+
Liebt die Musik: Jean-Pierre Seufert zeigt nach dem Interview sein Talent. 

Interview mit Jean-Pierre Seufert

Der Mund als Rhythmus-Maschine: So klingt der amtierende Hessenmeister im Beatboxing

In der Filmreihe „Police Academy“ aus den 1980er Jahren ahmt Michael Winslow als Sergeant Larvell Jones die Klänge nach. Er ist bekannt als der „Mann, der 10.000 Soundeffekte“.

Offenbach – Auch der Offenbacher Jean-Pierre Seufert ahmt Geräusche nach – Schlagzeug, Trompete und andere Instrumente –, sodass am Ende ein Lied entsteht. Beatboxing nennt sich die Musik, die aus durch den Mund erzeugten Tönen besteht. Der 26-Jährige nimmt seit fünf Jahren an Wettbewerben teil und ist amtierender Hessenmeister.

Was ist das letzte Lied, das Sie gelernt haben?

Das letzte bekannte Lied, das ich im Radio gehört und dann gelernt habe, war von Alex Clare „Too close to love you“. Momentan übe ich eher meine eigenen Lieder. Ich komponiere Stücke, die meist aus einem kurzen, sich wiederholendem Text bestehen. Rhythmus und Melodie aber verändern sich.

Wann haben Sie mit dem Beatboxing angefangen?

Also, angefangen habe ich mit zwölf Jahren. Ich saß viel vor dem Computer und bin dann eher durch Zufall über das Beatboxing im Internet gestolpert. Ich dachte mir: „Das ist voll cool. Das kann doch gar nicht echt sein. Das müssen doch zwei, drei Leute machen!“

Wie sahen dann Ihre Anfänge aus?

Ich bin über eine Online- Beatboxschule gestolpert. Die ersten zwei, drei Jahre lernte ich darüber die Grundtechniken. Den Rest habe ich mir selbst beigebracht, indem ich mir Videos von anderen Beatboxern angeschaut habe. Man muss viel ausprobieren. In den mehr als zehn Jahren, in denen ich beatboxe, habe ich viele verschiedene Töne gelernt. Jedes neue Geräusch erweitert das, was man kann, und das Beatboxing wird immer komplexer.

Inzwischen ist Beatboxing ein fester Bestandteil Ihres Lebens?

Das zeichnet mich inzwischen auch aus: Ich höre eine Melodie und versuche sie automatisch nachzumachen. Am Anfang war es eine Beschäftigung, dann ein Hobby, und inzwischen ist es ein Lifestyle.

Lifestyle bedeutet was genau?

Ohne Beatboxing bin ich nicht ich. Sobald ich auch nur eine Minute Zeit habe, mache ich Musik. Wenn ich ein Lied höre, versuche ich, es nachzuahmen und füge dann meinen eigenen Rhythmus und meine eigene Melodie ein.

Wie groß ist die Beatbox-Szene in Deutschland?

Die Szene hier ist recht klein – dadurch aber sehr familiär. Aktiv sind vielleicht so zirka 100 Leute. Dazu kommt: Es gibt hierzulande nur wenig bekannte Beatboxer. Die Community in Asien wächst sehr stark zurzeit, in Amerika, wo der Ursprung liegt, gibt es die größte. Meine Kollegen und ich versuchen aber vieles, um das Beatboxing in Deutschland bekannter zu machen. Jeder kann das lernen.

Sie nehmen seit einigen Jahren an Wettbewerben teil. Wie kann man sich so eine Meisterschaft vorstellen?

Jeder, der bei einer Meisterschaft teilnehmen will – also eine Wildcard gewinnen will –, bewirbt sich mit einem Video. In dem zeigt man, was man kann. Die Wildcard-Gewinner haben dann auf der Wettbewerbsbühne zwei Minuten Zeit. Danach treten die besten Acht eins gegen eins an – im Wechsel beatboxen sie gegeneinander.

Woher kommt Ihr Ansporn an Meisterschaften teilzunehmen?

Mein Ziel ist es, mit der Musik, meinem Beatboxing, mich selbstständig zu machen. Ich will als Künstler auf der Bühne stehen und den Leuten, die Musik näher bringen. Es ist schön, wenn man einen festen, stabilen Job hat und diesen mag. Aber ich beatboxe sowieso jeden Tag, allein schon, weil es Spaß macht. Und damit Geld zu verdienen, wäre halt super.

Wie reagieren Ihre Familie auf Ihre Ambitionen, Ihre Freunde?

Also, meine Familie unterstützt mich darin. Meine Freunde – die kennen mich alle gar nicht anders. Sie sind manchmal aber schon ein bisschen genervt ... Wenn ich Fremden auf der Straße mal was zeige, sind die immer sehr erstaunt.

Was für Tipps haben Sie für jemanden, der mit dem Beatboxing anfangen will?

Wenn man anfängt, sollte man erst einmal die Grundtöne – also die Schlagzeuggeräusche – lernen. Dazu gehört zum Beispiel auch die richtige Atemtechnik, sprich bei welchem Ton atme ich aus, und bei welchem ein.

Das Interview führte Yvonne Fitzenberger.

Lesen Sie auch:

Parkplätze blockiert: Aggressiver Autofahrer zückt Metallstange

Ein Streit zwischen zwei Autofahrern in Offenbach eskaliert. Einer der Männer zückt eine Metallstange aus dem Kofferraum und bedroht plötzlich einen Mustang-Fahrer.

Eröffnung im Frankfurter Zoo: Neue Pinguin-Anlage erfreut Frackträcker

Als Neu-Frankfurter eine Wohnung in Frankfurt zu finden, ist nicht gerade einfach. 25 Humboldt-Pinguine haben in ihrer neuen Anlage in City-Lage, mit Infinity-Pool und immer frischen Fisch das große Los gezogen. Der Neubau war nicht ganz ohne Probleme.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare