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Nicht alltäglicher Blick: Einer ausgewählten Gruppe gewährt die Stadt Zugang zum nördlichen, üblicherweise gesperrten Teil des Naturschutzgebietes. Da wurden eifrig die Smartphones und Fotoapparate gezückt.

Ein algentrübes Gewässer

Problemsee: Zwei heiße Sommer machen dem Schultheisweiher zu schaffen

Der Schultheisweiher in Offenbach ist ein Problemsee: Zwei heiße Sommer machen ihm zu schaffen.

Offenbach – Der Schultheis ist ein Problemsee. Oder etwas wohlwollender formuliert: Das Gewässer stellt die Protagonisten vor immer neue Herausforderungen. Da war zunächst eine Blaualgenplage, es folgte ein massenhaftes Fisch- und Pflanzensterben*, im vergangenen Jahr sorgten Rote Amerikanische Sumpfkrebse für Schlagzeilen. Jetzt verlangen die beiden trockenen Sommer eine neue Herangehensweise: Diesmal soll der Weiher dank einer Phosphat-Eliminations-Anlage* gesunden.

Vor einem Grundsatzbeschluss in der gestrigen Parlamentssitzung kommen Mitglieder der Fraktionen, von Naturschutzbeirat, Angelsportvereinen und verschiedener Kommissionen am ehemaligen Baggersee zusammen. Sie wollen sich an Ort und Stelle ein Bild machen und sich den neuen technischen Weg zu einer möglichen Gesundung erklären lassen.

Probleme in Offenbach beim Schultheis-Weiher: Phosphat-Elimination ist nicht billig

Als zuständiger Dezernent stimmt Paul-Gerhard Weiß die gut 30 Teilnehmer ein: In der Diskussion um den Schultheis sei zwar ein gewisser Ermüdungsprozess zu beobachten, der sei allerdings unberechtigt, wirbt er für die neue Maßnahme.

Dabei stellt er wie die Experten in Anschluss heraus, dass sich die (klimatischen) Vorzeichen seit 2017 dramatisch geändert haben. Für ihn die entscheidende Frage: Was ist zu tun, um den See wieder in ein ökologisches Gleichgewicht zu bringen? Zu der angedachten Phosphat-Elimination sagt er: „Die ist nicht billig, trifft aber den Kern – und zwar für eine längere Zeit. Sie bringt die erhoffte Nachhaltigkeit.“

Problemlage am Schultheisweiher in Offenbach ist vielschichtig

Die Problemlage an dem Gewässer in Offenbach ohne natürlichen Zufluss ist vielschichtig. Da ist zum einen das fatale Absinken des Grundwasserspiegels binnen zwei Jahren um durchschnittlich etwa 1,20 Meter im Stadtgebiet, der bereits die Straßen- und Parkbäume vertrocknen lässt. Darüber hinaus trägt der stark gestiegene Anteil von Phosphat „aus dem Gewässerumfeld“ und die seeinterne Anreicherung durch eine – im Verhältnis zur Wasserfläche viel zu große Zahl an Wasservögeln – dazu bei, dass sich das Gewässer nicht von selbst stabil halten kann.

Was vom Umweltamt fachlich korrekt geschildert wird, formulieren (Bade-) Gäste etwas direkter: „Die Nilgänse kacken den ganzen See voll.“ Heißt in hochgerechneten Zahlen: Aus dem Grundwasser werden Jahr für Jahr etwa 15 Kilogramm Phosphat in den See eingetragen, von den Wasservögeln sind es gut 20 Kilogramm.

Blaualgen-Belastung am Schultheisweiher in Offenbach ist alarmierend

Sergej Justus, Fachreferent im Umweltamt, führt aus: „Der Schultheis war von 2010 bis 2016 ein krautreicher Klarwasserflachsee. Jetzt hat er sich in ein algentrübes, cyanobakterienreiches (= Blaualgen) Gewässer gewandelt.“ Alarmierend: Die Blaualgen-Belastung hat sich in kurzer Zeit nahezu verdoppelt. Grund: Ab etwa 18 Grad vermehren sich die Bakterien rasant. Messungen dokumentieren, dass die Wasser-Temperaturen in der ehemaligen Kiesgrube seit Anfang Mai beinahe dauerhaft über 20 Grad lagen. Spitzenwert Ende Juni: 31,8. Das Fazit eines Berichts: „Ohne Phosphatentnahme ist mit lang anhaltendem Sauerstoffmangel (...) und einem dauerhaften Badeverbot zu rechnen.“

Um die Stabilität des Ökosystems in Offenbach am Schultheisweiher wieder herzustellen, will die Stadt eine Anlage zur externen Phosphat-Elimination aufstellen. Dabei handele es sich um ein seit zwanzig Jahres erprobtes Verfahren „mit nachhaltender Wirkung“. Andere Verfahren hätten einer genaueren Betrachtung nicht Stand gehalten – so etwa eine Art Sprudelanlage, die auch untere Schlammschichten gelöst und dadurch den Nährstoffeintrag exponentiell gesteigert hätte. Als ein Stadtverordneter nach einem möglichen Standort fragt, sind bislang zwei Anforderungen bekannt: eine Stromversorgung und die Anfahrt eines Kleinlasters.

Absage: Schultheisweiher in Offenbach wird nicht sich selbst überlassen

Eine 60 .000 Euro teure vertiefende Projektplanung soll weitere Details wie Wasserdurchsatz oder Schlamm-Entsorgung soll aufzeigen. Die überschlägig geschätzten Investitionskosten für eine solche Anlage im Container-Format liegen deutlich höher – bis zu 600.000 Euro. Umweltamtschefin Heike Hollerbach hofft auf die Zustimmung der Stadtverordneten und auf zügige Umsetzung. Ihr Wunsch: Zum Start der Badesaison 2020 soll die Anlage am Schultheisweiher laufen.

Dem oft geäußerten Ansinnen, das Naturschutzgebiet „Rumpenheimer und Bürgeler Kiesgruben“ einfach sich selbst zu überlassen, wird indes eine Absage erteilt: Es bestehe eine rechtliche Verpflichtung, „die ökologische Funktion des Gewässers und des Lebensraumes zu erhalten.“

VON MARTIN KUHN

Blaualgen, Fischsterben, Sumpfkrebse, Aalbesatz. Der Schultheisweiher in Offenbach bereitet den Behörden viel Arbeit. Seine Pflege als Naturschutzgebiet mit geduldetem Badebetrieb kostet viel Geld, berichtet op-online.de.

*op-online.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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