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Gescheitert: Die von der Tansania-Koalition auf den Weg gebrachten Pfandringe werden wegen geringer Akzeptanz wohl wieder abgenommen.

Kaum genutzt

Pleite für Offenbach: Stadt scheitert mit cleverer Idee

Eine eigentlich gut gemeinte Idee der Stadt Offenbach rund um Pfandringe ist krachend gescheitert. Die Gründe dafür sind plausibel.

Offenbach – Rückblickend lässt sich der Versuch nur als krachend gescheitert bezeichnen: Um Pfandsammlern entwürdigendes Wühlen in Abfalleimern zu ersparen, hatte die Stadt im Herbst 2017 an ausgewählten Mülleimern und Laternenpfählen probeweise sogenannte Pfandringe angebracht, in denen Passanten ihr Leergut hinterlassen können.

Ursprung des Projekts ist ein Antrag der Tansania-Koalition. Nun ist die Testphase beendet und der Magistrat zieht eine ernüchternde Bilanz. „Die (...) erhoffte Unterstützung für die Pfandsammelnden ist nicht erfolgreich“, heißt es im Abschlussbericht.

Pfandringe in Offenbach kosten viel Geld

Für den Modellversuch brachten ESO-Mitarbeiter insgesamt 25 Pfandblumen auf der Frankfurter Straße zwischen Markt- und Aliceplatz an, zehn weitere auf der Jean-Weipert-Straße und der Hafeninsel sowie 15 Pfandringe auf dem Maindamm. 10.500 Euro kosteten Anschaffung und Installation, 14 .000 pro Jahr berappt die Stadt überdies für Leerung, Reinigung und Reparatur. Etwa neun mal pro Woche wurden die Pfandringe im Zuge der Papierkorbleerung kontrolliert und bei Bedarf gereinigt.

Dabei kristallisierte sich dem Magistrat zufolge wohl schon recht früh heraus, dass die Pfandringe nicht nur wenig, sondern so gut wie gar nicht genutzt wurden. So heißt es im Abschlussbericht: „Im Beobachtungszeitraum von einem Jahr wurden an nur zwei Tagen Pfandgebinde in den Ringen gesehen.“ Der Magistrat kann diese Tage sogar benennen. Am 22. September 2017 habe man im Hafenbereich eine Pfandflasche gesichtet, am 21. Oktober in der Fußgängerzone zwei Dosen.

Pfandsammler sind unbeeindruckt

Das könnte nun auch auf den Eifer der Pfandsammler schließen lassen, zöge die Stadt diesbezüglich nicht eine ganz andere Bilanz: „Die Pfandsammelnden zeigten sich nach unseren Beobachtungen völlig unbeeindruckt von den Pfandringen“, gesteht man sich ungeschönt die Niederlage ein. „Sie durchsuchen nach wie vor konsequent alle Papierkörbe.“ Das Ziel, genau das uninteressant und unnötig zu machen, blieb unerreicht.

Offenbar wussten aber nicht nur die Pfandsammler, sondern auch andere Passanten wenig mit den Sammelhalterungen anzufangen. So erklärt die Stadt, dass ihre Mitarbeiter regelmäßig Coffee-To-Go-Becher aus den Ringen entfernen mussten, während Pfandflaschen nach wie vor im Abfalleimer landeten. „Die Beobachtungen der Mitarbeiter der Papierkorbleerung zeigen, dass sich die ohnehin geringe Anzahl von Pfandflaschen in den Papierkörben nicht nennenswert verändert hat.“

Ernüchterndes Fazit der Stadt Offenbach 

Und schöner wird die Stadt dadurch auch nicht, auch wenn man im Rathaus diesbezüglich die erfreulichere Medaillenseite zu betonen versucht: Fehlnutzungen verbesserten zwar das Stadtbild nicht, aber „die in anderen Städten beobachteten zusätzlichen Verunreinigungen rund um die Pfandringe konnten in Offenbach nicht festgestellt werden.“

Angemessen ernüchternd liest sich das Fazit am Ende des Magistratsberichts: „Der Nutzen eines Pfandringsystems steht in keinem sinnvollen Verhältnis zu dessen finanziellem Aufwand.“ Das Verhalten der Pfandsammler ändere sich nicht. „Eine Fortführung der Maßnahme wird nicht empfohlen.“

Von Marian Meidel

Lesen Sie auch: Ringe für Leergut erleichtern das Pfandsammeln, berichtet op-online.de*. Außerdem: Pfandringe an Mülleimern fürs gute Gewissen* sowie Nächste Runde im Kino-Knatsch: Umgang wird ruppiger

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