+
In Offenbach-Bürgel rechnet die Kelterei Lühn mit einer geringeren Ernte als im Jahr 2018. Hat das Folgen für Apfelwein-Freunde?

Produktion

Kelterei Lühn rechnet mit weniger Ernte - Hat das Folgen für Apfelwein-Freunde?

In Offenbach-Bürgel rechnet die Kelterei Lühn mit einer geringeren Ernte als im Jahr 2018. Hat das Folgen für Apfelwein-Freunde?

Offenbach - Denn mittlerweile heißt es: „Jeder Apfel zählt. “ Das sagen jedenfalls die Mitglieder des Apfelweinverbandes, der alle Streuobstwiesenbesitzer aufruft, ihre Äpfel von den Bäumen zu holen und in die Keltereien zu bringen. Das dürfte Alexander Lühn glatt unterschreiben. Denn dem Bürgeler Kelterer mangelt’s aktuell an einer ausreichenden Obstmenge für Süßen und Apfelwein.

„Auch wenn unsere Keltereien mit einer geringeren Apfelernte rechnen als im Vorjahr, müssen die Hessen keine Angst vor Engpässen beim diesjährigen Süßen oder gar ihrem Nationalgetränk, dem Apfelwein, haben“, betont Martin Heil, Vorsitzender des Verbands der Hessischen Apfelwein- und Fruchtsaft-Keltereien. Weiter heißt es in einer Mitteilung: „Wir werden mit der Ernte zwar unter dem Vorjahr liegen, dafür ist die Qualität der Äpfel sehr gut.“

Ortstermin in Bürgels Hanauer Straße 59: „Darf ich mal den Süßen probieren?“, fragt die Kundin, während Apfelmühle und Mostpresse ihre Arbeit verrichten. Alexander Lühn deutet auf einen großen Zapfhahn, der über einer selbst gebauten Theke hängt und reicht der Dame ein 0,3-Liter-Geripptes. „Aber Vorsicht, da ist Druck drauf.“ Und schon fließt der frisch gepresste, rötlich-braune Saft ins Glas. „Hmmm, absolut lecker!“ Sie nimmt einen kleinen Kanister. Drei Liter. Bekanntlich ist der Süße ja nur ein paar Tage haltbar. Derweil bringen Kunden Äpfel vorbei – viele in Säcken, manche in Holzsteigen. Aber bei weitem nicht in der Menge wie beispielsweise im vergangenen, sehr ertragreichen Apfel-Jahr.

Offenbach: Äpfel-Anlieferer klagen über Rückgang

Alexander Lühn sagt: „Viele Äpfel-Anlieferer klagen über die sehr, sehr geringen Mengen am eigenen Baum. Viele haben schon gesagt: Das war’s für dieses Jahr! Hier und da gibt es wohl auch Ausnahmen, aber im Großen und Ganzen ist es eher überschaubar.“ Demnach hat die lang anhaltende Trockenheit ihre Spuren hinterlassen. Einige, die regelmäßig Äpfel vorbeibringen, berichten dem Bürgeler, dass die hiesigen Äpfel schon sehr früh und in großer Zahl am Baum verfault sind. 

Das kann Alexander Lühn bestätigen, dessen Haus in Nähe des Kuhmühlgrabens als „außenliegend“ bezeichnet werden darf: „Leider musste ich das auch bei den eigenen Äpfeln feststellen. Die Äpfel hatten schon im frühen Stadium braune Stellen – Sonnenbrand. Folge davon war, dass diese Stellen dann angefangen haben zu faulen.“

Bürgeler Kelterei Lühn nimmt auch kleinere Mengen an Äpfeln an

Da Äpfel in diesem Jahr zu einem eher raren Gut geworden sind, nimmt die Bürgeler Kelterei gern auch kleine Mengen an. Lühn bringt es auf die einfache Formel: „Es ist schade um jeden Apfel, der weggeschmissen wird.“ Außerdem ist bei Spaziergängen in den Feldern zu beobachten, dass die Streuobstbäume mit ihren Äpfeln oder Birnen sich selbst überlassen bleiben. 

Heißt: Die Äste hängen voll, aber keiner erntet sie ab. Oder aber, das betrifft vor allem nicht eingezäunte Grundstücke, Spaziergänger greifen selbst zu für den Eigenbedarf. Und in der Summe lohnt sich für die Eigentümer dann die Ernte nicht mehr. „Das ist bedauerlich“, findet der Kelterer.

Wenn es schon um die Quantität nicht gut gestellt ist, bleibt die Frage: Wie ist es um die Qualität bestellt? Da erwischt man den Bürgeler nicht auf dem falschen Fuß, muss sich allerdings auf seine sensorischen Fertigkeiten verlassen: „Ehrlich gesagt, habe ich noch gar nicht den Zuckergehalt gemessen. Ich weiß aber, dass der Süße wieder sehr lecker ist. Der frisch Gepresste schmeckt wunderbar süß mit einer leichten Säure – eigentlich nicht verwunderlich bei den vielen Sonnenstunden dieses Jahr!“

Kelterei Lühn: Das Hauptaugenmerk liegt auf Apfelwein

Trotz der geringen Apfelmengen müssen die (Stamm-) Kunden also nicht dürsten. „Den frischen Süßen wird es auch weiterhin jeden Samstag bei mir zu kaufen geben“, verspricht Alexander Lühn. Eingeschränkt werden eventuell aber der Verkauf aus der Kühlung oder die Saft-Abfüllung in Bag-in-Box-Weinschläuche, die durch ein spezielles Verfahren haltbar gemacht werden. Denn das Hauptaugenmerk liegt auf Ebbelwoi. Heißt: Die Fässer müssen voll werden. Es ist stärkt nicht die Kundenbindung, wenn plötzlich der Vorrat leer ist und man als Kunde notgedrungen nach Alternativen Ausschau halten muss. Denn das käme dem einen oder anderen Schobbepetzer sicher gar nicht gelegen...

Weitere Infos auf kelterei-luehn.de

Von Martin Kuhn

Apfelwein als "Herzensangelegenheit": Regionaltrend funktioniert.

Apfelwein - ein glücklicher Zufall*.

*op-online.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare