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Vorbildlich: An der Bahnüberführung Bismarck- / Luisenstraße gibt es eine Bedarfsampel allein für Radfahrer. Ob diese neue Einrichtung in die Beurteilung der Nutzer eingeflossen ist, bleibt offen – vieles andere auch.

Fahrradklima-Test

Fahrradstadt? So schneidet Offenbach im Vergleich ab

Wie gut ist Offenbach für Radfahrer geeignet? So gut schneidet die Stadt im Vergleich ab.

Offenbach – Fahrradstadt Offenbach? Zumindest scheint man auf einem guten (Rad-)Weg. Die Stadt erreicht beim aktuellen ADFC-Fahrradklima-Test Platz eins in der Kategorie „Aufholer“ in Städten 100. 000 bis 200. 000 Einwohner.

Dafür gab’s von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und ADFC eine Auszeichnung. Am Ende reicht es in der Gesamtbilanz für Rang sechs unter den um Verbesserungen bemühten Kommunen, Anlass für stadtpolitischen Jubel? Ein zweiter Blick in die Auswertung lohnt.

Fahrradklima-Test: Ein Blick auf die Studie

Für eine Einordnung ist zunächst bedeutsam, wie viele Städte in der entsprechenden Größe überhaupt teilgenommen haben. Es sind 41. Von Bremerhaven bis Reutlingen, von Recklinghausen bis Cottbus. Aber auch ein Blick auf die Zahl der Befragten lohnt sich, relativiert sich doch so möglicherweise das Endergebnis. In Offenbach haben die „Klima-Tester“ 224 Interviews als Grundlage für ihre Analyse. In Oldenburg sind es 1318 (Spitzenwert in dieser Kategorie), in Regensburg 1247, in Potsdam 1229, in Darmstadt 921. Der Blick nach unten findet Salzgitter mit 99 und Remscheid mit 78 Befragten.

Jetzt zu der eigentlichen Beurteilung. In einer Mitteilung lobt die Grünen-Stadtverordnete Sybille Schumann die kommunalen Anstrengungen für den Radverkehr: „Die Offenbacher Befragten würdigen das Engagement für eine fahrradfreundlichere Stadt.“ Ihr Beleg dafür ist die Note 2,9 für die „Fahrradförderung in jüngster Zeit“ – das sei ein Bestwert. Das belegen die (Schul-) Noten der Befragten: Allein 13 % gaben eine Eins und 36 % eine Zwei).

Hier liegt Offenbach nur knapp hinter den Spitzenplätzen

Bei der „Infrastruktur Radverkehrsnetz“ liegt Offenbach mit Note 2,6 nur knapp hinter den Spitzenplätzen. Die dafür „sichtbarste und ausschlaggebendste“ Maßnahme sei die Fahrradstraßen-Teststrecke in der Senefelderstraße. Der weitere Ausbau zu einem internen Netz mit Verbindungen in Nachbarkommunen folgt bis 2021.

Daneben tut sich auch an vielen anderen Stellen schon länger spürbar etwas für den Radverkehr, findet die Grüne Schumann. Unter anderem wurden Einbahnstraßen für Radler in Gegenrichtung geöffnet (34 % Note 1, 39 % Note 2), Wegemarkierungen und Ampeln eingeführt sowie Beschilderungen verbessert (17 % Note 1, 33 % Note 2). Besonders die Beschilderung – 2014 für gut 300 000 Euro beschlossen – werde „immer wieder gelobt“.

Fahrradklima in Noten: Seit 2012 gibt’s eine kontinuierliche Verbesserung.

Weniger positiv schätzen allerdings die befragten Offenbacher das ein, worauf es eigentlich ankommen sollte. So die ausgewiesenen Velo-Pisten an sich. Das zeigt sich beim Punkt: „Bei uns sind Radwege und Radfahrstreifen so angelegt, dass auch junge und ältere Menschen sicher Rad fahren können.“ 14 % der Interviewten geben hier ihrer Heimatstadt eine glatte 6, 28 % eine 5. Also: mangelhaft bis ungenügend. Ganz ähnlich wird beurteilt, ob man auf der Fahrbahn zusammen mit Autos „zügig und sicher“ vorankommt: 20 % beurteilen das von ADFC immer wieder gepriesene „Fair geht vor“ mit einer 6, 26 % mit einer kaum besseren 5.

Fahrradklima-Test: Katastrophales Ergebnis für Offenbach 

Ähnlich katastrophal fällt das Ergebnis bei der Frage aus, ob die Wege für Radfahrer angenehm glatt und eben sind. 21 % bewerten das mit einer Sechs, 27 % mit einer 5.

Dass dabei auch rein subjektive Wahrnehmungen und Bewertungen eine Rolle spielen, zeigt sich jüngst im Stadtteil Bürgel. Da beklagten die Anwesenden gegenüber Stadtrat Paul-Gerhard Weiß die „schlimme Holperstrecke“ über Wurzelwerk auf dem Mainradweg (Teil der D-Route 5 Saar-Mosel-Main): Gemeint ist der Abschnitt an der Rohrbrücke (ehemalige Anlegestelle für Tankschiffe). Zumindest für diesen Teil hat das hauptamtliche Magistrats-Mitglied, das den Radweg selbst als „vergleichsweise komfortabel“ erachtet, Abhilfe versprochen: „Wir schauen uns das an, wenn wir im Sommer die Von-Behring-Straße als Fahrradstraße umwidmen.“

Das ADFC-Ranking selbst kann mithin als Ansporn und Bestätigung gesehen werden. „Es zeigt, dass wir uns auf einen guten Weg gemacht haben, der nun stringent weiter zu beschreiten ist. Wir haben als flache, kompakte Stadt wirklich enormes Potenzial. Unser Ziel ist es, diese Chance zu nutzen, um eine wirklich fahrradfreundliche Kommune zu werden und dabei auch den Klimaschutz, die Luftqualität und die geänderten Mobilitätsbedürfnisse weiter voranzubringen,“ fasst Schumann für die Grünen zusammen. Darauf lässt sich zumindest aufbauen.

VON MARTIN KUHN

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