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Diplom-Braumeister Reimo Peters will sich mit einer Brauerei in Offenbach ansiedeln. Bislang ist er noch sogenannter „Kuckucksbrauer“ bei einem Bierhersteller in der Nähe von Bamberg.

Brauerei in Offenbach

Gibt’s bald Bier aus Offenbach?

Bier wird in Offenbach schon seit geraumer Zeit nicht mehr gebraut. Daran wollen junge Unternehmer nun etwas ändern: Gleich zwei Nachwuchs-Biermacher haben die Absicht, in der Stadt eigene Brauereien aufzumachen.

  • Bald soll es Bier aus Offenbach geben
  • Nachwuchs-Brauer wollen Brauereien eröffnen
  • Bier-Kreationen bereits auf dem Markt

Offenbach – Das Bierbrauen hat in Offenbach eine lange Geschichte – aber keinen Platz in der Gegenwart. Rund 30 „Ausschankbrauereien“ gab es hier im 18. Jahrhundert: Wirte, die das Bier, das sie ausschenkten, nicht wie heute üblich aus Großbetrieben bezogen, sondern es selbst in eigenen Pfannen und Kesseln herstellten. Die älteste bekannte Ausschankbrauerei stand an der Ecke Schlossstraße/Borngasse (Letztgenannte ist heute unter der Berliner Straße verschwunden). Sie trug den Namen „Weißer Stern“ und wird erstmals 1595 erwähnt.

Offenbach: Früher hatte die Stadt eine florierende Braukultur

Bis ins 19. Jahrhundert florierte in Offenbach die Braukultur, bevor schließlich importiertes Bier von Großbrauereien den hiesigen Herstellern den Rang ablief. Heute existiert kein Bier „Made in Offenbach“ mehr. Das könnte sich künftig ändern, denn gleich zwei Jungbrauer beabsichtigen, hier Brauereien in Betrieb zu nehmen.

Einer von ihnen ist Reimo Peters. Er ist gerade mal 30 Jahre alt, hat aber bereits 15 Jahre Brauerfahrung. Peters hat als Schüler bereits mit Hopfen und Malz experimentiert, später bei der norddeutschen Großbrauerei Jever gelernt, sich danach unter anderem bei einer niederländischen Brauerei seine Sporen verdient und gar schon als Braumeister auf einem Kreuzfahrtschiff gearbeitet.

Bier aus Offenbach? Remo Peters hat schon zwei Biere kreiert

Seit September vergangenen Jahres wohnt er in Offenbach. Zwei erste Bierkreationen – das hopfige Pils „Herr Peters“ und das blumige Lagerbier „Fall in Love“ vertreibt er bereits unter dem Namen „Reimos Brauwerk“ im Edeka Richter an der Seligenstädter Straße.

Aktuell lässt Peters als „Kuckucksbrauer“ das Bier noch nach seiner Rezeptur bei einem kleinen Betrieb in der Nähe von Bamberg herstellen. Bald möchte er die Produktion aber gerne nach Offenbach verlegen. „Die Wasserqualität passt für mich“, sagt er, „es ist nicht zu hart, hat nicht zu viel Kalk.“ Geeignete Räumlichkeiten hat er noch nicht gefunden. „Aber der Businessplan ist fertig.“

Offenbach: Geplant ist zunächst eine Mini-Brauerei und kleine Chargen Bier

Eilig hat es der 30-Jährige nicht. „Jetzt sind meine Hauptaufgaben erst einmal Marketing und Vertrieb – um ein festes Absatzniveau zu schaffen“, erklärt er. Das sei eine wichtige Grundlage dafür, dass sich die Einrichtung einer eigenen Brauerei dann auch lohne.

Aktuell produziert er noch eher geringe Mengen. „Es sind Chargengrößen von 1500 Litern pro Sud. Das klingt nach einer ganzen Menge, aber es ist – verglichen mit den industriellen Maßstäben – verhältnismäßig wenig.“ In der Lehrbrauerei, in der er gelernt hat, werden pro Charge beispielsweise 93 000 Liter Bier hergestellt. „Außerdem machen die mehrere Sude am Tag, das ist natürlich ein ganz anderes Niveau.“

Wenn das Absatzniveau passt, will Peters am liebsten zunächst in einer leer stehenden Bäckerei oder Metzgerei  in Offenbach eine Mini-Brauerei einrichten, aber auch weiterhin „kuckucksbrauen“. „Und wenn dann der Absatz weiter stabil ist, dann wäre die große eigene Brauerei angedacht.“

Bier aus Offenbach? Auch Josip Budimir will Bier in Offenbach produzieren

Reimo Peters ist nicht der einzige, der gerne in Offenbach Bier brauen möchte. Auch Josip Budimir, Braumeister der Pilsmarke „Verboten gut“, träumt von einer eigenen Produktion auf Offenbacher Gemarkung.

Wie berichtet, trug sein Pils ursprünglich sogar den Namen „Offenbacher Bier“* – bis er eine Unterlassungserklärung von der Wettbewerbszentrale bekam, da sein Bier außerhalb der Stadtgrenzen hergestellt wird. Sollte er geeignete Räume für seine Brauerei finden, will Budimir den Namen wieder zurück zum Original ändern.

Offenbach: Der Weg zur eigenen Brauerei ist lang – Aber Budimir gibt nicht auf

Aber der Weg dorthin ist steinig. Schon seit 2018 ist Budimir auf der Suche. „Ich habe ein Konzept erarbeitet und auch schon einige interessante Objekte besichtigt, aber es ist schwierig.“ Schließlich redeten immer auch Bau- und Veterinäramt mit. 

Auch seine Idee, mit dem Klerus zu kooperieren, trug bislang keine Früchte. „Ich habe alle Kirchen in Offenbach abtelefoniert, und der eine oder andere Pfarrer kannte mein Bier auch.“ Nur die passenden Räume habe ihm keiner von ihnen zur Verfügung stellen können. „Ich habe mir eine Sache in der Innenstadt angeschaut, aber die war viel zu klein.“ Aber Budimir gibt nicht auf. Er habe ein paar Ideen, die seien allerdings noch nicht spruchreif. Auf ein echtes „Offenbacher Bier“ wird man wohl noch warten müssen.

VON MARIAN MEIDEL

Die großen Brauereien erhöhen derweil die Preise für ihr Fassbier. Der Zuschlag trifft auch Marken wie Binding aus Frankfurt. Erstmal wird nur das Zapfen teurer, wahrscheinlich ist aber, dass die Wirte die Mehrkosten an ihre Gäste weitergeben. 

*op-online.de ist Teil der Ippen-Digital-Zentralredaktion.

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