+
104 Wohnungen sind laut Entwurf für die Mehrgenerationenanlage des Mainzer Büros KAP vorgesehen. 

Carl-Ulrich-Siedlung

104 Wohnungen geplant - aber nichts passiert 

Große Flächen für Wohnungsbau gibt es in der Stadt kaum noch, mit Bieber-Nord wird aktuell eine der letzten bebaut. Umso mehr richtet sich der Blick auf kleinere Grundstücke. Etwa auf ein 7 200-Quadratmeter-Areal in der Carl-Ulrich-Siedlung. 

Offenbach – Dort, wo bis Anfang 2016 die evangelische Matthäusgemeinde ihr Gemeindezentrum hatte, sollten eigentlich schon die Bagger rollen und eine Mehrgenerationenanlage entstehen – doch seit Abriss des Zentrums ist es still geworden um das Projekt.

Anfang vergangenen Jahres wurde bekannt, dass der Grundstückseigentümer, die Zentrale Pfarreivermögensverwaltung in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), das Grundstück an der Ostpreußenstraße an das Mainzer Büro KAP Architektur Development in Erbpacht übergab. Eine Auflage zur Überlassung in Erbpacht war, dass dort Wohnbebauung errichtet und betrieben werden sollte.

Offenbach: Anlagen mit 104 Wohnungen geplant - Doch keine Baugenehmigung

Das von KAP vorgelegte Konzept sieht neben einigen Reihenhäusern vor allem eine große Anlage mit 104 Wohnungen vor. 58 davon sollen als „betreutes Wohnen“ mit Tagespflege realisiert werden. Dazu kommen 46 weitere Wohnungen, die vom Ein-Zimmer-Appartement bis zur 5-Zimmer-Wohnung reichen, erläutert Stephan Krebs von der Öffentlichkeitsarbeit der EKHN auf Nachfrage. Etwa 220 Personen sollen in der als Mehrgenerationenanlage vorgesehenen Bebauung einmal wohnen. Da die Parksituation in der Carl-Ulrich-Siedlung ohnehin angespannt ist, sehen die Entwürfe eine Tiefgarage mit 45 Stellplätzen vor.

Allerdings ist derzeit weder von der dafür nötigen Baugrube noch von weiteren Arbeiten etwas zu sehen. Das Gelände vermüllt nach und nach, Betonreste der ehemaligen Bebauung sind von Pflanzen überwuchert. „Die Pläne sind seit eineinhalb Jahren fertig“, sagt Krebs, „die Stadt Offenbach hat bislang jedoch noch keine Baugenehmigung erteilt.“ Bei der Kirchenverwaltung in Darmstadt zeigt man sich verwundert über die lange Bearbeitungszeit.

Offenbach: Planung für Projekt musste überarbeitet werden

Die Stadt betont, dass sich „die Genehmigungsbehörden in den finalen Zügen der planungsrechtlichen Prüfung“ befänden. Die ursprünglich eingereichte Planung sei nicht genehmigungsfähig gewesen und habe überarbeitet werden müssen. Auch Gerold Flohr von der Geschäftsleitung von KAP schreibt, dass man sich „in finalen Abstimmungsprozessen“ befände. 

An die ehemalige evangelische Matthäusgemeinde erinnert in der Carl-Ulrich-Siedlung nur noch der Schaukasten.

Das spezielle Nutzungskonzept der Mehrgenerationenanlage sei anspruchsvoller als herkömmliche Bauvorhaben und benötige daher eine intensive Abstimmung der Behörden. Die einst vorgestellte Anzahl an Wohnungen sei aber immer noch aktuell. Worin nun die Veränderung zur Ursprungsplanung besteht, teilt KAP jedoch nicht mit.

Wohnungen und Mehrgenerationenanlage in Offenbach - Bauvorhaben dauern länger

Informierte Kreise wissen aber von Problemen mit der geplanten Bauhöhe zu berichten. Außerdem habe die Stadt ursprünglich reine Reihenhausbebauung favorisiert. Das hatte schon 2016 die Landeskirche auf Nachfrage nach der Zukunft des Geländes mitgeteilt. Ein eigener Bebauungsplan für das Vorhaben in dem Gebiet sei nicht notwendig, heißt es aus der Stadtverwaltung. Es bestehe die grundsätzliche Genehmigungsfähigkeit nach Paragraf 34 des Baugesetzbuches, sofern sich das Projekt in die bestehende Bebauung einfüge.

Dass Bauvorhaben auf dieser Fläche länger dauern, scheint jedoch Tradition zu haben: 1958 war die Matthäusgemeinde als Zweigstelle der Lukasgemeinde in Tempelsee gegründet worden, die ersten Gottesdienste mussten noch in einer Baracke der Gartenarbeitsschule gefeiert werden. Erst ab 1962 änderte sich die Situation, als ein Gemeindezentrum samt Wohnungen auf dem Grundstück an der Ostpreußenstraße gebaut wurde. Ein Großteil des Gartens blieb Freifläche, dort sollte später die Kirche errichtet werden. Dazu kam es aber nicht: Durch den steten Rückgang der Protestanten in Offenbach wurden die Pläne verworfen, 2016 fusionierte man zur „Evangelischen Lukas- und Matthäusgemeinde“.

VON FRANK SOMMER

Zehn Jahre lang war die Modekette New Yorker im KOMM in Offenbach vertreten. Dann verlängerte sie ihren Mietvertrag nicht. Jetzt gibt es das Comeback. 

Bei der Stadtentwicklung von Offenbach geht es Schlag auf Schlag: Gerade hat die Stadt den Erwerb des Clariant-Geländes verkündet, schon steht das Areal des ehemaligen Güterbahnhofs im Fokus.

Aus dem Polizeiladen in Offenbach soll Rathauskantine und Restaurant werden. Auch eine weitere Gaststätte ist dort in Planung. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare