Projekt „Seerosengarten“

Luxuswohnungen am Hessenring - Reste vom städtischen Altenheim weichen millionenschwerem Bauprojekt

Dort wo einst das Offenbacher Armenhaus stand und lange das städtische Altenheim untergebracht war, entstehen Luxuswohnungen. 

Offenbach – Die Gänsefamilie am Weiher des ehemaligen städtischen Altenheims an der Ecke Hessenring/Buchhügelallee muss mit Baulärm leben. Wie auch der Reiher, der sich gerade majestätisch auf dem vor Passantenblicken gut geschützten Gewässer niederlässt. Dafür sind sie tägliche Zeugen des Wandels eines Gebäudes, das eigentlich schon dem Untergang geweiht war – und nun unter dem Projektnamen „Seerosengarten“ aus dem Dornröschenschlaf erwacht.

2015 erwarb der Würzburger Investor Erdogan Samiloglu, Chef der ErSa-Grundstücksgesellschaft, für 4,1 Millionen Euro die Immobilie samt dem dazugehörigen 16 000 Quadratmeter großen Grundstück von der Stadt, um hochwertige Eigentumswohnungen zu errichten.

Gebäude war einst das städtische Armenhaus

1877 als städtisches Armenhaus erbaut und nach 1900 um einen Seitenflügel erweitert, diente das fünfstöckige Gebäude nach dem Zweiten Weltkrieg als Alten- und Pflegeheim. Der stets nur notdürftig aktuellen Vorgaben angepasste Komplex hatte 2004 nach der Fertigstellung des daneben gelegenen neuen Seniorenzentrums weitestgehend ausgedient, zwei Frankfurter Altenheimbetreiber nutzten ihn noch als Übergangs-Dependance. 

Ab 2013 stand er leer und stellte die Stadt vor Probleme, denn eine Eigennutzung kam wegen zu hoher Sanierungskosten nicht in Frage. Ein Abriss schien dem Liegenschaftsamt als wahrscheinlichste Lösung, zumal das Objekt nicht unter Denkmalschutz steht. Grund dafür sind massive bauliche Eingriffe in den 1960er-Jahren. Ein Schutz besteht lediglich für die Grünanlage mit Teich.

Samiloglu war einer von 20 Kaufinteressenten. Und der einzige, der das Gebäude erhalten wollte. „Als ich es gesehen habe, wusste ich, so etwas darf man nicht abreißen, das hat Potenzial“, sagt der auf Altbausanierung spezialisierte Investor. „Die Bausubstanz war ordentlich, die Umgebung ist wunderschön, eine Oase mitten in der Stadt.“

Millionenprojekt: Es entstehen 85 Wohnungen

20 Millionen Euro steckt er in das Projekt, das neben der Sanierung des Altbaus einen Neubau beinhaltet. Insgesamt entstehen 85 Wohnungen – im Altbau reicht die Bandbreite von der Einzimmerwohnung mit 20 Quadratmetern bis zum Loft mit 200 Quadratmetern, der Neubau verfügt über 28 Zwei- und Dreizimmerwohnungen mit 70 bis 120 Quadratmetern. Dazu kommt eine Tiefgarage mit 36 Stellplätzen.

Ein Jahr musste er auf die Baugenehmigung warten, danach zog sich die Entkernung hin. Drei Treppenhäuser wurden abgerissen und in den Norden verlegt, um den künftigen Bewohnern den Blick nach Süden in den Garten zu ermöglichen. Der lange Flur in der Mitte, der an die Zeiten als Heim erinnerte, wurde komplett zurückgebaut. Die Balkonbrüstungen aus Beton werden durch leichte Stahlkonstruktionen ersetzt. Mittlerweile sind die Arbeiten am Rohbau fast abgeschlossen. Samiloglu ist zuversichtlich, zum Jahresende die ersten Wohnungen übergeben zu können. Gut 80 Prozent sind bereits verkauft.

Trotz fehlendem Denkmalstatus hat das Gebäude architektonische Merkmale, bei denen es dem Altbauspezialisten ein Anliegen ist, sie zu erhalten. Etwa die bis zu einen Meter dicken Wände aus rotem Backstein, im Inneren die Rundbögen aus Klinkersteinen, an der Fassade Ornamente. „Wir haben historische Bilder herangezogen, um den ursprünglichen äußeren Zustand wiederherzustellen“, berichtet Samiloglu. Am auffälligsten: Die Rückkehr des Mansardendachs, das in den 60er-Jahren durch ein Flachdach ersetzt wurde.

Aufstockung sorgt für Sorge bei den Nachbarn

Diese „Aufstockung“ missfällt einer Nachbarin, die sich am Redaktionstelefon beschwert. Der Bauherr beschwichtigt: „Die Höhe ändert sich durch das Dach nur minimal, zudem muss ich mich an den städtischen Bebauungsplan halten.“ Die Anpassung an die nachbarschaftliche Bebauung sei maßgeblich, heißt es dort.

Für die künftige Gartennutzung hat der studierte Germanist, der auch als bildender Künstler tätig ist und Acrylbilder malt, eine Idee: „Ein Skulpturenpark wäre schön. Wenn die Behörden mitmachen...“

VON VERONIKA SCHADE

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