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Der Eigentümer des Schmuddelhauses in Offenbach muss die Immobilie jetzt unzugänglich machen.

Stadt Offenbach reagiert

Junkies, Müll und Ungeziefer: Offenbach greift bei Schmuddelhaus durch

Das Schmuddelhaus in Offenbach beschäftigt erneut die Behörden. Die Stadt greift nun durch.

Offenbach – Das vergammelte einstige Wohnhaus mit der Adresse Luisenstraße 24 in Offenbach beschäftigt wegen unhaltbarer Zustände erneut die Behörden. Nachdem unsere Zeitung die zuständigen Ämter mit Schilderungen von Nachbarn konfrontiert hatte, sah man sich im Rathaus zum Handeln gezwungen. 

Offenbach: Stadt greift bei Schmuddelhaus durch

Dem Eigentümer der vermüllten Immobilie, die eigentlich schon längst einem Neubau hätte weichen sollen, wurde von der Bauaufsicht nun mit Fristsetzung auferlegt, das Gebäude unzugänglich zu machen. Das heißt konkret, dass er sämtliche Zugänge (Türen, Fenster) dauerhaft verschließen muss.

Kommt er dem nicht nach, droht ihm ein Zwangsgeld. Zugleich hat ihn das Ordnungsamt nach einer Besichtigung des Hauses aufgefordert, den Müll auf dem Gelände zu entfernen.

Schmuddelhaus in Offenbach: Anwohner kämpfen gegen Müll und Ungeziefer

Sabine Albrecht-Eflanli sieht sich bestätigt. Was die Nachbarin der Schmuddelimmobilie im Namen zahlreicher Anwohner berichtet, muss in der Tat erschrecken. „Wir kämpfen seit Jahren gegen den Müll, den Gestank und das Ungeziefer von nebenan*“, so Albrecht-Eflanli. Das habe bislang schon tausende von Euro für die Schädlingsbekämpfung gekostet. Und seit Jahren würden die Nachbarn von den Behörden immer wieder vertröstet oder hingehalten.

Nach ihren Beobachtungen ist das Gebäude alles andere als verwaist. Das Haus sei durchgängig bewohnt, wobei es sich vermutlich um Gelegenheitsarbeiter aus Südosteuropa handele. „Neuerdings wohnen auch Junkies dort. Letzte Woche musste ich die Polizei rufen, weil einer von denen durchgedreht ist und Gegenstände von den oberen Stockwerken auf die Straße geworfen hat“, schildert Albrecht-Eflanli die Zustände.

Die größte Sorge bereitet den Nachbarn indes der Umstand, dass Kinder das Haus als Abenteuerspielplatz entdeckt haben. Dreimal schon habe man Kinder aus dem Gebäude rausholen müssen.

Für die Stadt Offenbach ist das Schmuddelhaus in der Luisenstraße ein Ärgernis

Bei der Stadt räumt man mittlerweile ein, es sei wohl nicht ausreichend gewesen, dass der Eigentümer im Winter alle Fenster und Zugangstüren habe entfernen lassen, um einen Aufenthalt „ungemütlich“ zu machen. Für die Stadt sei die Liegenschaft, für die bereits Abriss- und Baugenehmigung erteilt wurde, ebenfalls ein Ärgernis, heißt es aus dem Rathaus. Man wäre froh, wenn das Gebäude zumindest erst mal abgerissen werden würde. Da man dies aber leider nicht anordnen könne, erfolgte nun zumindest die Anordnung, den Zugang ins Gebäude dauerhaft und wirksam zu verhindern. 

Wie berichtet, besitzt die Eigentümerin, die Goldstein Immobilien GmbH, bereits seit Anfang des Jahres die Abrissgenehmigung. Seit 17. Juli liege auch eine Baugenehmigung vor, bestätigte Goldstein-Geschäftsführer Ensar Yanik erst kürzlich. Bislang habe man nicht abgerissen, weil noch nicht entschieden sei, wie man konzeptionell verfahren werde. Yanik: „Entweder ein Investor übernimmt das Ganze, oder wir bauen selbst Eigentumswohnungen und bringen diese dann an den Markt.“ Aktuell stehe man noch in Verhandlungen mit einem Investor. Voraussichtlich Ende des Jahres werde sich auf dem Innenstadt-Areal etwas tun.

Der Eigentümer des Schmuddelhauses in Offenbach muss die Immobilie jetzt unzugänglich machen.

Die Luisenstraße 24 war vor vier Jahren schon einmal in den Schlagzeilen, damals noch als nur noch leidlich funktionierendes Wohnhaus: Die EVO hatte 2015 die Leitungen zu der Liegenschaft gekappt, weil jahrelange Bemühungen, vom damaligen Eigentümer von neun der 13 Wohnungen Zahlungen zu erhalten, erfolglos geblieben waren. 30.000 Euro waren damals aufgelaufen. Der Eigentümer befinde sich in der Türkei und sei nicht greifbar, hatte es geheißen. Auf der gesamten Anlage lasteten Grundschulden von 890 .000 Euro.

Unsere Zeitung hatte damals zudem darüber berichtet, dass vier zahlungswillige Eigentümer keine Chance hatten, zumindest für ihre Anteile mit Wasser und Energie versorgt zu werden. Einer von ihnen war ein Familienvater, der die Wohnung für 75. 000 Euro erworben hatte.

VON MATTHIAS DAHMER

*op-online.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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