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Generationswechsel an der Hospitalstraße: Elke Finger hat ihr Fachgeschäft „Öldorado“ an die 30 Jahre jüngere Nina Ubeda Cruz übergeben. :

Stammkundin übernimmt

Traditionsgeschäft entgeht dem Ladensterben: Generationenwechsel bei "Öldorado"

Dem viel beklagten Ladensterben in der Offenbacher Innenstadt entgeht das "Öldorado": Es gibt einen erfreulichen Generationenwechsel.

Offenbach – Gemütliche Sitzgelegenheiten, liebevoll dekorierte Wände – wüsste man es nicht besser, könnte man das „Öldorado“ beinahe für eine Privatwohnung halten. Spätestens die Regale, auf denen hochwertige Öle aus Italien, Portugal und Spanien zur Schau gestellt sind, geben aber Aufschluss: In der Hospitalstraße 8 sitzt Offenbachs Fachgeschäft für Olivenöl.

„Ich bin Diplomingenieurin mit Fachgebiet Städtebau und Architektur, und jetzt führe ich ein Fachgeschäft für Premium-Olivenöle aus Südeuropa“, bemerkt Nina Ubeda Cruz und lacht. Erst vor wenigen Wochen hat sie das Öldorado von der bisherigen Inhaberin Elke Finger übernommen. „Dazu bin ich gekommen wie die Jungfrau zum Kinde“, so Ubeda Cruz. Ihre Schwiegermutter ist im Öldorado lange Buchführerin gewesen, dadurch hat sie den Laden schon vor geraumer Zeit kennen- und schätzen gelernt.

Öldorado: Das hätte sich Ubeda Cruz nie gedacht

Als Finger auf der Suche nach zwischenzeitlicher Unterstützung war, bot Ubeda Cruz sich daher gerne an – dass sie später selbst das Öldorado führen würde, hätte sie zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht für möglich gehalten. Genauso wenig, wie es für sie später infrage gekommen wäre, Fingers Nachfolge nicht anzutreten. „Ich hätte es mir mein Lebtag nicht verziehen, wenn ich diesen Laden nicht übernommen hätte“, sagt die 36-Jährige. „Als Offenbacher Mädchen würde ich durchdrehen, wenn es gerade so einen tollen Spezialladen hier nicht mehr gäbe.“ Denn dieser ist nicht nur für Offenbach etwas Besonderes. „Es gibt wenige Läden, die ein ähnliches Konzept wie das Öldorado haben. „Deutschlandweit sind es nur drei.“ Zwar könne man Olivenöl gefühlt an jeder Straßenecke kaufen, aber selten hätten die Verkäufer eine solche Expertise wie im Geschäft an der Hospitalstraße.

Mit diesem Generationswechsel bietet das Öldorado einen erfreulichen Gegenpol zum viel beklagten Ladensterben in der Innenstadt. Damit ist es nach dem Jeans-Express an der Großen Marktstraße, den die dortige Stammkundin Steffi Schubert zu Beginn des Jahres übernommen hat, bereits das zweite Geschäft, das sich dem traurigen Trend widersetzt.

Generationswechsel im Öldorado ist ein Gewinn für alle

Über den Generationswechsel ist auch Cruz’ Vorgängerin Elke Finger erfreut. „Ich bin jetzt 66“, sagt sie. „Ich habe das 17 Jahre lang gemacht. Im Olivenöl kann mir keiner mehr was sagen, und ich brauche neue Herausforderungen.“ Aktuell liebäugelt die gelernte Grafikerin mit der Kunst. „Es gibt auch Überlegungen, ob ich ein Buch schreibe. Die Olivenwelt ist von Männern dominiert, wobei die besten Öle von Frauen gemacht werden, weil sie eine bessere Sensorik haben.“ Darüber will sie gerne schreiben.

In der Zwischenzeit unterstützt sie ihre Nachfolgerin noch bei der Führung der Geschäfte. „Das Öldorado lebt davon, dass Frau Finger einen persönlichen und intensiven Kontakt zu jedem Produzenten hat“, sagt Nina Ubeda Cruz. „Sie besichtigt regelmäßig vor Ort die Mühlen und schaut sich genau an, ob alles in Ordnung ist.“

Öldorado reagiert sofort

Diese direkte Verbindung zu den Herstellern sei unerlässlich, auch für die Qualitätskontrolle. Beispielsweise habe das Verbrauchermagazin Öko-Test kürzlich Schadstoffe in Olivenölen aus dem regulären Handel entdeckt – eine Situation, auf die man im Öldorado umgehend reagiert. „Wir fahren dann zu den Produktionsstätten und gucken uns an, ob alles mit rechten Dingen zugeht.“ Davon lebe das Öldorado, und deshalb sei es für sie auch so wichtig gewesen, dass Elke Finger ihr nicht nur ihre Expertise, sondern auch die Kontakte zu den südeuropäischen Produzenten und Stammkunden weitergibt.

Mit einem solchen Fachgeschäft seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, ist jedoch schwierig. „Mich hat meine Arbeit als Grafikerin immer querfinanziert“, erklärt Finger. Und auch Ubeda Cruz wird wohl in der Anfangszeit noch nicht vom Öldorado leben können. „Das Einkommen meines Mannes und die unglaublich geringe Miete erlauben mir, dass ich mir ein Jahr lang Ausbildung bei Frau Finger gönnen konnte.“

Öldorado verschlingt finanziellen Rücklagen

Für das Startkapital habe sie alle ihre finanziellen Rücklagen zusammengekratzt. „Ich bin von dem Konzept überzeugt, und ich weiß, dass wir gerade jetzt im Internet-Zeitalter die Möglichkeit haben, das richtig nach vorne zu bringen.“ Aktuell mache der Online-Shop knapp 40 Prozent des Umsatzes aus. „Das wird in den nächsten Jahren noch deutlich durch die Decke gehen“, so Ubeda Cruz. Was in ihren Augen noch fehlt, ist eine Kampagne in den sozialen Mediennetzwerken sowie Kooperationen mit Kulinarik-Bloggern. Außerdem ist sie gerade dabei, die Logistik im Hintergrund noch effizienter zu strukturieren. „Mein persönliches Ziel ist es, in absehbarer Zeit den Umsatz zu verdoppeln.“

VON MARIAN MEIDEL

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