschung gegeben; etwa 2011 sei am Amazonas ein seltener Pilz mit dieser Fähigkeit entdeckt worden. „Für gewerbliche Anwendung zur Vernichtung von Plastik wäre der natürlich viel zu teuer. Aber am Institut wird bereits mit Pilzen gearbeitet, und ich wollte sehen, ob sich diese nicht auch eignen.“

Mit Pilzen wie „isaria fumasorosea“, die bereits industriell verwendet werden, fing er an. In Petrischalen überprüfte er in zwei Versuchsreihen, ob sich so etwa Polyethylen, was sich in Plastiktüten findet, abbauen ließe. „Der erste Versuch war nicht effizient, nach drei Monaten waren erst zwölf Prozent abgebaut“, sagt Assiklaris. In einem zweiten Versuch griff er auf Plastik in so winzigem Verschnitt zurück, dass es fast wie eine Flüssigkeit anmutete. „Und das war nach zwei Wochen komplett abgebaut - die Flüssigkeit war klar, ohne jede Rückstände“, sagt er. Andere hätten sich damit wohl schon zufrieden gegeben, der junge Offenbacher aber nicht. Er unternahm weitere Versuchsreihen, etwa ob Plastik sich auch im Boden abbauen ließe, und konnte die dafür zuständigen Mikroorganismen so kultivieren, dass die Abbauzeit auf 44 Stunden sank. „Unter optimalen Bedingungen sind nach vier Stunden 50 Prozent des Plastiks abgebaut, nach 16 Stunden 98 Prozent.“

Dass er da auf etwas Bedeutendes gestoßen war, war ihm rasch bewusst - seiner Umwelt jedoch nicht. „Anfangs wurde meine Idee belächelt, mein Chemielehrer wollte es zuerst nicht glauben. Auch die Jury des Wettbewerbs kam zu mir und schaute sich die Ergebnisse an, schließlich galten diese Stoffe als nicht abbaubar“, sagt Assiklaris.

Mit dem Preisgeld von 1400 Euro will er sich einen Ausflug zu einem Konzert gönnen. „Ich war ein Jahr dreimal die Woche immer von 14 bis 18 Uhr im Labor“, sagt er, „ich weiß gar nicht, wie viele Gläser ich gespült habe.“ Steriles Arbeiten kenne er nun.

Assiklaris will Bio oder Chemie studieren

Nach dem Abitur möchte er studieren; klar, Bio oder Chemie. Auch eine Arbeit im biomedizinischen Bereich könne er sich vorstellen. Seine Forschung will er fortführen, denn mit ihr ließe sich wirklich industriell Plastik vernichten, auch in Böden. Gern würde er noch in einer Kläranlage Versuche zur Vernichtung von Plastik im Abwasser durchführen.

An Schulen der Region ist Assiklaris gefragt: Er stellt nicht nur Lehrern und Schülern seine Arbeit vor, sondern auch, wie man strukturiert arbeitet. „Ich habe im vergangenen Jahr sehr viel darüber gelernt, wie man strukturiert und effizient arbeitet“, sagt er. Und lächelnd fügt er hinzu. „Das klingt schon etwas nach einem Streber, aber im positiven Sinn.“

Von Frank Sommer

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare