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Laute Motoren: Zurzeit brummen Pumpen und Sandstrahler  auf dem Deck der Hochseilfähre zwischen Rumpenheim und Maintal. Handwerker reparieren bis einschließlich Donnerstag den Kraftstofftank des Schiffs, das am Maintaler Ufer angelegt hat.

Arbeiten an Lösung

Probleme bei der Rumpenheimer Fähre - so geht es jetzt weiter

Die Fähre zwischen Rumpenheim und Maintal steht derzeit still. Technische Probleme verhindern den Fährbetrieb. Doch es gibt eine Lösung, wie dieser wieder aufgenommen werden soll.

Offenbach/Maintal - „Da wollten wir heute mal mit der Fähre nach Offenbach. . . “ Enttäuscht steht er mit seiner Familie vor der geschlossenen Schranke am Maintaler Mainufer. Das Trio wollte sonniges Ferienwetter nutzen und mit dem Fahrrad über den Fluss nach Rumpenheim gelangen. Das dazu notwendige Transportmittel ist aber zurzeit am Ufer nahe der Frankfurter Landstraße vertäut.

„Vergangenen Mittwoch, gegen Feierabend, fiel auf einmal der Motor aus“, berichtet Udo Dill. Er und sein Bruder Winfred leiten den nach dem kürzlich verstorbenen Vater Hans benannten Fährbetrieb. „Wir dachten zuerst, wir hatten beim Austauschen des Motors vor Kurzem etwas falsch angeschlossen“, berichtet der 62-Jährige weiter und schaut auf das blau angestrichene Wasserfahrzeug. Als auch der Ersatzmotor ausfiel, sei ihm klar gewesen: Es fließt kein Treibstoff zum Motor.

Rumpenheimer Fähre steht still: Immer wieder müssen Autofahrer wenden

Dank provisorischer Ersatzteile ist das Schiff die wenigen Tage bis zum Beginn der Osterferien, gefahren. Dann, rechnete sich Dill aus, gibt’s weniger Berufsverkehr. „Aber das Wetter ist so gut, da sind tagsüber viele Leute unterwegs“, seufzt er. Hinter ihm wendet auch schon der nächste überraschte Fahrer sein Auto, als er den gesperrten Weg sieht.

Das fast 70 Jahre alte Gefährt erwarb Hans Dill in den 1970er Jahren. Vorher hatte es im Regelbetrieb die Mosel überquert. Die Moselfähre ersetzte das Schiff, das Dill in den 60er Jahren samt dem Betrieb übernommen hatte. „Mein Vater war Berufsmusiker und half Franz Arnold, dem damaligen Pächter, immer mal aus“, erinnert sich Udo Dill daran, wie sein Vater zum Fährmann wurde. Nach dem Tod Arnolds erwarb Hans Dill den Betrieb, der damals im Besitz der Stadt war.

Sieben bis acht Mal pro Stunde wechselt die Fähre die Uferseite

Seitdem ermöglicht die Familie Dill in zweiter Generation Fußgängern, Fahrrad- und Autofahrern, den Main zwischen Rumpenheim und Maintal zu überqueren. Sieben bis acht Mal pro Stunde wechselt die Fähre die Uferseite, geführt an einem in luftiger Höhe zwischen Masten gespannten Stahlseil. Deswegen muss nur der Fährmann nautische Kenntnisse besitzen. „Der Fährjunge nicht“, sagt Dill. Das erspart zumindest eine personelle Sorge.

Udo Dill (links) ist nach dem Betriebswirtschaftslehre-Studium in den 80er-Jahren in das Familienunternehmen eingestiegen

Nachfolger gibt es so gut wie keine. Die langen Schichten, die Arbeit im Freien auch bei schlechtem Wetter und am Wochenende machen den Beruf unattraktiv. „Die Leute müssen auch zuverlässig sein“, betont Dill. Denn erschiene ein Fährmann nicht, bräche durch die enge personelle Besetzung das Tagesgeschäft zusammen. Umso einfacher sei es, mit der Familie den Arbeitsalltag zu bewältigen. „Für mich ist es schon normal, die ganze Woche zu arbeiten.“

Wie sieht die Zukunft der Fähre aus?

Die Söhne der Brüder Dill haben andere Pläne: Abitur und Studium scheinen attraktiver, als auf der Fähre zu schaffen. Wie sehen dann die Zukunftsaussichten aus? „Unsicher, wir verkaufen den Betrieb eventuell, wenn wir in Rente gehen.“ Vorausgesetzt, es rentiert sich für einen Käufer wirtschaftlich – und die Fähre ist noch intakt.

Derzeit liegt das Schiff an. Auf der Ladefläche wird ebenso fleißig gearbeitet wie im Tank unter Deck. „Die Handwerker schleifen mit einem Sandstrahl das Innere ab“, erläutert Dill mit lauter Stimme, um das Brummen der Geräte zu übertönen. Danach werde eine Kunststoffschicht aufgetragen, „damit der Diesel und das Wasser den Tank nicht wieder angreifen“. Zur gleichen Zeit nutzen die Fährmänner die Gelegenheit, um etwa das Kassenhaus zu streichen. Ungewollte Betriebspausen werden so gut es geht für Reparaturen und Wartungen genutzt.

Fähre erhält keine städtische Unterstützung 

Denn: „An jedem Tag, an dem wir nicht fahren, machen wir Verluste“, sagt Dill. Der Betrieb erhält – im Gegensatz zum Mühlheimer Pendant – keine städtische Unterstützung. Er erwirtschaftet daher alle finanziellen Mittel für die Instandhaltung der Fähre selbst. „Wir müssen 15 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche fahren“, sagt der 62-Jährige. Nur so kann der Familienbetrieb überleben. Dill wünsche sich im Hinblick auf Fördermittel eine gleichberechtigte Unterstützung.

„Ab Karfreitag kann wieder jeder mit uns fahren“, muntert Dill die Familie auf den Drahteseln auf. Auf der Offenbacher Mainseite fährt es sich halt viel schöner Rad.

VON YVONNE FITZENBERGER

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