+
Die Quelle des Ärgers: An zehn Häusern haben Anwohner Setzrisse entdeckt, so wie in dieser Garage.

Erster Annäherungsversuch

Stadt geht auf von Setzrissen geplagte Anwohner am Kaiserlei zu  

Immerhin: Im Streit um Setzrisse, Lärm und Erschütterungen wird mit den betroffenen Anwohnern am Kaiserlei gesprochen. Wie unsere Zeitung erfuhr, sind am 1. April alle Beteiligten zu einem Treffen zusammengekommen.

Offenbach – Am Tisch saßen neben Bewohnern und Vertretern der Stadt auch Mitarbeiter der CG-Gruppe, die auf dem Gelände der ehemaligen KWU-Hochhäuser den Vitopia-Kampus errichtet. „Dialog und Zusammenarbeit sind ein guter Ansatz“, findet Anwohner Frank Präder. „Es war ein freundliches Gespräch. Aber alle haben gesagt: Wir sind nicht verantwortlich. “.

An zehn Häusern in der Wolframstraße, der Willemerstraße und Auf der Reiswiese hatten Anwohner während der vergangenen Monate Setzrisse festgestellt. Als Ursache vermuten sie die vielen Großbaustellen in ihrer Nachbarschaft (Kaiserlei-Kreisel, Vitopia-Kampus, Axa-Gebäude, Goethequartier). Auch klagten sie über Erschütterungen während der Abbrucharbeiten und über ein nächtliches Brummen. Unsere Zeitung machte den Fall Anfang März öffentlich, zahlreiche andere Medien griffen das Thema daraufhin auf.

Kommt nun Bewegung in die Sache? Präder ist skeptisch: „Im Grunde stehen wir immer noch alleine da.“ Man wünsche sich, dass die Stadt an der Aufklärung über die Ursache der Schäden mitwirke.

Offenbar hat das Treffen zumindest ein bisschen was ins Rollen gebracht. Laut Stadtsprecherin Kerstin Holzheimer hat die Bauaufsicht alle Bauträger aufgefordert, ihre Lärmkonzeptionen vorzulegen – in denen ist festgehalten, welche Maschinen auf der Baustelle zum Einsatz kommen und welcher Lärm von ihnen zu erwarten ist. Die Bauaufsicht werde überprüfen, ob die Angaben auch eingehalten werden. Zusätzlich habe die CG-Gruppe versprochen, noch einmal eigene Lärmmessungen vorzunehmen. Till Diekmann, Leiter der Frankfurt-Niederlassung der Berliner Baufirma, war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Skeptisch ist die Stadt bei der Vermutung, der Boden unter den Wohnhäusern habe sich durch das Absenken von Grundwasser bewegt. Ein Gutachten habe ergeben, dass die Auswirkungen des Abpumpens nur im Umkreis von 25 Metern zu spüren seien, so Holzheimer. Die betroffenen Häuser seien also zu weit weg. Auf ihrer eigenen Baustelle am Kaiserleikreisel hat die Stadt mehrere Messpunkte eingerichtet, um Beeinträchtigungen des Untergrunds zu beobachten. „Wir haben keinerlei Veränderungen festgestellt“, so Holzheimer.

Größere Sorgen bereiten den Anwohnern die Erschütterungen. Seit einigen Wochen seien die wieder „erheblich“, berichtet Präder. Baudezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) hatte den Anwohnern nahegelegt, der Bauaufsicht die konkreten Zeitpunkte zu melden. Das hat Präder am Mittwoch getan, er sei jedoch ans Regierungspräsidium weiterverwiesen worden, erzählt er. Christoph Süß, Pressesprecher des RP Darmstadt, teilt wiederum auf Anfrage mit, das Regierungspräsidium kontrolliere lediglich die Geothermiebohrungen auf dem Vitopia-Gelände. „Bezüglich Bauvorhaben ist im Grundsatz die örtliche Untere Bauaufsicht für die Bauüberwachung zuständig.“

Die Stadt könne nur eingreifen, wenn gegen Gesetze verstoßen werde, betont Holzheimer. Alles andere müsse privatrechtlich geklärt werden. Das haben die Anwohner nun vor. Wie angekündigt, haben sie mittlerweile die „Interessengemeinschaft Bauschäden Kaiserlei“ gegründet. Aktuell lassen sie sich von Gutachtern und Anwälten beraten. Danach erwägen sie, Schadenersatzklagen zu erheben.

VON MANUEL SCHUBERT

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare